Deutsche Umwelthilfe und WWF fordern mit dem Bündnis Lebensmittelrettung ambitionierte Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung als Teil der geplanten Ernährungsstrategie

  • Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel“: DUH und WWF übergeben mit Bündnis zehn konkrete Forderungen gegen Lebensmittelverschwendung an Landwirtschaftsministerium in Form von geretteten Rettichen
  • Ernährungsstrategie der Bundesregierung braucht zielscharfe Maßnahmen, um Halbierung der Verschwendung bis 2030 zu erreichen
  • Bündnis Lebensmittelrettung fordert verbindliche Reduktionsziele aller Branchen statt freiwilliger Vereinbarungen sowie besseren rechtlichen Rahmen für Lebensmittelspenden

 

Anlässlich der Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel“ fordern die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der WWF zusammen mit dem Bündnis Lebensmittelrettung von der Bundesregierung die Aufnahme von ambitionierten Vorgaben gegen Lebensmittelverschwendung in die für Ende 2023 erwartete Ernährungsstrategie. Die Organisationen haben heute zehn Forderungen zur Reduzierung der Verschwendung an die zuständige Abteilungsleiterin Eva Bell im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft übergeben. In einem gemeinsamen Positionspapier mit politischen Forderungen, symbolisiert durch zehn gerettete Rettiche, formuliert das Bündnis effektive Lösungsansätze zur Rettung genießbarer Lebensmittel: darunter verbindliche Reduktionsziele, eine verbesserte Datenlage, Lebensmittel-Nutzungshierarchie, die Rechtssicherheit für Retterorganisationen und mehr Wertschätzung von Lebensmitteln.

Sascha Müller-Kraenner
, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Lebensmittelverschwendung ist teuer, umwelt- und klimaschädlich. Trotzdem hat die Bundesregierung bisher keine verbindlichen Maßnahmen beschlossen, um eine Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu erreichen. Wir brauchen endlich verpflichtende Reduktionsziele für alle Branchen, statt freiwilliger Zielvereinbarungen, um die Lebensmittelverschwendung vom Acker bis zum Teller bei der Wurzel zu packen. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir muss dafür sorgen, dass diese unnötige Verschwendung von Ressourcen ein Ende hat und Lebensmittel auch tatsächlich auf unseren Tellern statt in der Tonne landen. Unsinnige Regelungen wie Schönheitsnormen für Obst und Gemüse oder zu kurz angesetzte Mindesthaltbarkeitsdaten müssen endlich abgeschafft werden.“

Heike Vesper, Vorständin für Transformation von Politik und Wirtschaft beim WWF Deutschland: „Wir brauchen dringend eine verbesserte Datenlage, um die gesamten Lebensmittelabfälle transparent zu machen und effektiv zu reduzieren. Dazu benötigen wir eine für die Öffentlichkeit einsehbare detaillierte Berichtspflicht für Unternehmen entlang der ganzen Lieferkette. Bundesregierung und Unternehmen haben sich bisher als Teil der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung nur auf eine aggregierte Berichterstattung auf einzelnen Stufen (Handel und Außer-Haus-Verpflegung) geeinigt. Als Teil der Überarbeitung der EU-Abfallrahmenrichtlinie bietet sich die Chance zum Nachbessern. Dafür muss sich das Agrarministerium in Brüssel einsetzen.“

Frank Bowinkelmann, erster Vorsitzender von foodsharing: „Leider besteht nach wie vor eine große Rechtsunsicherheit beim Spenden von Lebensmitteln, sowohl bei den Unternehmen, die Lebensmittel spenden als auch bei gemeinnützigen Organisationen, die diese verteilen. Wenn die Regierung wirklich möchte, dass weniger Lebensmittel in der Tonne landen, müssen unnötige bürokratische Hemmnisse abgebaut und stattdessen vereinfachte Regeln eingeführt werden. Italien hat mit dem ‚Guten Samariter-Gesetz‘ gezeigt, wie das geht – ohne dass Menschen zu Schaden kommen. Dies sollte auch bei uns möglich sein.“

Nastassja Wohnhas, Global Public Affairs Managerin bei Too Good To Go: „Die Klimakrise ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit und die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung ein zentraler Hebel, um sie zu bewältigen. Deswegen muss sich die Bundesregierung bei den Verhandlungen zur Überarbeitung der EU-Abfallrahmenrichtlinie für ambitioniertere EU-Vorgaben zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung einsetzen, die nicht hinter dem Sustainable Development Goal 12.3 zurückbleiben, wie es im Entwurf der Europäischen Kommission der Fall ist.“

Sirkka Jendis, Geschäftsführerin, Tafel Deutschland e. V.: „Wir erleben bei den Tafeln immer mehr Menschen, die sich nicht genug Lebensmittel leisten können und sehen auf der anderen Seite nach wie vor eine gigantische Verschwendung. Das Spenden von Lebensmitteln muss auch deshalb dringend vereinfacht und rechtssicher gemacht werden. Zugleich brauchen gemeinnützige Organisationen wie die Tafeln finanzielle Unterstützung für die Rettung von Lebensmitteln.“

Hanna Legleitner, Vorstand und Geschäftsführung von Restlos Glücklich e. V.: „Wir fordern eine Ausweitung von Ernährungsbildung für alle Bevölkerungsgruppen: für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln, mehr Bewusstsein für klimafreundliche Ernährung und somit weniger Lebensmittelverschwendung.“

Hintergrund:

Das Bündnis Lebensmittelrettung ist ein Zusammenschluss aus Initiativen, Organisationen, Vereinen und Unternehmen mit dem gemeinsamen Ziel, Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. Das Bündnis ist die politische Stimme gegen Lebensmittelverschwendung in Deutschland. Die Mitglieder sind die DUH, Farm Food Climate, Foodsharing, Querfeld, Restlos Glücklich, Sirplus, Too Good To Go, Tafel Deutschland, Veggie Specials und WWF Deutschland. Das Bündnis fordert gemeinsam: verbindliche Reduktionsziele, eine verbesserte Datenlage, Lebensmittel-Nutzungshierarchie, Rechtssicherheit bei Lebensmittelspenden, die erleichterte Weitergabe von Lebensmitteln, Bildungsförderung, Abschaffung ästhetischer Standards, verbindliche Maßnahmen für Außer-Haus-Verpflegung, ein verbessertes Haltbarkeitsdatum sowie Schulungs- und Umstellungsmaßnahmen.

Links:

PM Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)

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