Artenschutz – Mit Baldrian und Lockstöcken: im Einsatz für die Wildkatze 

Einst weit verbreitet, ist die Wildkatze in Baden-Württemberg inzwischen durch die Zerschneidung der Wälder und Bejagung beinahe ausgestorben. Die Hinweise häufen sich jedoch, dass die scheue Wilde seit einigen Jahren über den hessischen Odenwald zurück in den Südwesten wandert. Ehrenamtliche des BUND versuchen nun, mithilfe eines Lockstock-Monitorings die Rückkehr der Wildkatze nachzuweisen. Fünfzehn BUND-Aktive im Alter von 13 bis über 60 Jahren haben sich Ende Januar getroffen, um das Monitoring vor Ort zu starten. Weshalb ehrenamtliches Engagement für unsere Gesellschaft so unverzichtbar ist, berichten die Gründer*innen des BUND Steinachtal Edit Spielmann und Jochen Schwarz, die vielseitig engagierte BUND-Aktive Iris Lippert sowie die naturverbundene Familie Wann.

BUND-Aktive starteten Ende Januar im südlichen Odenwald ein Lockstock-Monitoring. Dafür haben sie auf einer Fläche von 200 Quadratkilometern an zwanzig Stellen angeraute Holzpflöcke in den Waldboden geschlagen und mit Baldrian besprüht. Dabei machen sie sich das Paarungsverhalten der Wildkatze zunutze: In der Paarungszeit – der Ranz – verlockt der Baldrian die Wildkatzen besonders dazu, sich an den Lockstöcken zu reiben und dabei Haare zu hinterlassen.

Organisiert haben die Aktion Edit Spielmann (54) und Jochen Schwarz (61). Das Biologen-Ehepaar aus Wilhelmsfeld hat den BUND Steinachtal gegründet und setzt sich seit Jahren ehrenamtlich für den Naturschutz ein. Mit ihrem Ortsverband, der inzwischen über 100 Mitglieder zählt, leiten die beiden bereits verschiedenste Projekte: Neben Naturschutzprojekten wie der Errichtung von Überwinterungsquartieren für Fledermäuse, Krötenzäunen oder einem Hirschkäfer-Meiler, engagieren sie sich auch energiepolitisch: „Wir haben eine Gruppe ins Leben gerufen, in der Bürger unterstützt werden, die sich eine Photovoltaikanlage auf das Dach bauen wollen. Außerdem haben wir uns beim Gemeindeverwaltungsverband Schönau dafür eingesetzt, eine*n Klimaschutz-Manager*in einzustellen“, berichtet Jochen Schwarz. „Auch bei der Bürgermeisterwahl in Schönau ist der Ortsverband aktiv gewesen, indem wir die Kandidaten über ihre Positionen zu Natur- und Umweltthemen befragt haben.“

Auf der Suche nach der Wildkatze

Aktuell beschäftigt sich der BUND Steinachtal vor allem mit der Wildkatze. „Der Odenwald in Baden-Württemberg ist Wildkatzen-Erwartungsgebiet. Das heißt wir erwarten, dass die Wildkatze aus dem hessischen Odenwald in unsere Region einwandert“, erklärt der Biologe Schwarz. „Die Rückkehr der Wildkatze können wir jedoch nur durch genetische Proben nachweisen.“ Genau das nehmen Spielmann und Schwarz mit ihren ehrenamtlichen Mitgliedern jetzt in die Hand.

Weshalb das Ehrenamt für die beiden so wichtig ist, erklärt Edit Spielmann: „Wir engagieren uns, weil Naturschutz ansonsten keine Lobby hat, ohne Ehrenamt kümmert sich keiner um die Natur. „Die Verwaltungen können sich auch nicht um alles kümmern“, meint Jochen Schwarz. „Das geht nur mit Ehrenamtlichen und deren unschätzbarer Hilfe.“

„Wer Interesse daran hat, sich beim BUND Steinachtal zu engagieren, ist herzlich willkommen. Auch eigene Themen und Vorschläge für neue Projekte könnten Neue immer einbringen“, wünschen sich die beiden BUND-Aktiven.

Ehrenamt im Naturschutz

Schon lange ehrenamtlich aktiv ist die 61-jährige Iris Lippert. Seit ihrer Kindheit engagiert sie sich für den Naturschutz. „Die Natur ist mir schon immer sehr wichtig. Wir Menschen dringen immer mehr in unberührte Bereiche vor. Ich möchte, dass Tiere und Pflanzen ihre Lebensräume wieder zurückbekommen und wir Bedingungen schaffen, sodass sie sich hier wieder ansiedeln und wohlfühlen können.“

Gemeinsam mit einer Freundin wird Iris Lippert die Lockstöcke in den nächsten Wochen regelmäßig auf Wildkatzenhaare untersuchen. Außerdem engagiert sie sich seit Jahren beim BUND Schriesheim in der Krötenrettung. Eine materielle Belohnung vermisst sie für bei dieser Arbeit jedoch nicht: „Das Ehrenamt ist etwas Uneigennütziges, davon hat jeder etwas. Ich mache das aber auch für mich selbst, denn das Ehrenamt bereitet mir Freude.“

Naturschutz als Familienprojekt

Auch Familie Wann aus Hirschhorn am Neckar beteiligt sich am Monitoring im Steinachtal. Regina Wann (51) und ihr Mann Werner Wann (54) berichten: „Wir teilen uns vier Lockstöcke mit zwei weiteren Personen und kontrollieren diese alle 14 Tage gemeinsam mit unserer Tochter.“ Dass bei dem Projekt ihre Tochter Rosa (14) dabei ist, ist den beiden besonders wichtig: „Wir sind eine sehr naturverbundene Familie. Wir machen viel in unserem Garten, zum Beispiel für Vögel oder Fledermäuse, und versuchen alles möglichst naturnah zu gestalten.“ Die Familie hofft, die Wildkatze im heimischen Odenwald wiederzuentdecken. „Das wäre schön“, meint Regina Wann.

Die eingesammelten Haarproben senden Iris Lippert und Familie Wann über den BUND Baden-Württemberg an das Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen. „Dort werden die Haarproben dann mit der bekannten PCR-Methode untersucht. Damit werden Wildkatzenhaare eindeutig identifiziert und von einer gewöhnlichen Hauskatze unterschieden“, erklärt die Biologin Edit Spielmann.

Über BUND-Projekt Rettungsnetz Wildkatze beim BUND Baden-Württemberg: Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist die Grundlage für das BUND-Projekt Rettungsnetz Wildkatze, mit dem der BUND seit 2007 bundesweit grüne Korridore aus Sträuchern und Bäumen zwischen den Wäldern errichtet. Dadurch entstehen Wege, die es der Wildkatze und vielen anderen Wildtieren ermöglichen, über weitere Strecken zu wandern und Schutz vor tödlichen Straßen und Deckung in der offenen Landschaft zu finden.

PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V.

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