Aufmerksame Besucherinnen und Besuchern der Wilhelma mögen es bereits bemerkt haben: Seit dem 19. Mai 2026 steht bei den Hausyaks im Asiatischen Dorf ein neues Tier auf der Weide. Im Gegensatz zu seinen dunkelbraun gefärbten Artgenossen fällt es neben seiner geringeren Größe und den noch eher zierlichen Hörnern vor allem durch den breiten weißen Streifen auf, der sich von der Stirn über den Rücken, den buschigen Schwanz bis zu den Hinterbeinen zieht. Kuratorin Kerstin Ludmann erklärt: „Bei unserem Neuzugang handelt es sich um eine einjährige Yak-Kuh, die wir aus dem Thüringer Zoopark Erfurt erhalten haben. Nachdem das Tier zunächst vorschriftsmäßig in Quarantäne war, durfte es nun erstmals auf seine neue Anlage. Noch ist es etwas zurückhaltend gegenüber seinen Artgenossen, wird sich aber sicher schnell in die Gruppe einleben.“
Das Hausyak ist ein in den Gebirgsregionen Zentralasiens sehr verbreitetes Nutztier, besonders in Teilen Chinas und der Mongolei. Sein Vorfahre, das Wildyak, wurde bereits vor mehreren tausend Jahren domestiziert. Im Gegensatz zum dunkelbraun bis schwarz gefärbten Wildyak sind bei Hausyaks durch Züchtung auch andere Farbschläge entstanden. Hausyaks dienen als Lasttier sowie als Lieferant für Fleisch, Milch und Fell. Außerdem wird der Kot der Yaks in getrockneter Form als Brenn- und Heizmaterial verwendet, vor allem in baumarmen Hochgebirgslagen. Während das Hausyak in Teilen Asiens millionenfach gehalten wird, gilt das Wildyak laut Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet. Nachdem die Wilderei, die zeitweise die größte Bedrohung für die Art darstellte, mittlerweile in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes eingedämmt wurde, sind heute der Verlust von Lebensräumen und die Konkurrenz um Weideflächen mit vom Menschen gehaltenen Viehherden die größten Gefahren für den Fortbestand der Wildform.
Die Hausyaks in der Wilhelma wohnen in direkter Nachbarschaft zu den Trampeltieren, welche den Neuzugang bereits über den Zaun hinweg neugierig beäugen. Wenige Schritte entfernt befindet sich der Asiatische Schaubauernhof mit Kaschmirziegen, Romanovschafen, Vietnamesischen Hängebauchschweinen und Ayam-Cemani-Hühnern. Der Bereich präsentiert damit eine kleine Auswahl von Nutztierrassen des asiatischen Kontinents, ergänzt durch typische Nutzpflanzen wie Reis und Bananen. Auf diese Weise werden nicht nur ausgewählte Formen der traditionellen Landwirtschaft in Asien exemplarisch dargestellt. Ebenfalls im Fokus steht der Mensch-Tier-Konflikt, der – nicht nur in Asien – überall dort entsteht, wo sich menschlicher Siedlungsraum und die Lebensräume von Wildtieren treffen oder sogar überschneiden.
Foto: In der Wilhelma ist ein Yak-Weibchen neu eingezogen.
PM Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart