Behindertensportgemeinschaft Göppingen mit reichhaltiges wie abwechslungsreiches Sport- und  Gymnastikprogramm

„Wer rastet, der rostet“, sagt Manfred Haug. Der Mann aus Böhmenkirch führt seit vielen Jahren die Behindertensportgemeinschaft (BSG) Göppingen und ist mit seinen Vereinsmitgliedern stolz auf die neue Gymnastikhalle, in der ein ebenso reichhaltiges wie abwechslungsreiches Sport- und  Gymnastikprogramm geboten wird.

Petra Küfner steht im Eingangsbereich der modernen Gymnastikhalle an der J.-F.-Kennedy-Straße in Göppingen und begrüßt die eintreffenden Frauen und Männer. Er sind aber überwiegend Frauen, die an diesem spätnachmittag zur Hüftgymnastik zur Behindertensportgemeinschaft kommen. Die Hüftgymnastik ist eines von vielen Angeboten, für die der Verein seine 2019 fertiggestellte Halle öffnet. Und Petra Küfner ist eine von gut einem Dutzend ausgebildeten Übungsleitern, zu denen sich noch sieben betreuende Ärzte gesellen.

Im großen Kreis sind die Stühle in der rund 160 Quadratmeter großen Halle aufgebaut. Ein Stuhl für jeden Teilnehmer. Unter Anleitung von Petra Küfner gibt es gymnastische Übungen, mit denen versucht wird, der Arthrose entgegenzuwirken. Mit den ausgewählten Übungen soll die Muskulatur gedehnt und gekräftigt werden. Küfner achtet darauf, dass vor allem die hüft- und knieumgebende Muskulatur trainiert wird. Bei den wöchentlichen Treffen wird auch gelenkschonendes Alltagsverhalten vermittelt. Gleichgewichtsübungen und Koordinationstraining ergänzen den Übungsbetrieb. Sportutensilien aus dem Geräteschrank wie Bänder, Stäbe, Ringe oder Bälle sorgen für Abwechslung beim Training. Und da mit Musik bekanntlich alles viel besser geht, läuft rhythmische Musik vom Band dazu.

„Das ist heute eine sehr große Gruppe“, berichtet Manfred Haug. Der Böhmenkircher engagiert sich schon seit 20 Jahren an vorderster Front bei der Göppinger Behindertensportgemeinschaft (BSGB) und führt zusammen mit dem designierten Kassierer Claus Hauser durch die Halle und ihre Nebenräume. Vor zwei Jahren wurde das Projekt, das vom inzwischen verstorbenen Architekten Achim Fehrenbacher geplant und mit tatkräftiger Unterstützung der Vereinsmitglieder gebaut wurde, eingeweiht. Viele tausend Stunden Eigenleistungen sind in den Neubau geflossen. Vorsitzender Manfred Haug sei da mit gutem Beispiel vorangegangen, berichtet Hauser. Haug winkt bescheiden ab, doch ohne ihren engagierten Vorsitzenden stünde die BSG heute nicht dort wo sie steht, ist sich Hauser sicher.

Auf ihre neue, eigene Halle, sind die BSG-Mitglieder stolz. Und Achim Fehrenbacher dankbar, dass er die Realisierung der Vorhaben noch so engagiert begleitet hat. Manfred Haug weiß, dass ohne den Einsatz seines Stellvertreters Fehrenbacher, ohne die Eigenleistungen, Zuschüsse und Spenden die Halle ein Wunschtraum geblieben wäre. Im vergangenen Sommer haben die Vereinsmitglieder die Außenanlagen angelegt – den gepflasterten Eingangsbereich und eine Rasenfläche, auf der bei gutem Wetter die Gruppen schon mal trainieren. Das Gelände wurde zudem umzäunt. In den Schoß legen die Mitglieder ihre Hände jedoch nicht. Nun soll noch ein Schuppen für allerlei Gerät, sowie zwei Garagen gebaut werden. Claus Hauser freut sich, dass er bereits Firmen finden konnte, die helfen, den Anbau mitzufinanzieren.

Wie jeder Verein, so sorgt sich auch der BSG-Vorstand ums ehrenamtliche Engagement. „Wir könnten da noch einige helfende Hände gebrauchen“, bekennt Vorsitzender Manfred Haug. Nicht nur im Vorstand und bei den Übungsleitern ist Verstärkung erwünscht, auch für viele Arbeiten, die bei der Bewirtschaftung der Halle und bei den geselligen Treffen der Mitglieder, wie bei der Weihnachtsfeier, Seniorennachmittagen, Ausflügen oder dem Sommerfest anfallen.

Rund 350 Mitglieder zählt die BSG, hinzu kommen noch rund 200 Menschen im Jahr, die von Ärzten auf Rezept zum Reha-Sport geschickt werden. Die BSG ist froh darum, denn Kursteilnehmer, die ein Rezept mitbringen, können mit der Krankenversicherung abgerechnet werden. Mit diesen Einnahmen finanziert der Verein hauptsächlich die professionellen Übungsleiter und Betreuungsärzte. Mit unserem Mitgliedsbeitrag von 60 Euro im Jahr könnten wir das nicht machen. Haug stellt aber klar, dass jene, die mit Rezept zum Rehasport kommen, nicht zuerst Mitglied im Verein werden müssen. Der Vorsitzende bedauert, dass die meisten Kursteilnehmer nach Ende der verschriebenen Reha-Stunden nicht mehr kommen. Dabei würde es allen gut tun, weiterhin im Training zu bleiben.

Corona hat auch den Behindertensport in Göppingen ausgebremst. Pandemiebedingt lief über Monate nichts mehr, musste die Halle geschlossen bleiben. Erst ab Sommer konnten die vielen Kurse in der Halle wieder stattfinden. Haug hofft, dass die Zwangspause nicht zu viele Mitglieder in die Passivität getrieben hat und nach und nach die Gruppen wieder zu alter Stärke finden. Starke BSG-Sportler hat es in der Vereinsgeschichte schon manche gegeben. Walter Hertle kehrte mit Goldmedaillen von den Paralympics zurück,  Wolfgang Maier holte Gold bei den Allgemeinbehinderten und Nico Moll im alpinen Skirennsport.

Auf solche Vorzeigesportler ist die BSG, die aus dem Versehrtensport hervorging, stolz. Zahlreiche bekannte Göppinger Persönlichkeiten sind oder waren Mitglieder in der BSG, wie der Göppinger Arzt und Ehrenbürger  Dr. Heinrich Zeller oder der frühere Landrat Paul Goes. Ab 1949 wurde in Göppingen  im Versehrtensport regelmäßig Schwimmen, Gymnastik, Leichtathletik und Blindensport engagiert betrieben. 1952 wurde dann die Versehrtensportgemeinschaft Göppingen mit  40 Mitgliedern aus der Taufe gehoben. Sie ist Mitglied des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (WBRS) und des Württembergischen Landessportbundes (WLSB). 1990 nannte sich der Verein in Behindertensportgemeinschaft um.

Kontakt: Manfred Haug, Sonnenstraße 15, 89558 Böhmenkirch, Tel. 07332 5409,  www.reha-bsg.de

Reiches Sportangebot

Die Behindertensportgemeinschaft Göppingen bietet ein breites sportliches Angebot. Neben der Hüftsportgruppe gibt es eine Herzsportgruppe, eine Schwimm- und Wassergymnastikgruppe, die Parkinson-Gymnastikgruppe, es gibt Sportgruppe für Menschen, die einen Schlaganfall hatten, es gibt Faustball, Tischtennis, Lungensport, Rollstuhl-Badminton, Sport mit psychisch Kranken, eine Qigong-Gruppe, Orthopädiesport, Leichtathletik, eine Wandergruppe und eine Kinder- und Jugendabteilung.

Foto: Hüftgymnastik in der neuen Gymnastikhalle der BSG in Göppingen

 

PM Behindertensportgemeinschaft Göppingen

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