Frauen noch in vielen Bereichen schlechter gestellt als Männer

Anlässlich des Internationalen Frauentages am kommenden Sonntag haben Frauenministerin Katrin Altpeter und Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid bekräftigt, die Anstrengungen des Landes für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern weiterzuführen.

„In den vergangenen 104 Jahren haben die Frauen in Deutschland viel erreicht in ihrem Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung. Aber noch immer sind sie in vielen gesellschaftlichen Bereichen schlechter gestellt als Männer“, sagten Altpeter und Schmid. „Führungspositionen in Politik und Wirtschaft sind nach wie vor überwiegend männlich besetzt, gleichzeitig arbeiten viel mehr Frauen als Männer in schlecht bezahlten Teilzeitjobs. Wir werden deshalb nicht darin nachlassen, Frauen eine bessere Vereinbarkeit ihres Berufs- und Familienlebens zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass ihnen die gleichen beruflichen Einstiegs- und Aufstiegschancen wie Männern offen stehen.“

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Sozialministerin Altpeter: „Die Landesregierung hat in den vergangenen Jahren bereits massiv Geld in den Ausbau von Krippenplätzen investiert und wir setzen unsere Förderung fort. Allein in diesem und im kommenden Jahr stellt die Landesregierung über 1,5 Miiliarden Euro für die Kleinkindbetreuung zur Verfügung.“

Auch der von der Landesregierung kontinuierlich vorangetriebene Ausbau der Ganztagsschulen verbessere die Chancen von Frauen auf eine Erwerbstätigkeit bzw. auf eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit. Bis 2023 sollen rund 70 Prozent der Grundschulen und Grundstufen der Förderschulen im Land zu Ganztagsschulen ausgebaut werden. Zur Finanzierung stellt die Landesregierung bis zu 158 Millionen Euro jährlich in der Endstufe bereit.

Altpeter verwies auf Zahlen des Statistischen Landesamtes, wonach in Baden- Württemberg über 80 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit oder gar nicht arbeiten (zum Vergleich: über 90 Prozent der Väter arbeiten Vollzeit). Viele Frauen würden zwar gerne (mehr) arbeiten, sähen aber keine Möglichkeit, diesen Wunsch umzusetzen.

Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid betonte, dass gleiche Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen nicht zuletzt vor dem Hintergrund des demografischen und gesellschaftlichen Wandels, der Globalisierung und des wachsenden Fachkräftebedarfs wesentlich seien. „Die Erschließung aller verfügbaren Talente und Fachkräftepotenziale von Frauen und Männern wird zum entscheidenden Innovations- und Wirtschaftsfaktor für Baden-Württemberg. Deshalb fördert die Landesregierung kleine und mittlere Unternehmen im Land gezielt bei der Entwicklung und Einführung einer familienbewussten Personalpolitik“, so der Minister. Er nannte die vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft geförderten ESF‑Projekte familyNet und Cum tempore. Diese bieten in den nächsten drei Jahren Unterstützung durch Information, Beratung, Vernetzung und Erfahrungsaustausch an.

Mehr Frauen in Führungspositionen

Ministerin Altpeter und Minister Schmid begrüßten, dass nach jahrelangen Debatten nun auf Bundesebene die Frauenquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte kommen wird. Der entsprechende Gesetzentwurf soll am Freitag im Bundestag beschlossen werden. „Zu einer modernen Wirtschafts- und Innovationspolitik gehören auch mehr Frauen in Führungspositionen“, sagte Schmid.

Auch die Landesregierung arbeitet daran, qualifizierten Frauen neue Wege in Aufsichtsgremien und Beiräte zu ermöglichen und eine schnellere Erhöhung des Frauenanteils zu bewirken. Der Minister wies unter anderem auf das von seinem Ministerium mit Mitteln des ESF und des Landes geförderte, bundesweit einmalige „Spitzenfrauenportal“ hin (www.spitzenfrauen-bw.de). Als zentrale Anlaufstelle biete die Plattform für Frauen und Unternehmen Informationen zum Thema Frauen in Führungspositionen. Die Datenbank „Spitzenfrauen in Gremien“ (www.spitzenfrauen-in-gremien.de) erleichtere es Unternehmen zudem, qualifizierte Frauen für Aufsichtsgremien und Beiräte zu finden. Bislang sind in Baden-Württemberg nur 23 Prozent der Führungspositionen in der Wirtschaft von Frauen besetzt.

Mehr Teilzeitausbildung für Alleinerziehende

Um vor allem alleinerziehenden Frauen überhaupt eine Berufsausbildung zu ermöglichen, hat Ministerin Altpeter im Landesprogramm „Gute und sichere Arbeit“ einen Schwerpunkt auf die Förderung von Teilzeitausbildung gelegt. Dadurch konnten allein zwischen 2012 und 2014 über 6.000 Personen, davon die meisten alleinerziehende Frauen, eine Berufsausbildung beginnen. „Alleinerziehende haben aufgrund ihrer Lebenssituation nicht die gleichen Chancen, eine berufliche Ausbildung in Vollzeit zu absolvieren. Eine Berufsausbildung ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung für eine dauerhafte und existenzsichernde Beschäftigung“, so die Ministerin. Die Teilzeitausbildung bietet den Frauen die Chance auf eine betriebliche Ausbildung mit einer dauerhaften Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt – bei gleichzeitiger Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Weitere Maßnahmen für Frauen

Die Ministerin und der Minister wiesen darauf hin, dass die Landesregierung auch viele weitere Maßnahmen für Frauen auf den Weg gebracht hat. Mit dem federführend vom Sozialministerium erarbeiteten Landesaktionsplan gegen Gewalt an Frauen liegt erstmals für Baden-Württemberg ein umfassendes Konzept zur Verhütung und Bekämpfung von häuslicher Gewalt, sexueller Gewalt, Zwangsverheiratung und Menschenhandel vor. Für die Umsetzung des Landesaktionsplans stehen in den kommenden beiden Jahren insgesamt rund 3,6 Millionen Euro zur Verfügung. Auch die bereits im Koalitionsvertrag festgelegte Novellierung des Chancengleichheitsgesetzes mit dem Ziel einer Quotenerhöhung weiblicher Führungskräfte in landeseigenen Unternehmen, der schrittweisen paritätischen Besetzung der Aufsichts- und Verwaltungsräte sowie einer Stärkung der Rechte der Beauftragten für Chancengleichheit sei nach intensiver Vorarbeit auf dem Weg, so Ministerin Altpeter. Mit der Frage, wie einer Armutsgefährdung gerade auch von Frauen entgegengewirkt werden kann, wird sich zudem der erste Armuts- und Reichtumsbericht für Baden-Württemberg befassen, der zurzeit erarbeitet wird.

PM

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