9. Deutscher Mountainbike-Kongress in Aalen: Schwäbische Alb zeigt, wie zukunftsfähiger Bike-Tourismus gelingen kann

Rund 150 Fachleute aus Tourismus, Kommunalpolitik, Forst, Bike-Industrie und Bike-Community tagen zurzeit in Aalen – mit Blick auf die Trails vor der Tür und die politischen Rahmenbedingungen im Land. 

Der 9. Deutsche Mountainbike-Kongress ist auf der Schwäbischen Alb gestartet und macht bereits zum Auftakt deutlich: Zukunftsfähiger Bike-Tourismus entsteht dort, wo Tourismus, Verwaltung, Forst, Politik und Bike-Community gemeinsam an tragfähigen Lösungen arbeiten. Rund 150 Fachleute kommen vom 16. bis 18. Juni 2026 im Kulturbahnhof Aalen unter dem diesjährigen Motto „Neue Horizonte“ zusammen. Veranstaltet wird der Kongress vom Mountainbike Forum Deutschland e. V. Für dessen Gründer Tilman Sobek ist die Wahl des Veranstaltungsortes ein bewusstes Signal: „Die Schwäbische Alb steht exemplarisch für die Frage, die den Bike-Tourismus in Deutschland insgesamt beschäftigt: Wie schaffen wir Angebote, die touristisch attraktiv, naturverträglich, rechtlich belastbar und vor Ort breit getragen sind? Entscheidend ist, Infrastruktur nicht isoliert zu denken, sondern sie mit guten Partnerschaften, klaren Zuständigkeiten und politischem Rückhalt zu verbinden. Baden-Württemberg hat dafür sehr gute Voraussetzungen – jetzt kommt es darauf an, dieses Potenzial konsequent und gemeinsam zu entwickeln.“

Aalen und die Schwäbische Alb stehen exemplarisch für eine Entwicklung, die in vielen Regionen an Bedeutung gewinnt. Offizielle Bike-Angebote entstehen dort besonders tragfähig, wo Kommunen, Forst, Naturschutz, Tourismus und Bike-Community frühzeitig zusammenarbeiten. Genau diesen Weg geht Aalen seit mehreren Jahren. Wie dieser Weg in der Praxis aussieht, beschreibt Aalens Bürgermeister Bernd Schwarzendorfer. Für ihn ist der Kongress nicht nur eine Gastgeberrolle, sondern auch eine Gelegenheit, eine Entwicklung sichtbar zu machen, die in der Stadt längst begonnen hat: „Mountainbiken ist in Aalen ein präsentes Thema, denn gemeinsam mit den Vereinen, der lokalen Bike-Community, der Forstverwaltung und im Benehmen mit dem Naturschutz haben wir uns in den vergangenen Jahren an einem runden Tisch auf den Weg gemacht, offizielle Trails sicher und nachhaltig weiterzuentwickeln. Der Kongress passt daher hervorragend und gibt uns die Möglichkeit, diesen Weg sichtbar zu machen und weiterzuführen.“

Dass das Mountainbiken in der Region auf breite Unterstützung trifft, zeigt sich auch auf Kreisebene. Für Landrat Dr. Joachim Bläse steht die Ostalb mit ihrer Vereinslandschaft und ihren überregional bekannten Veranstaltungen exemplarisch für eine Region, die den Radtourismus aktiv gestaltet: „Radfahren und Mountainbiken haben bei uns einen festen Platz; mit attraktiven Touren, engagierten Vereinen und Veranstaltungen wie Bike the Rock oder dem Ostalb Giro, die weit über die Region hinaus bekannt sind. Der Kongress bietet eine gute Gelegenheit, Fachleute miteinander ins Gespräch zu bringen und gemeinsam darauf zu schauen, wie sich das naturnahe Radfahren verantwortungsvoll weiterentwickeln kann.“

Die Fachexkursion am Vortag hatte den rund 150 Kongressteilnehmenden einen konkreten Einblick in diese Arbeit verschafft: Gemeinsam mit den Vertretern der lokalen Bike-Community erkundeten sie die Trailangebote im Osten Aalens. Für den Schwäbischen Alb Tourismusverband als Destinationspartner ist der Kongress entsprechend mehr als ein Schaufenster. Geschäftsführer Holger Bäuerle: „Für die Schwäbische Alb ist der Mountainbike-Kongress nicht nur ein Branchentreffen, sondern auch ein wichtiger Impuls für die eigene Weiterentwicklung als qualitätsorientierte Aktiv- und Radregion.“

Panel Baden-Württemberg: Rahmenbedingungen zum naturnahen Biken unter der neuen Landesregierung

Im Panel „Mountainbiken in Baden-Württemberg“ wurde deutlich, dass die Weiterentwicklung naturnaher Bike-Angebote verschiedene Interessen zusammenbringen muss – und dass die bestehende Zwei-Meter-Regel dabei immer wieder als zentraler Diskussionspunkt auftaucht. Von Besucherlenkung über Naturschutz und Tourismus bis hin zur Rolle des Ehrenamts: Die Perspektiven der Beteiligten sind unterschiedlich, der Handlungsbedarf aber geteilt.

Janet Weick von der DIMB IG Rems-Murr brachte die Anforderung der Praxis auf den Punkt und forderte „klare Regelungen und praxisnahe Hilfestellungen“. Svenja Golombek vom ZIV – Die Fahrradindustrie ergänzte: „Ohne Ehrenamt funktioniert es nicht. Die beste Lösung ist, mit dem Ehrenamt einen partizipativen Prozess zu schaffen.“ Für Michael Kretzmann bleiben Naturschutz, landschaftliche Sensibilität und eine konfliktarme Streckenführung zentrale Maßstäbe.

Matthias Kiess vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz machte deutlich, dass die Zwei-Meter-Regel aus Sicht des Ministeriums einen rechtlichen Rahmen schafft und zur Sicherheit aller Nutzerinnen und Nutzer beiträgt. Zugleich brauche es Wege, gemeinsam mit den Interessengruppen zu tragfähigen Lösungen zu kommen – an Runden Tischen, bei denen alle relevanten Akteure eingebunden seien.

Holger Bäuerle vom Schwäbischen Alb Tourismusverband ordnete die Diskussion in die laufende Arbeit seiner Organisation ein: „Mit unserem Qualitätskonzept Bike wollen wir diesen Prozess auf der Schwäbischen Alb aktiv begleiten und eine Grundlage schaffen, auf der hochwertige und naturverträgliche Angebote entstehen können.“

Einigkeit bestand am Ende darin, dass aus den verschiedenen Standpunkten nun ein konkreter Handlungsrahmen entstehen muss – einer, der Kommunen, Tourismus, Verwaltung und Bike-Community mehr Orientierung gibt und die Entwicklung rechtssicherer, naturverträglicher Mountainbike-Angebote erleichtert.

Mountainbike Forum Deutschland e.V. Das Mountainbike Forum Deutschland e.V. ist der nationale Verband für Mountainbike-Tourismus im deutschsprachigen Raum. Es vernetzt Destinationen, Kommunen, Verbände und die Bike-Industrie und setzt sich für die Entwicklung naturverträglicher, wirtschaftlich tragfähiger Bike-Angebote ein. Der Deutsche Mountainbike-Kongress ist das jährliche Leitformat des Forums.

Der Schwäbische Alb Tourismusverband e.V. (SAT) ist die touristische Dachorganisation für die Region Schwäbische Alb. Diese umfasst zehn Landkreise, einen Stadtkreis* sowie rund 160 Städte und Kommunen.

Wichtige Aufgaben des SAT sind die Vertretung der Region in und die Zusammenarbeit mit landes- und bundesweiten Gremien und Institutionen, die Entwicklung der touristischen Infrastruktur, das Förderwesen, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sowie die Vermarktung des freizeittouristischen Angebots. Letztere wird thematisch auf vier Geschäftsfelder (Wandern, Rad, Städtereisen und Kultur & Geschichte), sowie zwei Co-Geschäftsfelder (Regionale Kulinarik und Wellness & Gesundheit) fokussiert. Die enge Verbindung zur Privatwirtschaft dokumentiert ein Wirtschaftsbeirat, der den SAT insbesondere in strategischen Fragen berät.

Im Jahr 2024 wurden im Verbandsgebiet fast 6 Millionen Übernachtungen gezählt – ein Ausdruck der großen Attraktivität der Schwäbischen Alb, zu der seit 2020 auch die AlbCard, die flächenmäßig größte touristische Gästekarte im Bundesgebiet (gratis Eintritt in rund 180 Sehenswürdigkeiten + kostenlose ÖPNV-Nutzung im gesamten Verbandsgebiet) entscheidend beiträgt. Fünf UNESCO-Labels bescheinigen auf höchster Ebene, was schon vor 40.000 Jahren galt, als die berühmten Eiszeitkunstfiguren entstanden: Die Schwäbische Alb inspiriert. Seit Urzeiten.

*Mitgliedslandkreise von Nordost nach Südwest: Ostalbkreis, Heidenheim, Göppingen, Esslingen, Alb-Donau-Kreis, Stadtkreis Ulm, Reutlingen, Tübingen, Zollernalbkreis, Sigmaringen, Tuttlingen

 

PM Schwäbische Alb Tourismus

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