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Sonntagsgedanken: Vom Aushalten oder Annehmen

„Da ist sie wieder… die triefende Nase, der dröhnende Kopf, die schmerzenden Glieder und weg ist sie… die Kraft und Energie zum Handeln. Gefragt wurde ich nicht, zugestimmt habe ich auch nicht und abwenden kann ich es nun auch nicht mehr. Die Erkältung hat mich belagert. Eigentlich hatte ich mich auf ein freies Wochenende, schöne ruhige Stunden zu Hause und auf eine schöne Schneewanderung gefreut! Doch jetzt… darf ich das Bett hüten und …?“

In Situationen wie diesen stellt sich nun die Frage: Was tun? Aushalten oder annehmen? Wenn ich aushalte, dann stemme ich mich aktiv dagegen, rege mich darüber auf, dass dies nun so überhaupt nicht in den Plan passt, der für die Woche ausgeklügelt war. Wenn ich es doch nur schaffen könnte, die Situation anzunehmen: Mir zuzugestehen, dass die Erkältung mich gefangen hat und ich nun das Beste daraus mache. Dann könnte ich es mir mit einem Buch, einer Tasse Tee und einer warmen Decke  auf dem Sofa gemütlich machen.

Aushalten und Annehmen sind für mich zwei Gegensätze, die sich gegenüberstehen, wie das Auf- und Zumachen einer Türe oder das Aus- und Anziehen von Kleidung. Doch ist immer nur das eine „Extrem“ richtig und der einzige Weg zum Ziel? Das glaube ich nicht.

Es ist wahrscheinlich nicht auf jede Situation übertragbar, aber vor allem dann, wenn es um mich selber geht, um das Aushalten oder das Annehmen meiner Selbst, dann kann für mich nur der Weg zum Ziel führen. Es ist ein Weg, der aus dem Aushalten zum Annehmen führt, der mich zu einer persönlichen Weiterentwicklung und zur Stärkung meines eigenen Ichs führt. Aushalten kostet Kraft und Energie, die gebunden ist im Herunterdrücken von Gefühlen, im Auf-Abstand-Halten von Situationen oder im Vergessen wollen von verletzenden Worten. Wenn ich diese gefesselte Energie jedoch anderweitig einsetzen möchte, dann ist der einzige Weg mich aktiv mit diesen Momenten zu beschäftigen. Das heißt, dass ich in Begegnung und Berührung mit diesem Unterdrückten gehe, es behutsam anschaue und einen Umgang mit dem Geschehenen suche, der mir gut tut. So kann ich eine innere Wunde zum Heilen bringen, das Unwohlsein wegen meinem Aussehen in mein Leben integrieren oder das Unabänderliche als Ereignis, das unumkehrbar ist, zulassen. Auch diese Prozesse sind nicht gratis, sondern sie bedürfen der Zuwendung und Entschlossenheit. Doch wenn ich es schaffe mich mit auszuhaltenden Lebenssituationen auseinanderzusetzen, dann kann ich zu einem Annehmen gelangen, das mir neuen Halt und Festigkeit für meinen eigenen Standpunkt schenkt und viel Freiheit und Kraft für das Neue im Leben, das auf mich wartet!

 

Gemeindereferentin Katharina Pilz

Katholische Kirchengemeinde St. Markus-Liebfrauen, Eislingen

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