Müllfreie Schule – eine Utopie?

In verschiedenen Städten wie Berlin, Köln gibt es das Konzept „Zero Waste Schule“, das heißt „Null Müll-Schule“. Dies ist angelehnt an die europäische „Zero Waste“-Bewegung, die sich insbesondere auf kommunaler Ebene immer weiter ausbreitet, so auch in Itzehoe, Kiel, Köln, München, Münster, Nürnberg. „Zero Waste“ strebt das Erhalten möglichst aller Ressourcen durch eine verantwortungsvolle Produktion, bewussten Konsum sowie die Wiederverwertung und Rückgewinnung von Rohstoffen und Materialien an – einen geschlossenen Kreislauf also.

Auch an Göppinger Schulen ist Abfallvermeidung und Ressourcenschonung ein Thema. Aktuell wird in Kooperation zwischen dem Netzwerk der Göppinger Agenda 2030-Schulen und der Cleanup-Initiative ein Modul „Müllfreie Schule“ entwickelt. Das Zwischenergebnis wurde beim letzten Netzwerktreffen Ende April vorgestellt. Der Entwurf basiert auf praktischen Vorarbeiten, denn die Mitglieder der Initiative haben bereits mehrere Schulen besucht: Aufklärung, Müllsammeln, Kippenchallenge, Mülltrennung stehen dann unter anderem auf dem Programm und motivieren die jungen Menschen, auf ihre Umwelt aufzupassen. Ein gutes Beispiel, wie schnell Schüler*innen von der Informationsaufnahme ins Handeln kommen können, ist folgende Begebenheit:

Am 4. Mai lud die 11. Klasse des Hohenstaufen-Gymnasiums, auf Initiative ihrer Lehrerin Kathrin Hoerz, Isabel Glaser, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik und Beauftragte für die Göppinger Agenda 2030, zu sich in den Geografie-Unterricht ein. 4. Mai – just am deutschen Erdüberlastungstag dieses Jahr! Also der Tag, an dem Deutschland all seine für dieses Jahr ihm zustehende Ressourcenvorräte aufgebracht hatte. Würden alle Menschen so leben wie in der Bundesrepublik, bräuchte es drei Erden. Isabel Glaser gab einen kurzen theoretischen Input zur dringend notwendigen Ressourcenschonung, insbesondere in Ländern und Städten des Globalen Nordens. Eine Art, Ressourcen zu sparen und weniger Abfall (Einwegverpackungen) zu produzieren, ist die Nutzung von Mehrweg beim Einkauf von Takeaway-Getränken und -Speisen.

Dann wurde es praktisch: Glaser hatte drei Aktionsvorschläge zum Thema Mehrweg mitgebracht, die die Schüler*innen in Gruppen nur eine Woche später in die Tat umsetzen sollten – passend zu den vom 2. bis 15. Mai stattfindenden Aktionstagen Mehrweg. Die Klasse verbrachte den Rest der Stunde mit den Vorbereitungen und am darauffolgenden Mittwoch von 9:30 bis 10:40 Uhr war es so weit: Die Schüler*innen trafen sich auf dem Marktplatz und starteten durch.

(1) Befragung von Passant*innen zum Thema Mehrweg

Eine Gruppe befragte vorbeigehende Bürger*innen, nämlich insgesamt 34, ob sie Mehrweg kannten und nutzen. 50 Prozent gaben an, RECUP/REBOWL oder andere Mehrweganbieter für Speisen und Getränke zum Mitnehmen zu kennen, die andere Hälfte nicht. 29 der befragten Personen nutzen kein Mehrweg, fünf tun es. Bei der Frage der Motivation zur (Nicht-)Nutzung bekamen die Schüler*innen folgende Antworten zu hören:

Warum nutzen Sie es? -Nachhaltigkeit; -um Plastikmüll zu vermeiden; -gute Möglichkeit, um Essen zu transportieren; -Umwelt.

Warum nicht? -Kein Interesse an Essen zum Mitnehmen; -wir essen immer im Lokal; -fehlendes Angebot in jeweiligem Lokal; -keine Zeit; -keine Motivation; -aus Faulheit; -nicht gekannt (sechs Nennungen); -nimmt generell kein Essen „to go“ (zwei Nennungen); -habe immer einen Becher dabei; -habe immer eine Dose dabei.

(2) Motivation von Gastro-Betrieben für Mehrweg

Die zweite Gruppe besuchte rund zehn Gastrobetriebe inklusive Bäckereien, Cafés in der Innenstadt, die mittags häufig von Schüler*innen besucht werden, jedoch noch kein Mehrweg anbieten. Teilweise waren sie vormittags noch geschlossen, ihnen wurde ein einladender Brief mit Informationen hinterlassen. In den geöffneten Geschäften zeigten die Jugendlichen den Verkäufer*innen exemplarische Mehrweggefäße; ihre Infozettel wurden angenommen und sollten an die Inhaber*innen weitergegeben werden, damit diese eine Teilnahme am Mehrweg-System evaluieren können.

(3) Mehrweg-Video für die Sozialen Medien

Eine dritte Schüler*innen-Gruppe machte Videoaufnahmen, um andere Schüler*innen anzuregen, beim Einkauf von Speisen und Getränken auf Einweg zu verzichten und zum Mehrweg zu greifen. Das Video wird aktuell noch bearbeitet.

Eine gelungene Aktion, die bei allen Beteiligten „Mehrweg-Spuren“ hinterlassen hat und mal wieder zeigt, dass auch in wenig Zeit und mit wenigen Ressourcen schnell etwas kreativ auf die Beine gestellt werden kann. Es lohnt sich auf jeden Fall, junge Menschen als „Changemaker“ zu konsultieren und involvieren. Wer konstruktive Hinweise und Ideen hat, wie die Stadtgesellschaft Göppingen weiter Abfall vermeiden und Ressourcen schonen kann, zum Beispiel auch private Haushalte, kann gerne ein Formular ausfüllen unter https://bit.ly/gp2030-sauberkeit.

 

PM Stadtverwaltung Göppingen

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