Die aktuellen Zahlen der LUBW sind ein brisantes Alarmsignal. Wenn 77 Prozent der Messstellen sehr oder extrem niedrige Wasserstände aufweisen, muss das ein Weckruf an Politik und Kommunen sein. „Die Trockenheit in Kombination mit langen Hitzeperioden trifft die Gewässer-Lebensgemeinschaften in Baden-Württemberg ins Mark. Das bedeutet einen Lebensraumverlust in Echtzeit – für Fische, Flusskrebse, Insektenlarven und all jene Arten, die auf dauerhaft wasserführende, sauerstoffreiche und kühlende Fließgewässer angewiesen sind“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle.
„Niedrigwasser und hohe Wassertemperaturen sind für aquatische Lebensgemeinschaften eine doppelte Belastung“, erklärt dazu der Gewässer-Fachbeauftragte des NABU, Finn Zenker. „Wenn kleine Bäche trockenfallen, wie dies aktuell geschieht, verschwinden ganze Populationen. Oft unbemerkt und ohne, dass eine einzige Messstation ausschlägt. Zudem werden eingeleitete Schadstoffe weniger verdünnt.“
Dass die LUBW an Rhein, Donau und Neckar bislang zufriedenstellende Sauerstoffgehalte meldet, sei eine gute Nachricht, dürfe aber nicht über die dramatische Situation an kleinen und mittleren Gewässern hinwegtäuschen. „Gerade kleine Bäche und Gräben, die in keinem Lagebericht auftauchen, beherbergen einen erheblichen Teil unserer gewässergebundenen Artenvielfalt.“ So auch beispielsweise den Fisch des Jahres, den Schlammpeitzger, oder geschützte Arten wie die Bachmuschel. Der NABU sieht in der aktuelle Gefahrensituation für Gewässer die unmittelbare Handschrift der Klimakrise.
Der NABU Baden-Württemberg fordert daher:
- Wasser in der Landschaft halten: Speicherung von Niederschlägen in der Landschaft durch dezentralen Wasserrückhalt verringert den Dürrestress.
- Beschattung fördern: Standortgerechte Gewässerrandstreifen mit Ufergehölzen senken die Wassertemperatur nachweislich.
- Ökologische Mindestwasserführung sichern: An Ausleitungsstrecken von Wasserkraftanlagen verbleibt, insbesondere in Niedrigwasserphasen, nur ein sehr geringer Abfluss im Flussbett. Die ökologische Mindestwasserführung muss Vorrang haben, da nur somit das vollständige Trockenfallen vermieden werden kann.
- Wiederherstellungsverordnung umsetzen und obsolete Querbauwerke entfernen: Querbauwerke verhindern, dass die Fische dem Hitzestress ausweichen können. Zudem stauen sie Wasser auf, das verstärkt die Erwärmung zusätzlich.
PM NABU Baden-Württemberg