NABU-Herbsttipp Teil 4:   NABU: Retten die Herbstpilze die Pilzsaison 2022? – Tipps zum naturbewussten Sammeln / Pilze sind Helfer für den Wald

Erst war es sehr lange warm und trocken, jetzt hat es einige Tage ausgiebig geregnet. Sprießen da die Schwammerl im Land in Massen und lohnt sich der Gang in den Wald? Der NABU Pilzbeauftragte Karl-Heinz Johe ist zuversichtlich, dass 2022 doch noch ein gutes Pilzjahr wird: „Durch die Trockenheit im Sommer haben sich typische Sommerpilze wie Sommersteinpilz und Pfifferling sehr rar gemacht. Der Herbstregen lässt jetzt vor allem Röhrlingsarten, wie Fichtensteinpilze, Birkenpilze und Rotkappen, aber auch andere Herbstpilze reichlich sprießen. Über das Jahr gesehen bleibt 2022 voraussichtlich eher ein unterdurchschnittliches Pilzjahr, da es in den trockenen Sommermonaten in vielen Regionen gar keine Speisepilze gab.“

Schnitzeljagd nach Leckerbissen im Wald

Gemeinsam mit anderen oder alleine Pilze zu suchen, zu sammeln und daraus etwas Schmackhaftes zu zaubern, ist ein schönes Hobby. Es ist wie eine Schnitzeljagd nach den besten Leckerbissen in der Natur. Sie führt Pilz-Fans bereits ab dem Spätsommer bis zum Wintereinbruch in naturnahe Wälder sowie auf nicht überdüngte Wiesen. Sammlerinnen und Sammlern rät NABU-Pilzexperte Johe eindringlich, nur Speisepilze zu sammeln und zu verzehren, die sie gut kennen. Macht man es richtig, schadet das Absammeln der Pilzfruchtkörper dem eigentlichen Lebewesen Pilz im Boden nicht. „Richtig heißt: vorsichtig herausdrehen oder abschneiden, nachdem man den Pilz genau bestimmt hat“, erklärt der Fachmann und betont: „Dass zum Beispiel die Pilzsuche in Naturschutzgebieten und Naturdenkmalen grundsätzlich tabu ist, versteht sich von selbst.“

Außerdem sollte man sich naturschonend verhalten und das Wild im Wald nicht unnötig stören, spätestens mit beginnender Dämmerung die Suche einstellen und sich dann nur noch auf festen Waldwegen bewegen. Über regionale Sammelverbote kann man sich beim Forstamt oder der Stadtverwaltung informieren. „Einige Speisepilze sind durch das Bundesartenschutzgesetz vollständig geschützt. Trüffel aller Arten, seltene Röhrlinge wie der Anhängsel-Röhrling (Boletus appendiculatus) und Porlinge wie der Schafporling dürfen nicht im Korb landen“, erklärt Johe.

Pilze sind wichtig fürs Naturgefüge

Die im Sommer und Herbst an der Oberfläche sichtbaren Pilz-Fruchtkörper dienen den Pilzen zur Fortpflanzung. Mit den Sporen besiedeln sie neue Lebensräume. Beim Transport der Sporen helfen Wind und Tiere. Der größere Teil des Pilzes wächst als fein verzweigtes Geflecht, Myzel genannt, beispielsweise im Erdboden, in Holz oder in Laub- und Nadelstreu. Jede Pilzart bevorzugt dabei einen bestimmten Lebensraum. Maronen entdeckt man oft unter Kiefern und Fichten, Pfifferlinge sowie Steinpilze in Laub- und Nadelwäldern. Wiesen-Champignon findet man vor allem auf Wiesen und Weiden. Pilze sind wichtige Helfer in der Natur, weil sie totes organisches Material zersetzen und dem natürlichen Kreislauf zuführen. Andere sind wichtige Symbiosepartner für Pflanzen. Viele Baumarten verdanken ihre Wuchskraft und Gesundheit ihren Pilzpartnern.

Allerdings gibt es auch bei Pilzen einen starken Artenrückgang: rund 450 der über 3.000 Pilzarten in Baden-Württemberg stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Großpilze. Als Hauptursachen für den Schwund nennt Johe Umweltprobleme wie die Bodenverdichtung und -versauerung sowie hohe Stickstoffeinträge, die über Wind und Oberflächenwasser in die Pilzbiotope eingebracht werden.

Tipps kompakt für naturbewusstes Sammeln von Speisepilzen:

  • In Baden-Württemberg gibt es über 3.000 unterschiedliche Großpilze, rund 150 davon sind Speisepilze und etwa circa 150 sind giftig. Von diesen sind ungefähr zehn Arten tödlich giftig. Etwa 90 Prozent der tödlichen Pilzvergiftungen gehen auf den Grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) und dessen weißhütige Variante zurück. Sie werden immer wieder mit Champignons verwechselt. Deshalb soll man nur Speisepilze sammeln, die man sicher bestimmen kann.
  • Das „Waldgesetz für Baden-Württemberg“ erlaubt es, auf schonende Art Waldfrüchte (auch Pilze) in ortsüblicher Menge zu sammeln. Ein Sammeln in Naturschutzgebieten, Naturdenkmalen und Nationalparks ist tabu. Zusätzlich sind einige Pilzarten laut Bundesartenschutzverordnung komplett geschützt und dürfen nicht gesammelt werden. Für private Zwecke darf man maximal zwei Kilo Pilze, wie Pfifferlinge und Steinpilze, pro Person und Tag sammeln. Für gewerbemäßiges Sammeln braucht man in Deutschland eine behördliche Sammelgenehmigung des Landratsamts.
  • Naturfreundinnen und -freunde sammeln nur frisch und appetitlich aussehende Pilze und lassen junge oder zu alte Exemplare stehen, ebenso wie beschädigte Pilze, die ihre Pilzsporen noch verteilen können, um sich zu vermehren.
  • Für eine naturverträgliche Pilzernte den Pilz mit einem Messer behutsam herausdrehen und entstandene Löcher mit Erde oder Laub bedecken. So wird das Pilzgeflecht geschont und kann nicht austrocknen. Speisepilze, die man gut kennt, kann man mit einem scharfen Messer knapp über dem Boden abschneiden. Zur Pilzberatung, die in Gemeinden als auch von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) angeboten werden, müssen Pilze als Ganzes gebracht werden.
  • Die gesammelten, gesäuberten Köstlichkeiten in luftdurchlässigen Naturkörben transportieren und bis zur Verarbeitung in offenen Plastik- oder Keramikschalen im Gemüsefach des Kühlschranks lagern. Wildpilze sollten kühl und trocken aufbewahrt. Am besten innerhalb von 24 Stunden zubereiten und verzehren, davor etwa zehn Minuten garen.

 

Weitere Infos:

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.

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