„Wir haben Respekt vor dem Erreichten“ – Kreissparkasse Göppingen legt vorläufige Geschäftszahlen des Jahres 2019 vor

Bereits im vergangenen Jahr hat die Weltwirtschaft mit Unwägbarkeiten gekämpft. Neue Handelsschranken, die Zitterpartie um den Brexit, aber auch die Weichenstellung bei der Automobilindustrie haben die Konjunktur beeinflusst. Eine Konjunktureintrübung hat bei vielen Betrieben zu einer Investitionszurückhaltung geführt, von der insbesondere der Maschinen- und Anlagebau betroffen waren.

Beim Geschäft mit den Privatkunden spielte insbesondere die andauernde Niedrigzins- beziehungsweise Nullzinsphase eine wesentliche Rolle. „In Anbetracht dieser Situation blicken wir mit Respekt vor dem Erreichten auf ein noch auskömmliches Geschäftsjahr 2019 zurück“, zieht Dr. Hariolf Teufel, Vorsitzender des Vorstands der Kreissparkasse Göppingen, Bilanz. Gemeinsam mit Klaus Meissner, Vorstand der Kreissparkasse Göppingen, bietet er einen Einblick in die vorläufigen Geschäftszahlen des Jahres 2019.

Bilanzsumme erstmals über 6 Milliarden Euro Die Bilanzsumme der Kreissparkasse Göppingen betrug zum Stichtag 31. Dezember 2019 6,06 Milliarden Euro. Gegenüber 2018 hat sie damit um rund 110 Millionen (1,8 Prozent) zugelegt.

Leicht rückläufig: Kundeneinlagen und Kundenausleihungen   Die Kundeneinlagen lagen am 31. Dezember 2019 bei 4,06 Milliarden Euro und damit um 20 Millionen Euro hinter dem Vorjahreswert (4,08 Milliarden Euro). Das entspricht einem Rückgang in Höhe von 0,5 Prozent. „Übrigens einem Rückgang, den wir mit der Einführung von Verwahrentgelten für Gewerbe- und Firmenkunden zum November eingeleitet haben“, erläutert Teufel.

Die Kundenausleihungen sind zum Bilanzstichtag um rund 140  Millionen Euro (3,2 Prozent) auf 4,25 Milliarden Euro zurückgegangen. „Hier kommt zum Tragen, dass wir in Anbetracht der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unsere Strategie neu definiert haben, um das Risiko im Falle eines Kreditausfalls zu reduzieren. Diese Strategie erweist sich nun angesichts der Coronakrise als wichtig und richtig“, sagt der Sparkassenchef.

Zinsüberschuss weiterhin unter Druck

Die wichtigste Ertragsposition für Banken und Sparkassen war jahrzehntelang der Zinsüberschuss. Diese Position ist mit der Niedrigzins- beziehungsweise Nullzinsphase in den vergangenen Jahren erheblich unter Druck geraten. Im Geschäftsjahr 2019 lag der Zinsüberschuss der Kreissparkasse Göppingen bei 99,5 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr (97,4 Millionen Euro).

Provisionserlös legt zu

Mit schwächerem Zinsüberschuss gewinnt die Ertragsgröße „Provisionsüberschuss“ an Bedeutung. Die Kreissparkasse Göppingen verzeichnete im Jahr 2019 einen Anstieg um 2,60 Millionen (8,4 Prozent) auf 33,5 Millionen Euro. „Sehr erfreulich war, dass wir hier in unterschiedlichen Bereichen zulegen konnten“, erörtert der Vorstandsvorsitzende. In diese Position fließen etwa Provisionserlöse des Wertpapiergeschäfts, des Zahlungsverkehrs sowie aus der Vermittlung von Immobilien, Versicherungen, Bausparverträgen und Privatkrediten.

„2019 war gerade in der Beratung ein sehr intensives Jahr. Es kam uns zugute, dass wir breit aufgestellt sind und unseren Kundinnen und Kunden je nach Lebenssituation ein individuelles Paket schnüren konnten“, berichtet Klaus Meissner.

So habe die Abteilung Immobilien Wohnbau 2019 einen Rekordumsatz in Höhe von 49,8 Millionen Euro bei der Verkaufsvermittlung verzeichnet. Insgesamt seien 310 Objekte bewertet, vermietet oder an neue Käufer vermittelt sowie rund 2000 Immobilien-Besichtigungen durchgeführt worden. „Auffällig ist, dass der Erstkontakt mittlerweile zu 95 Prozent online stattfindet“, weiß Meissner.

Mit beeindruckenden Zahlen habe das Tochterunternehmen „Fachpartner Gewerbe- und Wohnimmobilien GmbH“ (fgi), seine Position als führender Immobilien-Dienstleister für Gewerbeimmobilien in der Region unterstrichen. Meissner: „Die fgi hat 90 Objekte vermittelt beziehungsweise weiterentwickelt und mit einem Rekordumsatz in Höhe von 73,3 Millionen Euro nach Abzug aller Kosten einen Jahresüberschuss von 1,40 Millionen Euro erzielt“.

Ebenfalls auf ihr bestes Vertriebsjahr schaue die Versicherungsagentur der Kreissparkasse Göppingen zurück. Ihr vermitteltes Lebensversicherungsgeschäft lag 2019 bei mehr als 40 Millionen Euro. „Unsere gewerblichen Kunden sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben insbesondere Beratung zu Produkten der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) nachgefragt“, so der Vertriebsvorstand. Insgesamt konnte die Versicherungsagentur ihre Provisionserlöse 2019 um 12 Prozent auf mehr als 3 Millionen Euro steigern.

Schließlich geht Meissner noch auf das hochsensible Wertpapiergeschäft ein. Im Jahr 2019 hätten sich die fehlenden

Anlagealternativen im Zinsbereich im Wertpapierergebnis der Kreissparkasse bemerkbar gemacht. „Viele Anlegerinnen und Anleger haben sich aufgrund der guten Entwicklung des DAX endlich an das Thema Wertpapiere herangewagt. In Anbetracht des jährlichen Kaufkraftverlusts, den sie bei herkömmlichen Sparanlagen hinnehmen müssen, ein wichtiger Schritt. Die Coronakrise hat diesen Mut verständlicherweise gebremst“, sagt Meissner. Er ermutigt die Kundinnen und Kunden dazu, sich weiterhin mit dem Thema zu beschäftigen und sich gerade jetzt mit den Wertpapierspezialisten zu beraten. Auf jeden Fall warnt er vor unüberlegten Handlungen: „Panik war noch nie ein guter Ratgeber“.

Das Interesse der Kundinnen und Kunden der Kreissparkasse an Wertpapieren hat 2019 zu einem der Höchststände des Depotbestands geführt. Ende 2019 lag er bei rund 1,10 Milliarden Euro – das entsprecht einem Plus von rund 17 Prozent gegenüber dem Bilanzstichtag 2018.

Verwaltungsaufwand steigt 

Dieser Ertrag komme aber nicht von ungefähr. „Er geht mit viel Arbeit und Personaleinsatz einher und das spiegelt sich unter anderem in unserem Verwaltungsaufwand wider“, hält Dr. Hariolf Teufel fest. Der Verwaltungsaufwand lag 2019 bei 92,4 Millionen Euro und damit 2,2 Millionen über dem Vorjahreswert. Davon entfielen 62,6 Millionen Euro auf den Personalaufwand, der 2019 infolge der Tariferhöhung um 1,2 Millionen gestiegen sei. Ebenso habe sich der Sachaufwand trotz kostenbewussten Verhaltens erhöht. 2019 verbuchte die Kreissparkasse Göppingen hier 29,8 Millionen Euro und damit 1,0 Millionen Euro (3,3 Prozent) mehr als im Vorjahr. Ein Teil der höheren Kosten sei auf Verbundumlagen und Beiträge zur Einlagensicherung zurückzuführen.

Ergebnis nach Bewertung noch zufriedenstellend

Das operative Ergebnis vor Bewertung der Kreissparkasse Göppingen sei von 2018 auf 2019 um 2,25 Millionen Euro auf 41,7 Millionen Euro gestiegen. „Das Ergebnis nach Bewertung lag 2019 nach unseren vorläufigen Zahlen bei 39,6 Millionen Euro (Vorjahr 41,4 Millionen Euro)“, hält Sparkassenchef Dr. Hariolf Teufel fest.

Die Cost-Income-Ratio (CIR), das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag, bewegte sich im Geschäftsjahr 2019 mit 69,0 Prozent leicht unter der Vorjahreshöhe von 69,6 Prozent. Das bedeutet, dass die Kreissparkasse Göppingen 69 Cent ausgegeben hat, um einen Euro zu verdienen.

Eigenkapital wird aufgestockt

Vorbehaltlich der Zustimmung des Verwaltungsrats könne, so Dr. Hariolf Teufel, die Kreissparkasse Göppingen das Eigenkapital auf rund 670 Millionen Euro steigern. Dies führe zu einer Gesamtkapitalquote der von knapp 16 Prozent. Damit erfülle die Kreissparkasse Göppingen zum Bilanzstichtag deutlich die gesetzlichen Anforderungen.

Mitarbeiterzahlen

Zum Jahresende 2019 beschäftigte die Kreissparkasse Göppingen 1075 Personen (Vorjahr 1080). Von den Beschäftigten waren 599 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vollzeitbeschäftigt und 414 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilzeitbeschäftigt. In der Ausbildung befanden sich 62 junge Menschen. Die Ausbildungsquote lag bei 6,3 Prozent (2018: 5,9 Prozent), die Fluktuationsrate bei 4,7 Prozent (2018: 5,1 Prozent).

Hinsichtlich der Zahlen weisen die Vorstände der Kreissparkasse darauf hin, dass es sich noch um vorläufige Zahlen handele, die sich noch bis zur endgültigen Feststellung des Jahresabschlusses ändern könnten.

Fazit

Mit Blick auf die vorläufigen Zahlen lautet das Fazit von Dr. Hariolf Teufel: „2019 war ein Jahr, das wir noch zufriedenstellend abschließen konnten. Und das, obwohl sich die Anforderungen an unser Haus kontinuierlich ändern, der Wettbewerb in allen Bereichen immer härter wird und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer schwieriger“. Weiter stellt er fest: „Wir stecken mitten in einem Transformationsprozess. Die Finanzbranche verändert sich rapide. Es kostet uns erhebliche Anstrengungen, nicht nur auf der Höhe der Zeit, sondern möglichst noch einen Schritt voraus zu sein. Denn das ist notwendig, um in dieser sich rasant ändernden Welt bestehen zu können. Hinzu kommt nun noch die Corona-Krise. Das Jahr 2020 stellt damit entscheidende Weichen. Es stellt eine Zäsur dar. Wir müssen unser Geschäftsmodell in Teilen neu erfinden.“

Beratung steht bei der Kreissparkasse im Zentrum

An der grundlegenden Ausrichtung der Kreissparkasse Göppingen würden diese neuen Entwicklungen aber nichts ändern. „Wir stellen die individuelle Beratung unserer Kundinnen und Kunden weiterhin in den Mittelpunkt unseres Handels“, so Teufel. Die zentrale Frage der Geschäftstätigkeit der Kreissparkasse laute: „Wie können wir es unseren Kundinnen und Kunden mit unseren Angeboten einfacher machen, ihr Leben besser zu gestalten?“ Dabei habe die Kreissparkasse auch immer das Wohl des gesamten Landkreises im Blick. „Wenn wir erfolgreich sind, dann ist es selbstverständlich, dass wir auch den Landkreis mit seinen Menschen, Unternehmen, Vereinen und Organisationen an unserem Geschäftserfolg partizipieren lassen“, bekräftigt Dr. Hariolf Teufel.

Im Jahr 2019 hat die Kreissparkasse Göppingen 589.870 Euro gespendet. Davon hat das Finanzinstitut 300.000 Euro an die SchlossFilseck-Stiftung der Kreissparkasse Göppingen, 180.000 Euro an die Jugendstiftung der Kreissparkasse Göppingen und 20.000 Euro an die Stauferstiftung der Kreissparkasse Göppingen gegeben. 89.870 Euro hat die Kreissparkasse an diverse Projekte in den Gemeinden und Städten im Landkreis gespendet.

Zusätzlich zu den eigenen Spenden hat die Kreissparkasse Göppingen mit 125.780 Euro aus dem sogenannten Sozialen Zweckertrag besonders förderungswürdige Projekte im Landkreis unterstützt. Diese Spenden haben die PS-Sparer mit ihren PS-Losen ermöglicht. Denn von jedem Los gehen monatlich 25 Cent in den Fördertopf zum Wohle der Region.

Die Wirtschafts- und Innovationsförderungsgesellschaft für den Landkreis Göppingen (WiF) hat die Kreissparkasse mit 178.296 Euro unterstützt. Mit 50.000 Euro hat sie das Geislinger Innovations- und GründerZentrum (GIGZ) und somit das Start-up G-INNO gefördert.

Auch die Wissenschaftsförderung wurde 2019 bedacht. Die Kreissparkasse Göppingen investierte 198.107 Euro in die Stiftungsprofessuren „Nachhaltige Mobilität“ an der HfWU und „Elektrische Antriebe und Energieeffizienz“ am Standort Göppingen der Hochschule Esslingen.

Über ihre Jugendstiftung hat sie 2019 das NwT-Bildungshaus in Göppingen mit 33.000 Euro gefördert und schließlich hat sie mit ihren Stiftungen insgesamt weitere rund 30.000 Euro Spenden an zahlreiche Projekte in den Landkreis gegeben.

Die Sponsoringausgaben in Höhe von 315.000 Euro hinzugezählt, hat die Kreissparkasse Göppingen im Jahr 2019 Projekte und Organisationen aus dem Landkreis mit insgesamt 1,29 Millionen Euro an ihrem Geschäftserfolg teilhaben lassen.

Foto: Die Vorstände der Kreissparkasse Göppingen Dr. Hariolf Teufel (li.) und Klaus Meissner
PM Kreissparkasse Göppingen

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