ASCHERMITTWOCH – Etwas weniger – etwas mehr!

Nach den grellen, bunten Fastnachtstagen ist das farblose Grau des Aschermittwochs ein eindrucksvoller Perspektivenwechsel. Wir werden jäh an unsere Vergänglichkeit erinnert: Bedenke, Mensch, dass du Staub bist…

Dieser Einsicht, zu der auch die Aussicht gehört, dass wir zum Staub zurückkehren; stellen wir uns nicht gerne. Als das unvermeidliche Ende der ausgelassenen »fünften Jahreszeit« hat der Aschermittwoch in unserer Zeit auch säkulare Themen angezogen: Es gibt etwa den »Aschermittwoch der Künstler und den »Politischen Aschermittwoch« -vielleicht mit dem Wunsch verbunden, doch noch einen Aufschub der angesagten Buße zu erreichen. Die Liturgie aber lässt kein Ausweichen zu, sie konfrontiert uns ganz persönlich: »Was die österliche Bußzeit will: Jene Entsagung die notwendig ist, damit Gott in unserem Leben wieder alles Sagen hat« meint der Priester und Schriftsteller Heinrich Spaemann. Letztlich geht es jetzt darum, ob wir Gott in unserem Leben ein Mitspracherecht einräumen. Ob wir die Wochen ab Aschermittwoch als Fastenzeit verstehen oder liturgisch korrekt als österliche Bußzeit, ist dabei nicht so wichtig. Obwohl: Heute klingt Fasten sympathisch nach Gesundheit, Buße eher wie ein lästiger Strafbescheid des Amts für öffentliche Ordnung. Schauen wir auf die Tradition dieser Begriffe, finden wir in der frühen Kirche dafür die Bezeichnung Quadragesima – »Vierzig Tage«. Es sind also einfach vierzig Tage, die ganz von der Erwartung der österlichen Auferstehung bestimmt sind.

Die Benediktregel hat im 49. Kapitel dafür hilfreiche Hinweise: Gegenüber asketischen Maximalforderungen empfiehlt Benedikt, in diesen Tagen »in aller Lauterkeit auf unser Leben zu achten«, etwas über das gewöhnliche Maß hinaus »in der Freude des Heiligen Geistes Gott darzubringen«. Bezeichnend für ihn ist das wiederkehrende Wort »etwas«. In den leiblichen Bedürfnissen (Essen, Trinken, Schlafen) etwas weniger, im geistlichen Tun (Gebet, Besinnung, Lektüre) etwas mehr – das Leben soll wieder in eine heilsame Balance kommen. Möge es gelingen!

 

Felix Müller, Dekanatsreferent

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