23 Verstöße in zwei Jahren allein im Ortenaukreis: PETA fordert von neuer Landwirtschaftsministerin Marion Gentges das Ende der Anbindehaltung

Die Juristin Marion Gentges ist neue Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat in Baden-Württemberg. Anlässlich ihres Amtsantritts hat PETA an Gentges appelliert, den landesweiten Ausstieg aus der Anbindehaltung von Rindern einzuleiten. Denn: Allein im Ortenaukreis dokumentierte das zuständige Landratsamt in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt 23 Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen in Betrieben mit Anbindehaltung. In diesem Landkreis liegt der Wahlkreis der neuen Landwirtschaftsministerin. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation verstößt diese qualvolle Haltungsform grundsätzlich gegen das Tierschutzgesetz.

„Tag für Tag leiden tausende Rinder angekettet in baden-württembergischen Ställen. Ihr Recht auf Bewegung, körperliche Unversehrtheit und Freiheit wurde ihnen geraubt. Wir appellieren an Ministerin Gentges, die Qualen der Tiere ernst zu nehmen und die Anbindehaltung zu beenden“, so Julia Weibel, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA. „Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen sind in dieser grausamen Haltungsform Alltag, bleiben jedoch meist hinter verschlossenen Stalltüren verborgen und werden viel zu selten konsequent geahndet. Wer die Ausbeutung für die Milch- und Fleischindustrie nicht mitverantworten will, lebt vegan.“

Per Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz beim Landratsamt Ortenaukreis wurde PETA zwar die Anzahl der dokumentierten Verstöße mitgeteilt. Über die Zahl der Betriebe mit Anbindehaltung konnte jedoch keine Auskunft gegeben werden, da diese statistisch nicht gesondert erfasst würden.  Dokumentiert werde lediglich, zu welchem „Zweck“ die Tiere gehalten werden.

Hintergrundinformationen: 

Baden-Württemberg bei Zahl der Betriebe mit Anbindehaltung auf Platz zwei

Nach Angaben des Thünen-Instituts hielten 2020 35 Prozent der baden-württembergischen Betriebe Rinder angebunden. [1] Nur in Bayern ist der Anteil der Betriebe mit Anbindehaltung noch höher. Baden-Württemberg belegt sowohl bei der Zahl der Betriebe als auch beim Anteil der Tiere den traurigen zweiten Platz: Rund 13 Prozent aller Rinder und knapp 17 Prozent aller für die Milchindustrie ausgebeuteten Kühe stehen hier in Anbindeställen. [2] In insgesamt 26 Fällen hat PETA bereits Strafanzeige gegen Betriebe mit Anbindehaltung in Baden-Württemberg erstattet.

Tierquälerische Haltungsform: Anbindehaltung schränkt Grundbedürfnisse massiv ein

Rinder in Anbindehaltung erfahren unzumutbares körperliches und psychisches Leid. Die Tiere essen, ruhen, stehen, liegen, koten und urinieren an ein und demselben Platz im Stall und können sich dabei nicht einmal umdrehen. Zahlreiche juristische Aufsätze thematisieren, dass die Anbindehaltung von Rindern den Tatbestand der quälerischen Tiermisshandlung erfüllt, da die Tiere hierdurch in nahezu allen ihren natürlichen Verhaltensweisen und Grundbedürfnissen stark eingeschränkt werden. Dies wird auch „erzwungenes Nichtverhalten“ genannt. [3] Die dauernde Fixierung beeinträchtigt das Wohlbefinden der Rinder derart, dass erhebliche Leiden verursacht werden.

Mit Blick auf die katastrophalen Zustände für rund eine Million Rinder in deutschen Ställen haben rund 350 Tierärztinnen und Tierärzte in einem offenen Brief an Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) ein schnelles und verbindliches Ende der Anbindehaltung von Rindern gefordert. Außerdem werfen die Unterzeichnenden der Bundesregierung vor, ein bundesweites Verbot der Anbindehaltung zu blockieren.

PETA präsentiert Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft

Die tierhaltende Landwirtschaft tötet jedes Jahr allein in Deutschland über 750 Millionen fühlende Lebewesen und gehört zu den ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Wirtschaftszweigen unserer Zeit. [4] Eine Agrarwende hin zur tierfreien Landwirtschaft würde das Leben künftiger Generationen sichern sowie die Folgen der Klimakatastrophe abmildern. PETA hat deshalb Ende Mai 2025 einen Strategieplan zum Ausstieg aus der Tierwirtschaft veröffentlicht und fordert die Politik damit zum Handeln auf. Die Tierrechtsorganisation zeigt anhand konkreter Schritte, wie der Umstieg auf veganen Ökolandbau gelingen kann.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

[1] Tergast, Hauke et. al. (2023): Rinder in Anbindehaltung. Online abrufbar unter: https://www.thuenen.de/de/themenfelder/nutztierhaltung-und-aquakultur/nutztierhaltung-und-fleischproduktion-in-deutschland/anbindehaltung-in-der-rinderhaltung. (01.06.2026).
[2] Dr. Zinke, Olaf (19.09.2021): Anbindehaltung geht stark zurück – viele kleine Milchbauern geben auf. Agrarheute. Online abrufbar unter: https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/anbindehaltung-geht-stark-zurueck-kleine-betriebe-verlierer-585308. (01.06.2026).
[3] Schrott, N.: Die Nutztierhaltung und das Strafrecht, LMuR 2024, 147. In: Hirt/Maisack/Moritz/Felde, Tierschutzgesetz, 4. Auflage 2023, § 17 Rn. 100b.
[4] Shepon et al. (2018): The opportunity cost of animal based diets exceeds all food losses. Online abrufbar unter: https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1713820115. (01.06.2026).

Weitere Informationen:

PETA.de/Themen/Anbindehaltung
PETA.de/Aktiv/Anbindehaltung-Molkereien
PETA.de/Themen/Kuhmilch
PETA.de/Themen/Kühe
PETA.de/Kampagnen/Milch
PETA.de/Themen/Ernährung
PETA.de/Veganleben/Warum-vegan
PETA.de/Aktiv/Tierfreie-Landwirtschaft
Veganstart.de

PETA Deutschland e.V. ist mit über 1,5 Millionen Unterstützenden die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.

PM PETA Deutschland e.V.

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