Bebauung des Stauferpark Süd – „Stadtverwaltung im strategischen Blindflug“

Wer hat hier seinen Kompass verloren? Angesichts erheblichen Leerstands, drastischer Unternutzung von bestehenden Gewerbeflächen, Brachen und Freiflächen in Göppingen und in der Region stellt sich die Erschließung des Stauferparks als Vorhalt ohne jede Orientierung dar und lässt jede Form von strategischem und nachhaltigem Handeln vermissen.

Die Stadt steuert sehenden Auges auf ein Millionengrab zu. Ausgaben für Planung, Erschließung und Vermarktung ohne konkret erkennbaren Bedarf ist eine riskante Wette auf die Zukunft. Wenn man ökologisch und klimatisch wertvolle Flächen für die gesamte Stadt Göppingen ohne Not und ohne konkrete Nachfrage opfert, kann man weder der Wirtschaft bei der Transformation helfen noch wird man zukünftigen Generationen gerecht.

Warum werden klimatische Fakten ignoriert? Die Kaltluft, die im Stauferpark entsteht und in das Filstal strömt, ist für das Stadtklima von Göppingen immens wichtig. Die geplante Bebauung und Versiegelung der Grünflächen wird die Frischluftquelle unumkehrbar beeinträchtigen mit fatalen Auswirkungen für die Göppinger Bürger. Die Bebauung würde nicht nur zu einer weiteren Verschärfung der Hitzebelastung in der Innenstadt führen, sondern auch erhebliche Nachteile für die Tier- und Pflanzenwelt mit sich bringen.

Inzwischen haben sich über Jahrzehnte im Stauferpark Offenlandbiotope entwickelt, die vielen Tieren und Pflanzen eine Heimat bieten. Die hübsche KI-Illustration der Stadtverwaltung von blühenden Landschaften, Gewerbe und Wohnbebauung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein erheblicher Flurschaden angerichtet wird.

Wer erinnert sich noch an den Beschlussantrag vom 18.06.2025? Dort wurde unmissverständlich festgestellt, dass der Bedarf an Wohnbauflächen durch aktuell geplante Projekte bis 2035 gedeckt werden kann. Getreu dem Grundsatz, Innen- vor Außenentwicklung. Der aktuelle Entwurf sieht jetzt wieder eine massive Wohnbebauung mit Mehrfamilienhäusern vor, wohlwissend, dass es dafür zukünftig keinen Bedarf gibt. Und die Idee, dass die geplanten Wohnblocks als Schallschutzwand fungieren sollen, macht das Vorhaben für potentielle Erwerber nicht attraktiver.

Man wird den Verdacht nicht los, dass mit Schönrechnerei der Kosten, spekulativen Einnahmen aus Grundstücksverkauf und Gewerbesteuer, künstlich herbeigeführtem Wohn- und Gewerbeflächenbedarf, Bagatellisierung der Verkehrsbelastung, Verharmlosung der klimatischen Folgen, die Zustimmung für das Vorhaben erreicht werden soll. Wer Zukunft mit eindimensionalen Ansätzen gestalten will, greift nicht nur zu kurz, sondern ignoriert die Verantwortung für eine ausgewogene Stadtentwicklung im Interesse aller.

Bürgerbeteiligung? Nur wenn sie bequem ist. Reicht eine einzige Bürgerinformation im Rathaus aus, bei der der Öffentlichkeit durch die Stadtplanung zwei einfache Konzepte vorgelegt wurden? Reicht das aus, um eine derart langfristige und für zukünftige Generationen unumkehrbare Entscheidung zu treffen? Auch die konkreten Nachfragen der Bürgerinitiative Stauferpark wurden nur mit den üblichen Allgemeinplätzen, Narrativen und wiederkehrenden Floskeln beantwortet.

Wir fordern von der Stadtverwaltung nachdrücklich die versprochene Bürgerbeteiligung ein, verbunden mit einer offenen und inhaltlich fundierten Diskussion. Wenn die bloße Behauptung des wirtschaftlichen Nutzens mehr zählt als Natur, Lebensqualität, Klima und Sport, dann muss darüber mit den Bürgern gesprochen werden, bevor die Stadtverwaltung Göppingen dem Gemeinderat einen Beschluss abringt, der dem „Flächenfraß“ in Baden-Württemberg weiter Vorschub leistet, ohne dass dafür ein faktenbasierter Bedarfsnachweis vorliegt.

Wolfgang Bloem, Carmen Lang, Reiner Pätzold, Dr. Torsten Schmidt, Werner Vogl
Im Namen der Bürgerinitiative-Stauferpark

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