Während andernorts über zu kaltes Freibadwasser diskutiert wird, verzeichnet die Kultur‑ und Sporthalle in Süßen am 30. und 31. Juli 2026 einen ungewöhnlichen Sommerandrang: Kinder, die freiwillig auf Hallenboden statt auf Liegewiese setzen – und dort Selbstschutz trainieren.
Die Halle, sonst geprägt von Volleyballnetzen und dem routinierten Schlüsselbund des Hausmeisters, wird an diesen beiden Tagen zur Trainingsarena. Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, Grenzen zu setzen, Gefahren frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren. Kompetenzen, die Erwachsene oft erst nach mehreren Elternabenden oder intensiver Lektüre entwickeln.
Die Kurse sind ausgebucht. Eltern stehen am Rand, beobachten aufmerksam und wirken dabei mitunter wie Zuschauerinnen und Zuschauer bei einem sportlichen Wettkampf. Einige filmen, andere verfolgen die Übungen konzentriert – und nicht wenige überlegen, ob ein eigenes Seminar ebenfalls sinnvoll wäre.
Die Kinder zeigen eine bemerkenswerte Mischung aus Energie, Konzentration und Selbstbewusstsein. Ihre Begeisterung ist spürbar, ihr Auftreten oft überraschend klar. Die Sporthalle wird zur Schutzburg, nicht zur Sauna – obwohl die sommerlichen Temperaturen dies nahegelegt hätten. Stattdessen entsteht ein Raum, in dem junge Alltagsheldinnen und Alltagshelden lernen, wie man Stärke zeigt, ohne laut zu werden.
Mein Schüler-Ferienprogramm-Beitrag im Auftrag der Stadt Süßen beweist damit, dass ein Sommerhighlight nicht zwingend Hüpfburg, Zuckerwatte oder XXL‑Eis benötigt. Manchmal reicht eine Sporthalle, ein durchdachtes Konzept – und Kinder, die bereit sind, Neues zu lernen.
Alfred Brandner