Mit Wasserstoff eine nachhaltige Energieversorgung im Landkreis sichern – Akteurs-Netzwerk des Projektes „HyStarter“ informierte zum aktuellen Stand

Noch nie zuvor stand das Thema der Sicherung der Energieversorgung und damit des Wirtschaftsstandortes so stark im Fokus wie heute. Einen wesentlichen Beitrag zur Unabhängigkeit von fossilen Energien und Energieimporten sowie zur Erreichung der Klimaschutzziele kann grüner Wasserstoff leisten.

Wasserstoff ist in Wasser gebunden und somit in großen Mengen vorhanden und theoretisch zu jeder Zeit Verfügbar. Wasserstoff lässt sich leicht und effizient auch über größere Entfernungen transportieren und ist speicherfähig. Damit können Erzeugung und Verbrauch von erneuerbaren Energien zeitlich und räumlich entkoppelt werden. Aber auch grüner Wasserstoff selbst kann genutzt werden, um die Emissionen in den Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie zu senken.

Um dieses wichtige Zukunftsthema im Landkreis Göppingen weiter voranzutreiben, wird aktuell im Rahmen des „HyStarter“-Projektes mit Unterstützung von Expert*innen ein regional zugeschnittenes Wasserstoffkonzept erarbeitet. Das Akteurs-Netzwerk, bestehend aus Vertreter*innen der Industrie, Wissenschaft, Bildung und Kommunalpolitik, informierte am Donnerstagabend in einer Informationsveranstaltung erstmals die interessierte Öffentlichkeit.

Vor über 70 Teilnehmern in Präsenz und digital eröffnete Landrat Edgar Wolff die Veranstaltung. Herr Wolff zeigte sich erfreut, dass die Bewerbung der Energieagentur erfolgreich war und der Landkreis als eine von bundesweit 15 HyStarter Regionen ausgewählt wurde. „Die erneuerbaren Energien spielen in der aktuellen Fortschreibung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes des Landkreises und damit bei der Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele eine wichtige Rolle. Grüner Wasserstoff wird hier einen wichtigen Beitrag leisten“, so der Landrat.

Unterstrichen wird die weltweite Bedeutung von grünem Wasserstoff auch vom ehemaligen Innovationsbeauftragten für grünen Wasserstoff der Bundesregierung Dr. Stefan Kaufmann. Er warnt auch davor, jetzt als Region nicht den Anschluss zu verlieren, denn viele Länder sind in der Anwendung bereits weiter.

Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmer*innen die anschließenden Impulsvorträge. Wie Thorsten Gamm vom Albwerk erläuterte, wird vom Albwerk ein Konzept zur Wasserstoff-Produktion auf Basis der vorhandenen Erzeugungsanlagen entwickelt. Ziel ist es, den Gasbedarf sukzessive zu reduzieren. Geplant ist dabei, die Erzeugung von grünem Wasserstoff mittels Elektrolyse sowie die Speicherung und Verwendungsmöglichkeiten in einem kleinen Showroom zu visualisieren.

Die anschließenden Beiträge gingen dann auf die Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff im Verkehrssektor ein. Wie Jörg-M. Wienecke vom Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur des Landkreises Göppingen berichtete, wird aktuell ein Rahmenplan für das ÖPNV-Angebot bis 2035 erarbeitet. Ab 2026 sollen 65 Prozent aller neuen Busse emissionsfrei sein. Dr. Oliver Ehret, Hochschule Esslingen, zeigte anhand von Beispielen anderer Kommunen mögliche Perspektiven für den Landkreis Göppingen auf. Die Hochschule Esslingen bündelt Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Kompetenzen im Steinbeis-Innovationszentrum und unterstützt Kommunen bundesweit bei der Schaffung eines emissionsfreien Nahverkehrs.

Über ein bereits laufendes Projekt zur Wasserstofferzeugung und –verwendung aus dem Nachbarlandkreis berichtete Hans-Jörg Fischer, Geschäftsführer der Fa. Fischer aus Weilheim. Bis Ende 2024 soll hier ein Elektrolyseur errichtet werden, der im ersten Schritt bis zu 1.800 kg grünen Wasserstoff pro Tag produzieren kann. Über eine öffentliche Tankstelle wird dieser dann sowohl für Busse und LKW, aber auch für PKW verfügbar sein. Ein Ausbau des Projektes in Richtung Göppingen / Geislingen ist geplant.

Im Anschluss an die öffentliche Veranstaltung gingen die Akteur*innen des „HyStarter“-Projektes in einen spannenden Austausch mit der Kommunalpolitik. Es wurde über Potenziale für die regionale Wertschöpfung, vorhandene Hemmnisse beim notwenigen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien, sowie über die Einflussmöglichkeiten und die verschiedenen Wünsche der Akteur*innen diskutiert. „Auch wenn noch viele Fragen offen sind“, zeigt sich Timm Engelhardt, Geschäftsführer der Energieagentur Landkreis Göppingen, im Anschluss an die Veranstaltung zufrieden. „Es ist wichtig, alle Akteur*innen an einen Tisch zu bringen. Denn es braucht den Mut und das Vertrauen mehrerer Akteure, sich der Herausforderung Wasserstoff zu stellen. Nur dann kann der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft im Landkreis Göppingen erfolgreich sein, welche für den Wirtschaftsstandort Göppingen eine große Chance bedeutet!“ Das „Hy-Starter“-Projekt wird im Frühjahr 2023 abgeschlossen. Im Anschluss sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Wasserstoffregionen HyStarter:

„HyLand – Wasserstoffregionen in Deutschland“ ist ein 2019 vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) ausgerufener Wettbewerb. HyLand motiviert Akteure in allen Regionen Deutschlands Konzepte mit Wasserstoffbezug zu initiieren, zu planen und umzusetzen. Ziel des Wettbewerbs ist es, die innovativsten und erfolgversprechendsten regionalen Konzepte zu identifizieren und zu fördern. Das HyStarter-Projekt im Landkreis Göppingen wird von der Energieagentur des Landkreises Göppingen sowie der Nuts One GmbH in Kooperation mit weiteren Fachpartnern begleitet.

Über die Energieagentur Landkreis Göppingen gGmbH:

Die Energieagentur Landkreis Göppingen ist die neutrale und unabhängige Anlaufstelle für sämtliche Energiefragen im Landkreis Göppingen. Sie arbeitet nicht gewinnorientiert und unterstützt, berät und begleitet seit 2010 Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kommunen, Schulen und Kindertages-einrichtungen bei der Umsetzung von Energie- und Klimaschutzmaßnahmen. Ihre Leistungen reichen von der kostenlosen Energieberatung für die Bürgerschaft bis hin zu kommunalen Klimaschutzprojekten, wie der Erstellung von Quartierskonzepten.

 

PM Energieagentur Landkreis Göppingen gGmbH

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