Über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) wurden im Jahr 2025 erneut mehr als 5.300 Original- und rund 18.000 Folgemeldungen übermittelt. Die Cereulid-Kontamination in Säuglingsnahrung, die im Dezember 2025 festgestellt wurde, ist eines der wichtigsten Ereignisse im Lebensmittelbereich der vergangenen Jahre. „Die gesundheitsschädliche Verunreinigung von Säuglingsnahrung mit Cereulid verdeutlicht die zentrale Bedeutung des Europäischen Schnellwarnsystems für die grenzüberschreitende Koordination zwischen den Mitgliedstaaten und den Schutz der öffentlichen Gesundheit“, sagt Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl, Präsidentin des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
Cereulid ist ein besonders hitzestabiles Toxin, das von bestimmten Stämmen des Bakteriums Bacillus cereus gebildet wird. Es kann innerhalb weniger Stunden nach der Aufnahme Übelkeit und Erbrechen und in seltenen Fällen auch schwerwiegende lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen. Ende 2025 wurden erstmals Spuren von Cereulid in Säuglingsnahrung eines niederländischen Herstellers festgestellt und die zuständigen Behörden sowie die Europäische Kommission informiert. Dadurch wurde der Vorfall in das RASFF aufgenommen. Das geht aus dem ACN-Jahresbericht der Europäischen Kommission hervor. Im Januar 2026 wurde als Ursache kontaminiertes Arachidonsäure-Öl identifiziert, das der Säuglingsnahrung zugesetzt wurde. Mithilfe der im Schnellwarnsystem geteilten Informationen wurde ein gemeinsamer chinesischer Lieferant ermittelt und ersichtlich, dass auch Produkte anderer Hersteller und Empfänger weltweit betroffen waren.
Um eine schnelle Rückverfolgung der potenziell kontaminierten Produkte und die Einleitung gezielter Risikomanagementmaßnahmen zu ermöglichen, wurden bis einschließlich Mai 2026 mehr als 20 Originalmeldungen mit rund 600 Folgemeldungen zum Cereulid-Geschehen im RASFF geteilt, darunter 13 Meldungen, an denen auch Deutschland beteiligt war. Rückrufe betroffener Produkte wurden zudem über das gemeinsame Verbraucherschutzportal des BVL und der Bundesländer lebensmittelwarnung.de veröffentlicht.
Mit mehr als 700 übermittelten Originalmeldungen erstellte Deutschland im Jahr 2025 rund 13 Prozent der RASFF-Meldungen. Lediglich die Niederlande verzeichneten mit insgesamt 817 Meldungen eine höhere Anzahl. Insgesamt war Deutschland bei 1.145 RASFF-Meldungen als Empfänger der potenziell gesundheitsgefährdenden Lebens-, Futtermittel oder Lebensmittelkontaktmaterialien angegeben. Ein Großteil der Meldungen basierte auf amtlichen Marktkontrollen (1.768 Meldungen; 33 %), Grenzkontrollen (1.650 Meldungen; 31 %) oder betrieblichen Eigenkontrollen (1.446 Meldungen; 27 %). Darüber hinaus führten auch Hinweise von Verbraucherinnen und Verbrauchern oder anderen Hinweisgebenden (341 Meldungen; 6 %), Medienbeobachtungen (87 Meldungen; 2 %) sowie lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche (36 Meldungen; 1 %) zur Übermittlung von Meldungen an das Schnellwarnsystem.
Hintergrund:
RASFF steht für „Rapid Alert System for Food and Feed“ und ist das von der Europäischen Kommission betriebene Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel. Als nationale Kontaktstelle für Deutschland gewährleistet das BVL den grenzüberschreitenden Informationsaustausch der zuständigen Institutionen und Behörden. Das BVL leitet die Meldungen anderer Mitgliedstaaten an die betroffenen Bundesländer weiter und übermittelt nationale Meldungen an die Europäische Kommission. Der Informationsaustausch erfolgt über eine Online-Plattform namens „iRASFF“ (interaktives RASFF).
Weiterführende Informationen
- Bericht des BVL aus dem Europäischen Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel:
www.bvl.bund.de/RASFF_Jahresbericht_2025 - Europäisches Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF):
www.bvl.bund.de/RASFF - ACN Annual Report 2025:
https://food.ec.europa.eu/document/download/5266bb47-4b7e-4558-9910-4c66519cbe7f_en?filename=acn_annual-report_2025.pdf - RASFF Window:
https://webgate.ec.europa.eu/rasff-window/screen/search
PM Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)