Der Bau des Radschnellwegs RS 4 im Landkreis Esslingen wird konsequent fortgesetzt: Das Regierungspräsidium Stuttgart hat nun – im Anschluss an den bereits seit längerem freigegebenen Teilabschnitt der Demonstrationsstrecke hinter der Querung über die Fils (Landkreis Göppingen) – den RS 4 auch in westlicher Richtung bis zum Bahnhof Reichenbach fertiggestellt.
Der neue Abschnitt des RS 4 zwischen Bahnhof Reichenbach und dem Beginn der Demonstrationsstrecke verlängert den Radschnellweg auf der Gemarkung Reichenbach an der Fils um weitere rund 1,4 Kilometer und knüpft an die Radschnellverbindung Filstal (Ebersbach – Göppingen – Süßen) an, die in Teilen schon fertiggestellt ist. Damit steht jetzt ein durchgehender Abschnitt von rund 3,5 Kilometern Radschnellweg zur Verfügung.
Verkehrsministerin Nicole Razavi MdL sagte anlässlich der Fertigstellung: „Mit dem neuen RS 4-Abschnitt entsteht eine durchgängige und hochwertige Radverbindung, die den Alltagsverkehr nachhaltig verändert. Neue Teilabschnitte wie dieser leisten einen wichtigen Beitrag: Sie schließen Lücken, erleichtern den Umstieg aufs Rad und machen erlebbar, wie praktisch ein durchgängiger Radschnellweg für Alltagswege sein kann. Mit der Anbindung zum Bahnhof Reichenbach wird zudem die Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr weiter gestärkt.“
Regierungspräsidentin Susanne Bay sprach von einem starken Signal für die Radverkehrsinfrastruktur in der Region: „Geduld und Beharrlichkeit zahlen sich auch beim Radwegebau aus. Der neue Abschnitt des RS 4 bis zum Bahnhof Reichenbach ergänzt das Demonstrationsteilstück in Reichenbach optimal und biete Radpendlerinnen und Radpendlern eine sichere, komfortable und direkte Verbindung bis in den Landkreis Göppingen hinein.“ Das Regierungspräsidium Stuttgart arbeite nun intensiv an der Weiterführung in Richtung Plochingen und Esslingen.
Schnell und sicher mit dem Rad ans Ziel
Radschnellwege sind vor allem für Pendlerinnen und Pendler eine schnelle, komfortable, umwelt- und klimafreundliche Möglichkeit, ihre täglichen Wege effizient zurückzulegen. Schon 2021 eröffnete das Land den Demonstrationsabschnitt von Reichenbach bis Ebersbach, damit Radfahrerinnen und Radfahrer die Verbindung kennenlernen konnten. Für den anschließenden Bauabschnitt in Ebersbach inklusive einer neuen Brücke über die Fils hat das Land Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Straßenbauamt der Landkreise Esslingen und Göppingen die Planung und Umsetzung übernommen. Auf dem Gebiet des Landkreises Göppingen wurde die Radschnellverbindung (RSV) Filstal (Ebersbach – Göppingen – Süßen) zwischen Eislingen und Süßen bereits im Sommer 2025 fertiggestellt. Mit dem Demonstrationsteilstück auf Markung der Gemeinden Ebersbach und Reichenbach ist die RSV Filstal an den RS 4 (Stuttgart – Reichenbach) angeknüpft und nunmehr bis zum Reichenbacher Bahnhof fortgeführt worden.
Einsatz von Biobitumen als Pilotprojekt – weitere Erfahrungen erforderlich
Für den Bau des RS 4-Abschnitts von Reichenbach Bahnhof bis zum Beginn der Demonstrationsstrecke wurde der bestehende Wasserwirtschaftsweg von bislang 2,50 auf 4,00 Meter in Richtung B 10 verbreitert. Zudem wurde die Zuständigkeit für den Wasserwirtschaftsweg von der Gewässerunterhaltung des Landes, da er Zwecken der Gewässerunterhaltung diente, auf die Straßenunterhaltung übertragen.
Für das Teilstück bis zum Bahnhof kam als Pilotprojekt für den Asphaltaufbau des Radschnellwegs – bestehend aus Tragschicht und Deckschicht – mit Biobitumen innovatives Baumaterial zum Einsatz. Dieses ersetzt herkömmliches erdölbasiertes Bitumen und besteht aus pflanzlichen Ölen aus der Schale von Cashew-Nüssen sowie mineralischen Stoffen. Die sonstige Zusammensetzung des Asphalts unterscheidet sich nicht von derjenigen mit herkömmlichem Bitumen. Hierbei wurden wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit Biobitumen gesammelt.
Der Einbau der Asphaltflächen im Zuge des Radschnellwegs verlief zunächst reibungslos und ohne besondere Auffälligkeiten. Die Asphalttragschicht konnte wie geplant vollständig unter Verwendung von Biobitumen hergestellt und eingebaut werden. Auch bei der Asphaltdeckschicht war der Einbau mit Biobitumen zunächst auf einer Länge von rund 120 Metern erfolgreich. Sowohl bei der Produktion in der Mischanlage als auch bei der Verarbeitung auf der Baustelle zeigte sich dann jedoch, dass der Umgang mit dem neuen Bindemittel höhere technische Anforderungen mit sich bringt als der Umgang mit dem seit Jahrzehnten eingesetzten konventionellen Rohölbitumen. Daher wurde auf der restlichen Strecke keine Mischung mehr mit Biobitumen verbaut. Die Erkenntnisse aus diesem Pilotprojekt sollen für weitere Projekte mit Biobitumen berücksichtigt werden.
Die Baukosten für den neuen Abschnitt betragen rund 2,1 Millionen Euro. Der Bund trägt 75 Prozent der Kosten, das Land 25 Prozent.
Hintergrundinformationen
Als wichtiger Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsraums Mittlerer Neckar streben das Land Baden-Württemberg und der Landkreis Esslingen die Umsetzung einer Radschnellverbindung in Ost-West-Richtung von Reichenbach kommend über Plochingen und Esslingen nach Stuttgart an. Die Radschnellverbindung Esslingen – Plochingen – Reichenbach an der Fils ist eine von drei Leuchtturmprojekten des Landes, für die das Land die Baulastträgerschaft übernommen hat. Laut Machbarkeitsstudie ist mit bis zu 2.300 potenziellen Nutzungen pro Tag auf dem Abschnitt ab Reichenbach Bahnhof in Richtung Ebersbach zu rechnen.
Radschnellverbindungen zeichnen sich aus durch:
- Mindestens fünf Kilometer Gesamtstrecke
- Überwiegend 4,00 Meter breit
- Interkommunale, weitgehend kreuzungsfreie Verbindung
- Bevorrechtigte Führung der Radfahrenden
- Bedeutende Verbindung für Alltagsradverkehr: Mindestens 2.000 Radfahrende in 24 Stunden auf dem überwiegenden Teil der Gesamtstrecke
Informationen zum RS 4 sind unter www.rp-stuttgart.de > Über uns > Abteilung 4 > Referat 44 Planung > Radschnellweg Esslingen – Reichenbach abrufbar.
Foto von Regierungspräsidium Stuttgart
PM Regierungspräsidium Stuttgart