Streuobstanbau als Immaterielles Kulturerbe: Über 1,3 Millionen Menschen unterstützen den Antrag

Mehr als 1,3 Millionen Streuobstfreunde stehen bundesweit hinter dem Vorhaben, den Streuobstanbau auf die UNESCO-Liste zu bringen. Im Oktober letzten Jahres reichte der gemeinnützige Verein Hochstamm Deutschland e.V. stellvertretend den Antrag zur Aufnahme von Streuobst auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes ein.

Während die Anzahl der Unterstützer für den Kulturerbe-Antrag steigt, gehen die Streuobstbestände gleichzeitig rapide zurück. Allein in Baden-Württemberg sanken die Bestände in den letzten 10 Jahren um mehr als 20 %, von 9,4 Millionen auf rund 7,2 Millionen. Das zeigt eine aktuelle landesweite Streuobsterfassung. Es besteht großer Handlungsbedarf!

„Die aktuellen Zahlen aus Baden-Württemberg sind alarmierend, aber auch ein Weckruf, uns noch intensiver mit dem Erhalt und der Weiterentwicklung von Streuobst zu beschäftigen.“, so Martina Hörmann, Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Hochstamm Deutschland e.V. Dessen Ziel ist es, bundesweit zum Erhalt der Streuobst-Bestände beizutragen. „Die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe trägt dazu bei, jahrhundertealtes Wissen zu bewahren. Streuobstfreunde von Nord bis Süd pflegen, erhalten und bewahren diesen wunderschönen Lebensraum. Das tragen wir nun in die Öffentlichkeit“, so Hörmann weiter.

Über den großen Zuspruch zum Kulturerbe-Antrag, den Hochstamm Deutschland öffentlich unter großer Beteiligung vieler Streuobstakteure erstellt hat, ist die Vorsitzende sehr erfreut: „Wir sind überaus glücklich über die zahlreichen Einzelpersonen, Vereine und Verbändeaus ganz Deutschland, denen die Streuobstwiesen genauso am Herzen liegen wie uns und die sich auf die Unterstützerliste zum Antrag eingetragen haben. Wir hoffen natürlich, dass die breite Unterstützung des Antrags beim Entscheidungsgremium berücksichtigt wird.“

Wie geht es nun weiter?

Über den bundesweiten Antrag, der Ende letzten Jahres beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg eingereicht wurde, entscheidet im April ein Expertenkomitee aus Baden-Württemberg. In jedem Bundesland wählen eigene Expertengruppen bis zu vier Anträge für die bundesweite Vorschlagsliste aus. Diese Länderauswahl prüft im nächsten Schritt dann ein bundesweiter Expertenrat und reicht dann die deutsche Vorschlagsliste an die UNESCO weiter. Der Eintrag auf die Unterstützerliste zum Kulturerbe-Antrag ist weiterhin auf der Homepage des Vereins (www.hochstamm-deutschland.de) möglich.

 

Hintergrundinformationen: Verein Hochstamm Deutschland e.V.

Hochstamm Deutschland e.V. ist ein gemeinnütziger, bundesweit tätiger Verein mit Sitz in Baden-Württemberg, der sich für den Erhalt von Streuobstwiesen einsetzt. Hinter Hochstamm Deutschland stehen unter anderem Streuobst-Initiativen, Kommunen, Verbände und Privatpersonen.

Ziel des Vereins ist es, Streuobstwiesenfreunde dabei zu unterstützen, den verbliebenen Bestand zu erhalten. Sie finden auf der vereinseigenen Homepage (www.hochstamm-deutschland.de) in Zukunft eine Plattform, um Wissen auszutauschen und sich zu vernetzen. Hochstamm Deutschland will sich auch dafür einsetzen, dass die zeit- und arbeitsintensive Pflege einer Streuobstwiese nicht nur Herzensangelegenheit ist – mit Vermarktungswegen und -ideen, die eine wirtschaftliche Grundlage für den Anbau auf Hochstamm-Streuobst schaffen.

Zudem ist der Verein aktuell mit der Beantragung von Streuobst als Immaterielles Kulturerbe befasst, um so Streuobst vermehrt in den öffentlichen Fokus zu rücken und dadurch dazu beiztragen, die Natur sowie die Streuobstkultur und das damit verbundene Wissen zu erhalten.

Unterstützt wird der Verein bei seiner bundesweiten Kulturerbe-Kampagne mit einer Förderung aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE)

Hintergrundinformationen: Immaterielles Kulturerbe

Immaterielle Kulturerbe sind kulturelle Ausdrucksformen, die unmittelbar von menschlichem Wissen getragen und von Generation zu Generation weitergegeben und weiterentwickelt werden. Immaterielle Kulturerbe ist nicht anfassbar, sondern an den Menschen gebunden und wird durch das Engagement seiner Träger lebendig gehalten.

Streuobstlandschaften als Äcker, Wiesen oder Alleen mit hochstämmigen, großkronigen Obstbäumen sind aus einer landwirtschaftlich-kulturellen Entwicklung entstanden und damit direkt an menschliches Wissen gebunden. Die Anlage, Bewirtschaftung und Pflege von Streuobstwiesen, das Züchten von Obstsorten und die Ernte sowie Verarbeitung des Obstes beruhen auf umfangreichem Erfahrungswissen im Umgang mit der Natur. Neben kulturellen Ausdrucksformen wie Erntefesten und -ritualen wurden über Jahrhunderte hinweg spezielle Handwerkstechniken z.B. zur Pflege von Streuobstbäumen entwickelt und verfeinert. Die kulturellen Eigenschaften von Streuobst stimmen mit den UNESCO-Kriterien in folgenden Punkten überein: Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum, traditionelle Handwerkstechniken, Bräuche, Rituale und Feste.

Die Idee Streuobst auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes zu bringen entstand bereits vor vier Jahren beim Landesweiten Streuobsttag Baden-Württemberg 2015. Die Initiatoren haben diese Idee seitdem im Rahmen der Streuobsttage z.B. über einen eigenen Newsletter weiter getragen und diskutiert. Hochstamm Deutschland e.V. ist teilweise aus der Vernetzung der Streuobsttage entstanden und hat in diesem Jahr die Initiative ergriffen, die Antragstellung als bundesweites Kooperationsprojekt zu organisieren.

 

Foto (Rudolf Schneider): Streuobstwiese im Sonnenuntergang

 

PM Hochstamm Deutschland e.V.

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