Umfrage: Große Mehrheit fordert Altersgrenze für Energydrinks  

Eine deutliche Mehrheit der Bürger:innen fordert eine gesetzliche Altersbeschränkung für den Verkauf von Energydrinks. Laut einer repräsentativen Umfrage von Verian (ehemals Kantar/Emnid) im Auftrag von foodwatch halten 92 Prozent der Befragten das Trinken von Energydrinks für Kinder und Jugendliche für gesundheitsschädlich. 90 Prozent befürworten ein gesetzliches Mindestalter für den Verkauf. Mehr als die Hälfte von ihnen sprach sich für ein Mindestalter von 16 Jahren aus, knapp ein Drittel von 18 Jahren. foodwatch forderte die Bundesregierung auf, die Gesundheit junger Menschen zu schützen, eine gesetzliche Altersbeschränkung sei überfällig. 

„Nicht nur Expert:innen, sondern auch eine klare Mehrheit der Bevölkerung fordert eine Altersgrenze für Energydrinks. Die Bundesregierung muss die klaren Umfrageergebnisse als Auftrag verstehen und den Verkauf der süßen Wachmacher an Minderjährige gesetzlich verbieten“, forderte Luise Molling von foodwatch. Polen, Lettland, Litauen und Rumänien haben bereits Altersgrenzen für die umstrittenen Getränke eingeführt. Auch der Bürgerrat Ernährung hatte dem Deutschen Bundestag im Februar ein Verbot von Energydrinks für Jugendliche unter 16 Jahren vorgeschlagen.

Die Bundesregierung lehnt die Einführung einer gesetzlichen Altersbeschränkung jedoch ab. Der moderate Koffein-Konsum bei Minderjährigen sei moderat. „Auf Grundlage der derzeitigen Risikobewertungen wäre daher ein Abgabeverbot oder auch die Absenkung aktueller Höchstgehalte für bestimmte Stoffe in Energydrinks nicht begründbar“, erklärte das Ernährungsministerium (BMEL) gegenüber dem WDR. Die CDU-Generalsekretärin Christina Stumpp erkenne das Problem des übermäßigen Energydrink-Konsum bei Jugendlichen gerade in Verbindung mit Alkohol“ zwar an, sehe aber ebenfalls keinen Grund für ein Verkaufsverbot, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Sonntagsausgabe).

Gesundheitsexpert:innen warnen indes seit Jahren vor den gesundheitlichen Folgen für Kinder und Jugendliche. Das in den Getränken in hohen Mengen enthaltene Koffein sei eine Substanz, die „lebensgefährliche und tödliche Herzrhythmusstörung auslösen“ könne, sagte der Kinderkardiologe Dr. med. Martin Hulpke-Wette. Dieser Effekt werde erwiesenermaßen „verstärkt“, wenn zusätzlich Taurin, eine weitere Zutat von Energydrinks, aufgenommen werde. Auch Krampfanfälle und Angstzustände werden mit den aufputschenden Getränken in Verbindung gebracht.

Dennoch können schon elfjährige Kinder problemlos an Energydrinks kommen, wie Test-Käufe von foodwatch in Berliner Lidl-Filialen gezeigt haben. Laut der aktuellen Verian-Umfrage sehen die Bürger:innen auch die Handelsketten in der Pflicht, Minderjährige zu schützen: 79 Prozent der Befragten halten es für falsch, dass Lidl, Rewe & Co. Energy Drinks an Kinder und Jugendliche verkaufen. In Ländern wie Großbritannien, Dänemark und Schweden hat Lidl freiwillig Altersgrenzen für den Verkauf der aufputschenden Getränke eingeführt – und ist damit einer gesetzlichen Regelung in den jeweiligen Ländern zuvorgekommen. foodwatch forderte den Discounter auf, auch in Deutschland voranzugehen und den Verkauf an Kinder und Jugendliche zu stoppen. Bereits knapp 40.000 Menschen unterstützen eine foodwatch-Petition an Lidl unter www.foodwatch.org/de/mitmachen/lidl-keine-energy-drinks-fuer-kinder.

Durch den süßen Geschmack und das gezielte Marketing über Social-Media-Influencer:innen sind Energydrinks gerade bei Kindern und Jugendlichen beliebt: Der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge greifen 68 Prozent der Zehn- bis Achtzehnjährigen in der EU zu den Getränken. Laut EFSA verzehren Jugendliche nachweislich gefährlich große Mengen: Jeder vierte jugendliche Konsument trinkt drei oder mehr Dosen auf einmal und überschreitet damit selbst die für Erwachsene maximal empfohlene Koffein-Einzeldosis von 200 Milligramm.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, dass zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu bestimmten Gelegenheiten hohe Mengen Energydrinks von einem Liter und mehr auf einmal zu sich nehmen, was mit erhöhten gesundheitlichen Risiken für das Herz-Kreislauf-System einhergehe. Seit 2018 ist der Pro-Kopf-Verbrauch der süßen Wachmacher in Deutschland um 66 Prozent gestiegen.

Verian befragte zwischen dem 8. und 14. Mai 2024 insgesamt 1.012 Bürger:innen ab 14 Jahren.

Quellen und zusätzliche Informationen:

 

PM foodwatch e.V.

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