Fastenzeit 2022: Zehn Wochen ohne…Mikroplastik!

Auch 2022 ruft der BUND wieder dazu auf, in der vorösterlichen Fastenzeit auf Plastik und Verpackungen zu verzichten und den eigenen Alltag neu zu entdecken. In den Fokus rückt der baden-württembergische Landesverband dieses Jahr die Probleme mit Mikroplastik.

Ob Reinigungsmittel, Duschgel, Peeling oder Lippenstift – zahlreiche Produkte in unseren Haushalten enthalten Mikroplastik. Häufig wird es als Schleifmittel, Bindemittel oder Filmbildner zugesetzt. Die mikroskopisch kleinen Plastikpartikel entstehen außerdem durch Reifenabrieb, beim Waschen von Kleidung aus synthetischen Fasern oder durch abblätternden Lack. Außerdem bildet sich Mikroplastik, wenn größere Plastikteile, wie beispielsweise Tüten oder andere Verpackungen, über die Jahre zu immer kleineren Teilen zerfallen.
Über das Abwasser gelangen diese Kunststoffe durch die Kläranlagen direkt in unsere Flüsse oder im Klärschlamm auf die Felder und somit in den Naturkreislauf.

Warum ist Mikroplastik ein Problem?
Je kleiner die Teilchen sind, desto höher ist die Anzahl der Lebewesen, die es mit ihrer Nahrung aufnehmen und auch nicht wieder ausscheiden. Besonders gefährlich sind die Plastikteilchen im Größenbereich von unter fünf Millimetern. Kunststoff wirkt aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet auf Umweltgifte, wie ein Forschungsprojekt der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) ergab. Fressen Tiere die Partikel, nehmen sie also auch jede Menge andere Gifte auf, die unter anderem ihr Leben verkürzen und zu verminderter Fruchtbarkeit führen können.
Viele in Kunststoffen enthaltene Chemikalien wirken wie Hormone und haben auch auf die Gesundheit des Menschen Auswirkungen, wie der Plastikatlas des BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung darstellt. Eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen wird mit diesen Substanzen in Verbindung gebracht. Dazu gehören Brustkrebs, Unfruchtbarkeit, verfrühte Pubertät, Fettleibigkeit, Allergien und Diabetes.

Wie ist die Situation in Baden-Württemberg?
Eine Studie von fünf Bundesländern hat 2018 gezeigt, dass auch in Flüssen und Seen in Baden-Württemberg unzählige mikroskopisch kleine Plastikpartikel schwimmen. Sie finden sich zudem in allen Tiefen des Meeres und wurden zum Beispiel bereits in Kleinstlebewesen (Zooplankton), Muscheln, Würmern, Fischen und Seevögeln gefunden. Von Fischen und Muscheln ernähren sich Meeressäuger, Vögel – und wir Menschen.

Was kann ich tun?
Jede*r Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten, Plastik zu reduzieren und ein Zeichen gegen Ressourcenverschwendung zu setzen. „Die Fastenzeit ist ein guter Anlass, eine Zeitlang sehr geplant auf so viele Kunststoffe und Einwegverpackungen wie möglich zu verzichten – und das dann dank der eingeübten Routine auch anschließend fortzusetzen“, beschreibt Martin Bachhofer, Landesgeschäftsführer des BUND, die bundesweite BUND-Aktion. „Das gibt nicht nur ein gutes Gefühl, sondern erhöht die Lebensqualität und ist sowohl für unsere Gesundheit als auch für die des Planeten wichtig.“

Folgende Tipps hat der BUND zusammengestellt:

Kunststoff, der nicht hergestellt wird, kann auch nicht zu Mikroplastik zerfallen. Vermeiden Sie Plastikverpackungen, indem Sie verpackungsfreie Produkte kaufen und Mehrwegflaschen und -behälter verwenden. Packen Sie Ihren Einkauf in Jutebeutel, Gemüsenetze oder einen Korb anstatt in Plastiktüten und kaufen Sie, wenn möglich, in Unverpackt-Läden.
Kaufen Sie keine Kosmetika, die Mikroplastik enthält. Bei der Wahl von unproblematischen Produkten hilft Ihnen die erprobte Tox-Fox-App des BUND. Ab sofort prüft der Produkt-Check Kosmetika nicht nur auf hormonelle Schadstoffe und Nanopartikel, sondern auch auf Mikroplastik.
Viele Kosmetikprodukte und Putzmittel lassen sich einfach und ohne Mikroplastik selbst herstellen – oder sogar ganz vermeiden.
Waschen Sie Ihre Kleidung bei niedrigen Temperaturen und verwenden Sie Wäschebeutel für Produkte aus synthetischen Fasern, wie Polyester, Polyamid oder Polyacryl.
Fahren Sie so wenig wie möglich Auto und wählen Sie kleine, leichte Fahrzeuge. Je schwerer das Fahrzeug ist und je breiter die Reifen sind, desto stärker ist der Reifenabrieb und desto mehr Mikroplastik entsteht.
Für viele Produkte aus Kunststoff gibt es umweltfreundlichere Alternativen aus Metallen oder FSC-zertifiziertem Holz. Wenn Sie Produkte aus Plastik kaufen, achten Sie auf gute Qualität und Reparierfähigkeit, damit Sie den Gegenstand lange nutzen können.

Hintergrund

Zum Begriff „Mikroplastik“: Als Mikroplastik werden feste und unlösliche Kunststoffe bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Primäres Mikroplastik wird eigens hergestellt. Sekundäres Mikroplastik entsteht zum Beispiel beim Zerfall, wenn größere Kunststoffgegenstände verwittern.
Zu Kunststoffabfällen in Deutschland: Im Jahr 2019 fielen laut Umweltbundesamt in Deutschland 6,28 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an, rund 18 Millionen Tonnen Kunststoffe wurden in Deutschland produziert. Damit ist das Land der größte Plastikproduzent Europas. Weltweit waren es circa 368 Millionen Tonnen.
Zur Aktion #plastikfasten: Der BUND ruft alle Umweltschützer*innen auf, ihre Erfahrungen, Tipps und Ideen rund um einen Alltag ohne Plastik unter #plastikfasten in den sozialen Medien zu teilen. Mit seinem Aufruf möchte der Verband das Problembewusstsein für diesen Stoff schärfen.

 

PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/freizeit/132430/

Kommentar verfassen