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Corona Krise: Schwere Belastung für Wirtschaft – BVMW-Chef Lehner: Unternehmer bangen um Existenz – Pleiten drohen

Bei Lothar Lehner steht in diesen Tagen das Telefon kaum still. Immer wieder erreichen den BVMW-Kreisvorsitzenden besorgte Anfragen von vor allem kleinen mittelständischen Unternehmen, die nach massiven Umsatzrückgängen durch die Corona-Krise mit dem Rücken an der Wand stehen und nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Lehner: „Viele der Unternehmen bangen um ihre Existenz, spüren die Absagen von Messen und Großveranstaltungen während die Kosten weiterlaufen.“ In Zeiten von Basel III und einem unbeugsamen Insolvenzrecht ist nach Einschätzung des BVMW- Repräsentanten dringend Handlungsbedarf geboten.

Hans-Peter Herbinger, Vorstandsmitglied der der Raiffeisenbank in Wangen (Kreis Göppingen), bestätigt die Erfahrungen von Lehner. Es gebe bereits Kunden, denen die Absage von Veranstaltungen schwer zu schaffen machen und keine Einnahmen mehr haben. Auch Gastronomen hätten nach Umsatzeinbrüchen in den vergangenen Tagen Liquiditätsprobleme. „Wir haben hausintern besprochen, dass wir den Betroffenen, sofern sie Kunden unserer Bank sind, schnell und unbürokratisch zu weiterer Liquidität verhelfen“, so Herbinger. Das Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank sieht das als ad-hocMaßnahme, setzt aber, da die Corona-Krise nicht schon morgen zu Ende sei, vor allem auf die staatlichen Förderprogramme. Diese lägen aber noch nicht vollständig vor. Herbinger ist sich allerdings sicher, dass die Bewältigung der Corona-Krise weitaus schwieriger werde als die Finanzkrise 2008.

Insolvenzverwalter Rainer Tillmann von der Kanzlei Wallner-Weiß in Stuttgart teilt diese Einschätzung. Der Restrukturierungsexperte hält die Corona Krise für eine äußerst schwere Belastung der Wirtschaft und rechnet mit zahlreichen Unternehmenspleiten. Nach seiner Einschätzung gefährdet der Schock für die Angebots- und Nachfrageseite insbesondere Unternehmen, die in den vergangenen Jahren die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells versäumt haben. Hinzu kommt, dass bereits heute viele Unternehmen in hohem Maße von Fremdkapital abhängig sind. In dieser Lage hält er unbürokratische Liquiditätshilfen für einen ersten richtigen Schritt. Trotz der Ungewissheit müssten die Unternehmer und Geschäftsleiter jedoch zwingend Erträge und Liquidität fortlaufend planen, um handlungsfähig zu bleiben.“

Kai Steffen Meier, Geschäftsführer der Wiedmann-Group (Deggingen), zu der auch die Mehler Blechtechnologie GmbH in Süßen gehört, weiß auch durch sein ehrenamtliches Engagement als CDU-Kreisvorsitzender ob der schwierigen Situation, vor der in diesen Tagen viele Unternehmer stehen. „Vor allem weil man nicht weiß, wie lange diese Krise andauert und welche weitreichenden Folgen sie dadurch für jeden einzelnen Betrieb haben wird“, so Meier. Er setzt auf eine kluge Politik, die schnell und unbürokratisch ihre Hilfsprogramme umsetzen müsse. Dabei dürften die Klein- und Kleinstbetriebe nicht vergessen werden. Mehler selbst benötige aktuell keine Finanzhilfe, der Betrieb sei im Verbund der Firmengruppe gut ausgelastet. Für ihn, Meier, sei es mit Blick auf die Schulschließungen zunächst wichtig gewesen, die Produktion im Betrieb in Einklang mit den notwendigen Betreuungszeiten von Kindern der Mitarbeiter zu bringen. Diese habe man durch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten erreichen können.

BVMW-Kreisvorsitzender Lehner appelliert an die Politik, die kleinen Unternehmen jetzt nicht zu vergessen. In einem Aufruf an die Bundestagsabgeordneten Hermann Färber (CDU) und Heike Baehrens (SPD) lobt Lehner, was die Politik zur Abmilderung der Folgewirkungen der ausgerufenen Pandemie zum Schutz der Unternehmen in Bewegung setzt, betont aber, dass kleinste und kleine Unternehmen, vor allem im Dienstleistungsbereich mit einer hohen (Personal-)Aufwandsquote, langfristig nicht durch Corona-Darlehen gerettet werden. „Da hier Verluste real anfallen und diese Unternehmen auch nicht in der Lage sein werden diese kurzfristig wieder abzubauen (z. B. Hotels, Werbeagenturen, etc.) benötigen wir neben dem Darlehensprogramm für größere Unternehmen, verlorene Zuschüsse für die Kleinen und Kleinsten. Die teilweise durch Corona hervorgerufene massive Bonitätsverschlechterungen führt für diese Unternehmen ansonsten durch Gesetze wie Basel III in mangelnde Kreditfähigkeit und damit mittels der Vorgaben der Insolvenzordnung in die Pleite.“

Eine Plattform, um dies umzusetzen (Bewilligung und Auszahlung verlorener Zuschüsse) könnten laut Lehner zum Beispiel die bereits vorhandenen Regelungen und Strukturen im Bundesseuchengesetz sein. Angepasst werden müsste nur die Zielgruppen und die Volumina, am besten nicht nach Branchen, sondern nach Größe. Zur Beschleunigung des Vorgangs schlägt Lehner vor, zunächst Corona-Hilfsdarlehen auch an diese Unternehmen auszugeben und diese anschließend in verlorene Zuschüsse umzuwandeln und zu verrechnen. Lehner geht davon aus, dass sich die Politik mit der Thematik bereits befasst, sieht seinen Appell deshalb als die Stimme des Mittelstands aus der Region, um nochmals auf die Dringlichkeit und Notwendigkeit hinzuweisen.

PM Lothar Lehner Selbständiger Repräsentant des BVMW e. V.

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