Ende Mai 2026 erhielt die Wilhelma Besuch von Sergeant Colett Ngobeni, einer Vertreterin der Black Mambas aus Südafrika. Die ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern bestehende Rangergruppe kümmert sich im Olifants West Nature Reserve um den Schutz von Nashörnern und zahlreichen anderen durch Wilderei bedrohten Tierarten. Vor 13 Jahren wurde dieses Projekt, in dem mittlerweile 36 Frauen mitarbeiten, ins Leben gerufen. Das besondere dabei: Es handelt sich um ein Team von Rangern, das ganz ohne Waffen auskommt. Ngobeni erklärt: „Wir sind die Augen und Ohren des Schutzgebiets. Alleine unsere ständige Präsenz hat dazu geführt, dass die Wilderei in Olifants West deutlich abgenommen hat. Wir wollen das Beste für Mensch und Tier. Darum tragen wir keine Waffen – wir möchten niemanden zu Witwen und Waisen machen.“
Das 9.000 Hektar große Projektgebiet liegt am Westrand des Greater Kruger National Parks, zu dem nicht nur der staatlich Krüger Nationalpark, sondern auch weitere angrenzende Schutzgebiete gehören. Innerhalb dieser insgesamt über 25.000 km² großen Fläche bewegen sich die Wildtiere vollkommen frei. Die Außengrenzen werden teilweise durch Zäune abgesichert, so auch im Gebiet von Olifants West, das an eine wichtige Hauptstraße grenzt. Die Rangerinnen der Black Mambas sind jeden Tag rund 20 km zu Fuß unterwegs, um sicherzustellen, dass der Grenzzaun intakt ist. Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt besteht darin, von Wilderern angelegte Verstecke im Busch aufzuspüren und polizeilich zu melden sowie gelegte Drahtschlingen sicherzustellen. Außerdem wird jeden Tag ganz genau beobachtet, wo sich die durch Wilderei besonders bedrohten Breitmaul- und Spitzmaulnashörner aufhalten. Ein weiterer Fokus liegt in Umweltbildungsmaßnahmen in den umliegenden Gemeinden. Über das „Bush Babies Environmental Program“ werden Schulkinder, unter anderem mit mehrtägigen Camps im Busch, dafür sensibilisiert, wie unschätzbar wertvoll der Erhalt von Tieren, Pflanzen und ihrer Lebensräume ist. Im Rahmen des Programms „Bush Grannies“ werden zudem für Großmütter, die Begegnungen mit Wildtieren oft nur noch aus ihrer Kindheit kennen, Ausfahrten ins Schutzgebiet organisiert.
Bei einer Infoveranstaltung in der Wilhelmaschule am 26. Mai 2026 erläuterte Ngobeni den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zoologisch-Botanischen Gartens sowie ehrenamtlichen Wilhelmabegleitern aus dem Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma die Herausforderungen und Erfolge der Black Mambas beim Schutz von Wildtieren vor Ort in Südafrika. Außerdem dankte sie den Anwesenden für die schon seit Jahren andauernde Unterstützung: Seit 2022 ist die Wilhelma Teil der „Black Mamba Alliance“, in der auch andere Zoos Mitglied sind, und hat seitdem rund 60.000 € in das Projekt investiert. Mittlerweile wurde der jährliche Beitrag durch den Förderverein auf 20.000 € aufgestockt. Außerdem nahmen im vergangenen Jahr 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wilhelma an der so genannten Wildlife Ranger Challenge teil und absolvierten dafür in der Wilhelmaschule binnen zwei Stunden 2.800 Liegestützen. Über Sponsoren wurden durch diese Muskelkraft mehr als 10.000 € gesammelt, die als zusätzliche Spende an die Black Mambas gingen.
Im Rahmen ihres Deutschlandaufenthalts besuchte Collett Ngobeni außerdem mit Stefanie Reska, Leiterin der Stabsstelle Artenschutz in der Wilhelma, das EAZA Conservation Forum, das vom 19. bis 22. Mai im Opel-Zoo in Kronberg stattfand. Ngobeni gelang es, im Rahmen eines spannenden Vortrags, Vertreterinnen und Vertreter von zahlreichen europäischen Zoos über den Artenschutz vor Ort in Südafrika zu informieren und für die Arbeit der Black Mambas zu begeistern – schließlich ist die Rangergruppe weiterhin auf der Suche nach neuen Mitgliedern für die „Black Mamba Alliance“, um ihre unersetzliche Arbeit vor Ort auch in Zukunft zu gewährleisten.
Foto von Kelly Crull
PM Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart