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Sonntagsgedanken: Die offene Tür zum Himmel

Die Adventszeit ist mir die liebste Zeit des Jahres! Ich mag den Duft nach Kerzen und Tannengrün, nach Zimtsternen, Punsch und Glühwein. Ich freue mich darauf, die vertrauten Lieder zu hören und zu singen. Sie erzählen von Liebe, Frieden und Hoffnung. Während ich es mir in meiner Wohnung gemütlich einrichte und alles festlich dekoriere, geht es andernorts aber ganz anders zu. Kein Adventsduft, keine Adventsklänge. Sondern immer noch hungernde Kinder, immer noch Krieg in der Welt. Immer noch, immer wieder Bilder von verzweifelten Menschen. Gerade im Advent kann ich das kaum aushalten.

Ich sehne mich nach einer heileren Welt! Die Adventszeit rüttelt in mir die Sehnsucht nach dem Himmel auf Erden wach. Ich wünsche mir einen, der von oben eingreift und alles anders werden lässt. So ähnlich muss es auch Friedrich Spee gegangen sein, der 1622 ein Lied gedichtet hat. Er fragt verzweifelt: „Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?“ und schreibt im ersten Vers des Liedes: „Oh, Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf. Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.“

In diesen ungeduldigen Worten entdecke ich mich wieder. Ja, Gott, wo bleibst du denn?
Nun schließe doch den Himmel endlich auf! Komm, tröste uns und bring den Himmel zur
Erde! Manchmal sehne ich mich leise, mit angehaltenem Atem. Manchmal sehne ich mich so sehr, dass es mir beinahe das Herz zerreißt.
Und Gott? Gott wählt einen anderen Weg! Er verändert die Welt nicht durch einen Himmelsriss oder gar mit Gewalt. Gott wählt den leiseren, sanften Weg.

Fast heimlich öffnet er die Tür zum Himmel und schickt seinen Sohn zu uns Menschen – als Baby.

Und wenn ich dann an die Geschichten aus dem Neuen Testament denke, begreife
ich: Dieser Jesus lässt mich einen Blick durch die Himmelstür werfen. Ich sehe, wie es dort bei Gott
zugeht: Traurige werden getröstet, Kranke geheilt und Tote lebendig. Böses in uns Menschen
wird gut und Streitende schließen Frieden.

Jesus legt mir die Sehnsucht nach dem Himmel ins Herz. Und wenn meine Sehnsucht müde wird, rüttelt er sie wieder wach. Gerade jetzt im Advent. Denn sie soll im Herzen brennen, auch wenn ich das manchmal kaum aushalten kann. Die Sehnsucht verändert mich: Sie lässt mich mit anderen mitfühlen. Und sie macht mich bereit, ihnen das zu schenken, was sie brauchen: Freundlichkeit und Liebe oder Zeit und Geld. Damit auch sie jetzt im Advent einen Blick in den Himmel werfen können, dessen Tür Gott für uns geöffnet hat.

 

Vikarin Julia Kling

Evangelische Kirchengemeinde Faurndau

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