Sonntagsgedanken: Was kommt danach…

Marie ist davon überzeugt, dass wir dann in großes Licht eintauchen. Frank erwartet paradiesische Zustände; vielleicht Schokoladeneis, so viel er will. Heidrun hält am Reinigungsfeuer fest: Ohne Buße keine Gnade. Oliver meint, dass dann einfach nichts sein wird…

Annett BraeunlichWas mit uns nach dem Tod passiert, weiß keiner. Zum Glück, möchte ich sagen. Denn allzu genaue Vorstellungen beschränken uns in der Freiheit, im Hier und Jetzt zu leben. Also vergessen wir die Frage, was danach kommt, doch einfach. Es ist Aufgabe genug, mit der Endlichkeit unseres Lebens fertig zu werden und dem Kreislauf des Werdens und Vergehens zuzustimmen.

Aber was ist mit Ostern? Warum feiern wir dann dieses Fest?

In den Kirchen erinnern wir an Jesu Sterben und an seinen Tod. Und wir feiern seine Auferstehung, die auch uns „aufstehen“ und auf ein Leben nach dem Tod hoffen lässt. Also doch? Ja, ich glaube, dass mich nach meinem Tod eine letzte Geborgenheit bei Gott erwartet. Aber wie und was genau, das ist zweitrangig. Dass es überhaupt diese Kraft Gottes gibt, die den Tod überwindet und neues Leben hervorbringt – das ist für mich das eigentlich Wunderbare – an Ostern, in meinem Leben und in der Natur.  Und dort rufen die Kinder: „Endlich kommt der Osterhase und versteckt die Eier.“ Hasen und Eier erinnern an die neuen Lebenskräfte, die der Frühling mit sich bringt. Was für die Kinder zu einer geheimnisvollen, süßen Tradition geworden ist, kann auch für uns aufgeklärte Erwachsene aufregend sein: Hasen und Eier sind Symbole für die große Kraft, die nach der langen Zeit des Vergehens wieder neues Leben hervorbringt. Wenn die Krokusse den braunen Erdboden im Park zu einem Blütenteppich verwandeln, wenn die Vögel so laut zwitschern, dass man davon aufwacht – wer kann dann so tun, als ob nichts wäre? Frühlingsgefühle haben nicht nur Hasen. Auf(er)stehen können wir schon jetzt, nicht nur nach unserem Tod!

 

Pfarrerin Annett B.-Comtesse, Stadtkirchengemeinde-Oberhofen Göppingen

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