Kommunale Wärmeplanung: Strategie zur Klimaneutralität

Am Montag, 20. November, informierten die Stadt Göppingen und die Stadtwerke Göppingen über den ersten Entwurf der Kommunalen Wärmeplanung. Rund 50 Interessierte waren in den Märklinsaal gekommen um zu erfahren, wie das Ziel der Klimaneutralität aus heutiger Sicht erreicht werden könnte.

Alle Stadtkreise und großen Kreisstädte in Baden-Württemberg sind per Gesetz aufgerufen, bis Ende des Jahres 2023 eine Kommunale Wärmeplanung vorzulegen, die in Folge immer wieder fortgeschrieben wird, mit dem Ziel bis 2040 die Klimaneutralität zu erreichen.

Nach einer Einführung durch Baubürgermeisterin Eva Noller, stellt Peter Naab von den Stadtwerken, den aktuellen Planungsstand vor. Mit vielen „könnte“, „würde“ und „müsste“ waren seine Erläuterungen gespickt, denn die Kommunale Wärmeplanung ist ein rein strategischer Plan ohne Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, um Klimaneutralität zu erreichen. Es geht dabei um die Darstellung eines möglichen Handlungsrahmens. „Die Wärmeplanung soll als wegweisendes Instrument auf der Grundlage der lokalen Gegebenheiten einen Weg aufzeigen, wie zukünftig Schritt für Schritt die Wärmeversorgung auf die Nutzung von erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme umgestellt werden kann,“ so die Erklärung aus dem zuständigen Bundesministerium.

Welche Wege hierbei in Göppingen eingeschlagen werden könnten, ergab die von den Stadtwerken durchgeführte Bestandsanalyse, in deren Rahmen eine umfassende Erhebung des gegenwärtigen Wärmebedarfs und -verbrauchs sowie die damit verbundenen Treibhausgasemissionen erhoben wurden. Hierbei wurden detaillierte Informationen zu den existierenden Gebäudetypen und den Baualtersklassen erfasst. Zudem wurde die bestehende Versorgungsstruktur durch Gas- und Wärmenetze, Heizzentralen und Speicher analysiert. Die Untersuchung umfasste auch die Ermittlung der Beheizungsstruktur von Wohn- und auch Nichtwohngebäuden. Die Daten für diese Erhebung stammen aus dem Jahr 2020. 63% des Bestandes darin sind private Haushalte. Die Analyse zeigt auf, dass ein Sanierungsstau und damit ein erhebliches Potenzial für die Erneuerung alter Heizungen im Bestand bestehen. Doch die Erfahrung zeigt, dass die Sanierungsrate hier leider sehr niedrig angesetzt werden muss. Gleichzeitig wird deutlich, dass rund ein Viertel der Heizungen nach 2009 eingebaut wurden und somit maximal 14 Jahre alt sind. Dies könnte zu erheblichen Herausforderungen bei der Planung und Umstellung auf erneuerbare Energieträger oder Wärmenetze führen, denn für die Eigentümer besteht kein akuter Handlungsbedarf.

Das daraus entstandene „Zielbild Wärmeversorgung“ zeigt schließlich auf, wo welche Energieform genutzt werden könnte. Für Göppingen hat hierbei besonders die „unvermeidbare Abwärme“ eine große Bedeutung. Machte Peter Naab doch gleich zu Beginn seiner Ausführungen deutlich, dass nach neuestem Stand auch die Abwärme des Müllheizkraftwerks als „unvermeidbare Abwärme“ genutzt werden darf. Damit kann sie einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität leisten. Die jetzt schon mit Fernwärme versorgten Gebiete in Ursenwang, an der Großeislinger Straße und Teilen des Stauferparks, könnten daran angeschlossen werden und gelten als „Eignungsgebiet Fernwärme“. Weitere Teilgebiete könnten folgen, würde die Abwärme mit neuer Technik noch effizienter genutzt werden. Durch Investitionen in die Erweiterung/Erneuerung der Wärmetauscher im MHKW kann eine weitere Wärmeübertragungsleistung realisiert werden. Über diese bisher nicht nutzbare Wärmeenergie könnten bis zu 10 MW an Niedertemperatur Abwärme über eine Wärmepumpe nutzbar gemacht werden.

Im westlichen und nördlichen Teil des Stadtgebiets und die Bezirke Holzheim,  Hohenstaufen und Maitis über Bartenbach, Faurndau, Jebenhausen und Bezgenriet wird man überwiegend auf Photovoltaik und Wärmepumpen setzen müssen. Man spricht von sogenannten Einzelheizungsgebieten. Hier müssten zusätzlich Lösungen gefunden werden, um den jahreszeitlich bedingten Schwankungen von Energiegewinnung und Energieverbrauch zu begegnen, beispielsweise durch den Bau von Wärmespeichern.

Eine weitere Wärmequelle, die in Göppingen schon erfolgreich genutzt wird, ist das Abwasser. Schon jetzt wird für den Schuler-Tower, Teamviewer und die Kreissparkasse die erforderliche Wärme aus Abwasser gewonnen. Nun soll geprüft werden, ob auch das neu geplante Wohngebiet auf dem Kleemann-Areal in Faurndau mit Wärme aus Abwasser versorgt werden kann.

Der Gemeinderat wird am 21. Dezember über diesen ersten Entwurf des Kommunalen Wärmeplans beschließen, dann folgt die Meldung an das Regierungspräsidium. Insgesamt umfasst der Plan fünf Handlungsfelder, wobei die Stadt und die Stadtwerke Göppingen schon mit der Priorisierung und Umsetzung einiger Maßnahmen begonnen haben.

Fünf Handlungsfelder

  1. Dekarbonisierung der tehenden Wärmenetze

– Vertragsverhandlungen zwischen MHKW, Landkreis und den Stadtwerken Göppingen zum Abschluss eines Fernwärmeliefervertrags

– Anschluss des Wärmenetzes in Ursenwang an das Müllheizkraftwerk

  1. Abwasserwärmenutzung

– Prüfung der Abwasserwärmenutzung für das Kleemann-Areal in Faurndau

  1. Aufbau von Wärmespeichern (WS)

– Planung eines Wasserwärmespeichers auf der Gemarkung Göppingens

  1. Ausbau erneuerbarer Energien (EE)

– Ausbau der PV-Leistung durch PV-Freiflächenanlage am Sachsentobel und Carport-PV auf dem Freibad-Parkplatz

  1. Steigerung der Sanierungsrate

– Reduzierung des Energiebedarfs städtischer Gebäude (Sanierung HoGy, Sanierung ASS)

– Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung im Bereich Wärmewende

 

PM Stadtverwaltung Göppingen

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