ver.di Forderungen zum morgigen Internationalen Tag der Sozialen Arbeit – am Dienstag Online-Veranstaltung zum Zeugnisverweigerungsrecht

Am Dienstagabend veranstaltet ver.di Baden-Württemberg anlässlich des morgigen Internationalen Tages der Sozialen Arbeit eine bundesweite Online-Konferenz zum Zeugnisverweigerungsrecht. Dieses Thema ist in Baden-Württemberg von besonderer Brisanz, weil die Kolleg:innen im Karlsruher Fanprojekt nun sogar Strafbefehle in Höhe von 120 Tagessätzen à 60 Euro erhalten haben. https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/mein-arbeitsplatz/sozialarbeit/++co++23f84aa2-d612-11ee-b950-39a68b86b61a?fbclid=IwAR0t72yY8uO6-ZUeEmuvlxwo-KWT1_UyZnMqG5EcKaQQRu8442aV9hwehc4

Im Rechtsstreit zwischen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und dem dortigen Fanprojekt geht es um die Aussageverweigerungen der Mitarbeiter:innen des Fanprojekts, die sich auf ihre Schweigepflicht berufen, um das Vertrauensverhältnis zu ihren Adressat:innen zu schützen. Für die Ausübung ihres Berufs bekamen sie Ordnungsgelder, Androhung von Beugehaft und nun hohe Strafbefehle. Sollten die Strafbefehle Rechtsgültigkeit erlangen, wären die Betroffenen vorbestraft und schließlich auch mit massiven Strafzahlungen konfrontiert.

Hanna Binder, stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin: „Beschäftigte sollen mit mehreren Tausend Euro haften, weil sie ihren Beruf mit Überzeugung und Engagement ausüben. Die Staatsanwaltschaft übersieht, dass das Vertrauensverhältnis die Grundvoraussetzung für die Soziale Arbeit ist.“

ver.di ist Mitglied im Bündnis für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit: https://www.zeugnis-verweigern.de/ ver.di kritisiert, dass ein jahrelanges Versagen der Politik auf dem Rücken der Kinder, Jugendlichen, Familien und Beschäftigten in Jugendämtern, Jugendhilfeeinrichtungen und Inobhutnahmestellen ausgetragen wird: Kinder, Jugendliche und Familien können nicht mehr intensiv genug betreut werden, weil die Beschäftigten stark überlastet sind.

„Nun kollabiert dieses auf Kante genähte System“, betont die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. „Durch die Coronapandemie sind die Problemlagen der Familien, Kinder und Jugendlichen komplexer geworden und sie benötigen eine intensivere Begleitung bei ihren Problemen. Dass sie diese Unterstützung nicht bekommen, weil es viel zu wenig Beschäftigte gibt, ist eine Katastrophe.“

Behle wies darauf hin, dass es gleichzeitig eine wachsende Fachkräftelücke in der Sozialen Arbeit gebe, die der Fachkräftelücke im Arbeitsfeld Kita ähnelt. Laut Bundesagentur für Arbeit besteht bundesweit eine Fachkräftelücke von 20.578 Personen. Dies führt zu einer Vielzahl von offenen und oft nicht mehr nachzubesetzenden Stellen. Die Beschäftigten berichten von Überforderung, Überlastung, Erkrankungen und starker Fluktuation in den Teams. Zahlreiche Studien belegen diese Situation und weisen ein hohes Burnout-Risiko nach. Die belastende Situation wirkt sich massiv auf die psychische Belastung der Beschäftigten in der Sozialen Arbeit aus. Als besonders emotional belastend beschreiben die Beschäftigten, dass sie die Kinder und Jugendlichen nicht so unterstützen können, wie es fachlich und menschlich angemessen wäre. In den Jugendämtern müssen die „Fälle“ nach Dringlichkeit sortiert werden, in Obhut genommene Kinder und Jugendliche schlafen in den Büros oder werden in Hotels untergebracht und in den Kinderschutzhäusern, die eigentlich nur für einen kurzen Aufenthalt vorgesehen sind, verbringen die Kinder und Jugendlichen oft ein Jahr oder länger. Das zermürbt sowohl die Betroffenen als auch die Beschäftigten auf Dauer und veranlasst viele, sich auf die Suche nach anderen Arbeitsplätzen zu begeben.

„Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass diese Problematik von der Politik und Öffentlichkeit weitgehend ignoriert wird“, so Christine Behle. „Es geht um nichts Geringeres als den Schutz von Kindern – Wir wollen nicht erst auf Tragödien warten, bis sich etwas an dieser prekären Situation ändert!“

Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen und Lösungswege zu finden, lädt ver.di anlässlich des Internationalen Tages der Sozialen Arbeit zu diversen Veranstaltungen ein. Dabei soll über die Arbeitsbedingungen diskutiert und Strategien entwickelt werden, um Politik und Arbeitgeber zum Handeln zu bewegen. Internationaler Tag der Sozialen Arbeit bei ver.di: https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/mein-arbeitsplatz/sozialarbeit/++co++23f84aa2-d612-11ee-b950-39a68b86b61a?fbclid=IwAR0t72yY8uO6-ZUeEmuvlxwo-KWT1_UyZnMqG5EcKaQQRu8442aV9hwehc4

Ergebnisse der Studien (Alsago & Meyer 2024) Hochschule Fulda & ver.di): https://oeffentliche-private-dienste.verdi.de/mein-arbeitsplatz/sozialarbeit/++co++2cceb3ba-847c-11ee-8ef4-d9a7ec82f30e Ergebnisse des DAK Psychreport 2024: https://www.presseportal.de/pm/50313/5728071

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

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