Am 5. August wurden die Boxheimer Dokumente verfasst. Dabei handelt es sich um geheime NS-Pläne aus dem Jahr 1931 für eine gewaltsame Machtübernahme, verfasst von Werner Best. Sie zeigten das Vorgehen nach einem vermeintlichen kommunistischen Umsturz, die Errichtung einer Diktatur und harter Notgesetze.
Verfasser war der NSDAP-Funktionär und Jurist Werner Best. Die Treffen fanden auf dem Boxheimer Hof bei Bürstadt in Hessen statt. Ziel war, dass die NSDAP nach Unruhen die alleinige Macht im Staat übernehmen wollte. Inhalt der Pläne waren Ausnahmezustand (sofortige Verhängung des Ausnahmezustands bei einer Krise), Todesstrafe (harte Strafen wie die Todesstrafe für Plünderungen, Streiks oder Widerstand gegen die neuen Machthaber), Enteignung (Einzug des Vermögens von politischen Gegnern). Ende November 1931 wurden die Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und lösten große Empörung aus. Die Parteiführung tat die Pläne als private Arbeiten ab und gab an, sie wolle auf legalem Weg an die Macht kommen.
Wie uns die Geschichte gelehrt hat, musste es nie so weit kommen, da man 1 1/2 Jahre später der NSDAP die Macht zu Füßen warf. Der damalige Reichskanzler Heinrich Brüning wollte diese Partei trotz dieser Dokumente nicht verbieten, sondern inhaltlich bekämpfen – 2 Jahre später war er auf der Flucht. Sein Nachfolger Franz von Papen war aktiv an der Machtübertragung an die Nazis beteiligt, weil er mit deren Hilfe die Demokratie bekämpfen wollte. Heute hat die NSDAP mit der AfD de facto eine Nachfolgerin und es gibt genug Brünings, die auch 95 Jahre später meinen, es reicht, die Rechten inhaltlich bekämpfen zu können. Und sicher gibt es auch neue von Papens, die mit Hilfe dieser Partei die Bundesrepublik zumindest in eine autokrate Richtung lenken wollen. Darum muss die AfD mit allen rechtsstaatliche Mitteln bekämpft werden und dafür muss man auch versuchen, sie zu verbieten.
Vor einer Machterschleichung habe ich mehr Angst als davor, dass die AfD durch Wahlen die absolute Mehrheit erhält. Ein Umstand, der dazu beitragen könnte, ist der, dass, wenn es so weitergeht, die Grünen irgendwann vor der CDU im Bund stehen könnten. Unter diesen Umständen sehe ich die Gefahr, dass es in der Union Kräfte gibt, die lieber den Juniorpartner der AfD machen, als den der Grünen unter einen von der Linkspartei tolerierten Minderheitsregierung.
Noch ist in Deutschland eine Zusammenarbeit mit der AfD in weiten Teilen der Bevölkerung verpönt, weswegen die CDU auch mit diesem Pack in den Ländern und im Bund keine gemeinsame Sache macht. Aber schauen wir nur mal nach Österreich, wo es längst Gang und Gäbe ist und in der Steiermark macht die ÖVP schon den Mehrheitsbeschaffer der FPÖ. So weit darf es in Deutschland nie kommen. Die demokratische Mitte darf niemals wollen, dass eine Partei gemeinsame Sache mit der AfD macht, sonst sind wir verloren. Und der CDU empfehle ich einfach gute Politik zu machen, damit sie nicht noch mehr die Gunst der Wähler verliert.
Ein weiterer Punkt, der mich beschäftigt, sind Trockenheit und Feuer. Bei mir im Landkreis Traunstein gab es dieses Jahr bereits zwei Waldbrände, was für diese Region alles andere als typisch ist und mich mit großer Sorge erfüllt.
Wenn es schon im niederschlagsreichen Voralpenland zu solchen Zuständen kommt, wie ist es dann andernorts? Diese Frage beantwortet sich von selbst, wenn man die Tagesschau guckt. Wir müssen dringend Wasser sparen und da sollte jeder bei sich anfangen. Z. B. Wildpinkeln, vor allem da, wo man horrende Summen für öffentliche Toiletten zahlen muss. Auch lehne ich den Ausbau der Flüsse ab, um sie für Niedrigwasser fit zu machen, da dies empfindliche Ökosysteme vernichtet. Vielmehr muss die Schiene ausgebaut und der Transport mit der Bahn forciert werden.
Wie es der Zufall wollte, habe ich in letzter Zeit mehrfach dieses Lied gehört, nachdem ich es vorher bestimmt ein Jahr nicht mehr hörte:
Hier der Text:
Hier die Übersetzung:
Hubert von Goisern hat uns bereits damals die Perversität der Ökonomie erläutert, die ihren Höhepunkt darin findet, dass Lebensmittel verbrannt werden. Von Goisern ist Gegner der Rechten und Verfechter einer nachhaltigen Lebensweise und Wirtschaft. Hätte er 1931 in Deutschland gelebt, wäre er damals gegen die NSDAP auf die Barrikaden gegangen und tut das heute in Österreich gegen die FPÖ. Ich befürchte, Österreich ist trotz Menschen wie ihm so gut wie verloren, aber in Deutschland können wir das Ruder noch rumreißen. Dazu muss jeder seinen Teil beitragen, indem er vernünftig wählt, das Maul gegen Missstände aufmacht und aktiv gegen diese vorgeht. Sonst werden sich auch bei uns die Verhältnisse von 1931/1932 wiederholen und das Ende ist allseits bekannt. So weit darf es nicht kommen!
Ein Urgroßvater von mir war während des Zweiten Weltkriegs ziviler Arbeiter in Krakau und damit ein Handlanger des NS-Regimes. Dadurch bin ich Nachkomme von Täter. Ich habe ihn nie kennengelernt, schätze ihn aber aus Erzählungen als einen Menschen ein, der schnell zu begeistern war, angepackt hat und nicht immer die Konsequenzen seines Handelns beachtet hat.
Er war sicher kein schlechter Mensch, hat aber dadurch große Schuld auf sich geladen. Ich finde es verurteilenswert, was er getan hat, kann es aber auf der anderen Seite nachvollziehen, wenn man den Kontext der Zeit beachtet, so dass ich keinen Groll gegen ihn hege. Wenn jemand, der diesen Beitrag liest, das anders sieht und mich oder ihn verurteilt oder verachtet, habe ich aber vollstes Verständnis dafür. Auf der anderen Seite kann ich nichts für die Vergangenheit und sie auch nicht ändern. Was ich aber tun kann – und als Nachfahre von Tätern schon als eine heilige Pflicht sehe – ist, mich täglich für Verständigung, Versöhnung und Brüderlichkeit einzusetzen, damit sich diese dunklen Zeiten niemals wiederholen werden. Aber auch klar Dinge beim Namen zu nennen, wie der nächste Sachverhalt zeigen wird.
Natürlich gab es noch viel schlimmere Täter und in solchen Fällen gehört schon viel Kraft dazu, sich von seinen Vorfahren zu distanzieren und diese zu verachten. So habe ich größten Respekt vor Niklas Frank, der offen über die Verachtung gegenüber seines Erzeugers, dem Kriegsverbrecher Hans Frank, spricht und dies zum Anlass nimmt, bis ins hohe Alter gegen Extremismus, Hass und Fanatismus kämpft.
Gestern bin ich auf das Thema Bau- und Friedhofskultur gekommen. Mittlerweile gibt es in Deutschland fast nur noch Urnenbestattungen, wodurch sich auch die Gräberkultur wandelt. Aus heutiger Sicht ist das vielleicht bedauernswert, in einigen Generationen wird das aber als Modeerscheinung betrachtet und vielleicht sogar als schön empfunden werden.
Mir hat mal jemand von einem Architekturprofessor erzählt, der Anfang der 1950er studiert hat und damals waren Villen aus der Gründerzeit verpönt und man hätte sie am liebsten abgerissen. Heutzutage zählen diese zu einem erhaltenswerten Kulturgut. Wenn ich mir heute den Stalinbarock und das Pendent aus dem Westen anschaue, gilt dieses auch als architektonisch sehenswerte Erzeugnisse der Nachkriegszeit. Später entstandene Zweckbauten werden heute als hässlich angesehen, aber wer weiß, wie das in mehreren Generationen betrachtet wird. Und so ist es auch mit der Friedhofskultur. Wir empfinden die Erdgräber vergangener Generationen als schön und so werden vielleicht zukünftige Generationen unsere Urnenwände, Gräber oder Friedwälder empfinden.
Marcel Kunz