In einem Gesetzentwurf des Bundesbildungs- und -familienministeriums werden Pläne konkretisiert, wonach es Tests des Sprachstands aller Kinder in ihrem 5. Lebensjahr geben soll. Dies ist die Umsetzung eines entsprechenden Vorhabens aus dem Koalitionsvertrag.
Der VBE hatte sich in der Vergangenheit mehrmals dazu geäußert, dass der Sprachstand nicht nur an einem einzigen Tag aufgenommen wird, sondern kontinuierlich von dem Fachpersonal registriert und dokumentiert wird. „Das ist auch notwendig, insbesondere, um die Entwicklung eines Kindes einschätzen zu können sowie die Fortschritte und nicht nur den Stand an einem Tag zu sehen“, erläutert Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).
Ganzheitliche Förderung gewährleisten
Standards zu schaffen für die Testung, die momentan in den Ländern sehr unterschiedlich erfolgt, bewertet er hingegen als positiv. Auch überzeugt ihn der Ansatz, Personal und Zeit für die Testungen bereitzustellen. Nicht klar genug sei jedoch, wie die konkreten Fördermöglichkeiten aussehen sollten. „Jede Forderung nach Sprachstandstests bleibt Makulatur, wenn nicht von vornherein eine auf dem Testergebnis basierende Förderung gewährleistet werden kann“, so Neckov, der deshalb betont: „Der Ansatz muss sein: Sprachstandstests müssen im Sinne der Chancengerechtigkeit die Integration von Kindern, deren bestmögliche Entwicklungsunterstützung und damit ihr Fortkommen im Bildungssystem im Fokus haben. Um dies zu sichern, gilt es auch, mehr als nur den Sprachstand zu testen. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz, mit dem die Stärken und Herausforderungen jedes Kindes sichtbar werden. Ein Sprachstandstest allein wird die Herausforderungen, mit denen einige Kinder konfrontiert sind, nicht sichtbar machen.“
Personal qualifizieren
Außerdem müsse das Personal weiter gut qualifiziert werden. Der VBE-Chef sieht hier Aufholbedarf: „Nur wenige Kitas verfügen über entsprechend ausgebildete Personen. So gab in unserem DKLK-Meinungstrend 2024 fast ein Drittel der Kitaleitungen an, dass keine pädagogische Fachkraft speziell für den Bereich sprachliche Bildung fortgebildet ist. Hier muss investiert werden!“
Demographische Rendite nutzen
Für die Testungen ist vorgesehen, mehr Personal vorzuhalten. Dies erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem in verschiedenen Betreuungseinrichtungen Personal eingespart wird. Neckov sieht sich in der Forderung bestätigt, das Personal lieber zu halten und somit in die Qualität der Betreuung zu investieren: „Wo möglich, muss die demographische Rendite nun genutzt werden. Nur so werden wir das System, das für lange Zeit unterbesetzt war, endlich zukunftsfest aufstellen.“
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertritt als parteipolitisch unabhängige Bildungsgewerkschaft die Interessen von ca. 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen – aus dem frühkindlichen Bereich, der Primarstufe, den Sekundarstufen I und II und dem Bereich der Lehrkräftebildung – in allen Bundesländern. Der VBE ist eine der beiden großen Bildungsgewerkschaften in Deutschland und mitgliederstärkste Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion.
PM VBE Verband Bildung und Erziehung