Nachwuchs bei den Rosaflamingos in der Wilhelma: Vier kleine Stelzvögel auf ihren ersten Schritten

Die Flamingogruppe der Wilhelma hat Zuwachs bekommen: Bereits in der ersten Junihälfte sind vier Jungvögel geschlüpft. Zunächst hielten sie sich meist im von dichter Vegetation abgeschirmten hinteren Teil der Anlage auf, wo auch die Brut stattfand. Mittlerweile kann man immer häufiger beobachten, wie sie auf Erkundungstour gehen. Mit ihrem grauen Dunengefieder und den noch vergleichsweise kurzen Beinen unterscheiden sich die Küken deutlich von den rosafarbenen Erwachsenen.

Flamingos brüten auf mit Hilfe von Schlamm selbst aufgehäuften Hügeln, an deren Oberseite eine flache Brutmulde geformt wird. In der Regel besteht jedes Gelege aus nur einem einzigen Ei, das von beiden Elternteilen bebrütet wird.  Nach rund vier Wochen Brutzeit schlüpft der Nachwuchs. Schon wenige Tage später verlassen die Jungvögel ihr Nest und schließen sich mit anderen Küken zu einer Art „Kindergarten“ zusammen. Dort verbringen sie den Großteil des Tages gemeinsam, während die Eltern sie weiterhin zuverlässig versorgen.

„Obwohl sich die Jungvögel in einer Gruppe aufhalten, findet jedes Küken seine Eltern wieder“, erklärt Andreas Frei, Vogel-Kurator der Wilhelma. „Flamingos erkennen sich an ihren individuellen Rufen. Das funktioniert in der Natur sogar in großen Kolonien mit Hunderten oder Tausenden von Vögeln.“

Der Name Rosaflamingo täuscht zunächst: Die Küken schlüpfen mit einem weichen grauen Dunenkleid und entwickeln erst im Laufe der Zeit ihr typisches Federkleid, das aber zunächst auch eher schlicht gefärbt ist. Die namensgebenden kräftigen Rosatöne im Gefieder, am Schnabel und an den Beinen zeigen sich meist erst im 3. oder 4. Lebensjahr. Das kräftige Rosa ausgewachsener Flamingos ist auf natürliche Farbstoffe zurückzuführen, die sie über ihre Nahrung aufnehmen.

Ebenso auffällig wie ihre Färbung ist die besondere Art der Nahrungssuche: Mit ihren nach unten gebogenen Schnäbeln filtern Flamingos kleine Krebstiere, Insektenlarven und andere Kleinstlebewesen aus dem Wasser. Dabei halten sie den Kopf oft auf dem Kopf stehend ins Wasser und pumpen mit der Zunge das Wasser durch feine Lamellen im Schnabel – ein hochspezialisiertes Filtersystem.

Rosaflamingos sind ausgesprochen soziale Tiere und fühlen sich nur in Gruppen wohl. In der Natur können Brutkolonien mehrere Zehntausend Paare umfassen. Die Art ist rund um das Mittelmeer, in weiten Teilen Afrikas sowie vom Nahen Osten bis nach Indien verbreitet und gilt derzeit noch nicht als bedroht. Dennoch sind einzelne Brutkolonien natürlichen und vom Menschen verursachten Einflüssen ausgesetzt. Sinkende Wasserstände, lang anhaltende Trockenperioden, Störungen durch Freizeitaktivitäten oder Infrastrukturprojekte sowie Veränderungen der Wasserqualität können den Bruterfolg beeinträchtigen oder sogar ganze Kolonien gefährden.

Foto (© Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann): Immer häufiger gehen die Küken auf Erkundungstour durch die Flamingoanlage

 

PM Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart

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