Einfach mal Mensch sein. Im Filstal bedeutet das meistens: einmal tief durchatmen, bevor man im Bus wieder jemanden trifft, der glaubt, dass Kopfhörer optional sind. Aber gut – Mensch sein ist wichtig. Sagen zumindest alle, die es versuchen.
Der Alltag ist die Bühne – und keiner hat geprobt
Zwischen Göppingen, Geislingen, Donzdorf und dem Rest des Filstals begegnen sich täglich Menschen aller Kategorien: die Eiligen, die Ahnungslosen, die Dauertelefonierer, die „Ich hab’s eilig, aber nicht genug, um schneller zu gehen“-Typen. Und natürlich die, die glauben, dass sie zu den Starken, Reichen und Schönen gehören – obwohl sie nur vergessen haben, den Spiegel zu putzen.
Aber eigentlich geht’s um den Menschen. Den echten. Den, der morgens beim Bäcker sagt: „Einmal die normale Brezel, aber bitte nicht so hart wie gestern.“ Der Mensch mit Herz, Hirn und Lebenserfahrung – also jemand, der schon mal einen Pfandbon verloren hat und trotzdem weiterlebt.
Respekt und Offenheit – klingt nach Gemeinderat, ist aber dringend nötig
Wir sind uns nicht immer einig. Wären wir es, gäbe es keine Leserbriefe im Filstalexpress, und das wäre schade – denn wo sonst erfährt man, dass jemand seit 1998 ENTSETZT ist?
Aber Meinungsverschiedenheiten sind kein Drama. Man muss nur rechtzeitig miteinander reden. Also bevor jemand eine E‑Mail schreibt, die mit „Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin FASSUNGSLOS“ beginnt.
Kompromisse sind nicht sexy, aber sie verhindern, dass man sich im Supermarkt mit dem Einkaufswagen in die Hacken fährt. Konsens ist nicht spektakulär, aber er sorgt dafür, dass man im Bus nicht mit zusammengekniffenen Lippen nebeneinander sitzt.
Rettungsdienst und Kampfsport – die letzten echten Realisten
Während andere darüber diskutieren, ob man im Büro Crocs tragen darf, wissen Rettungsfachkräfte und Kampfsportler, worum es wirklich geht: den Menschen. Den verletzlichen, den überforderten, den wütenden, den dankbaren. Den, der gerade Hilfe braucht – und nicht den, der online schreibt: „Fühl dich gedrückt“ und dann verschwindet wie ein Paket, das angeblich zugestellt wurde.
Diese Leute arbeiten mit Realität, nicht mit Selbstdarstellung. Sie wissen: Im Mittelpunkt steht nicht der Starke, Reiche oder Schöne – sondern der Mensch, der gerade vor ihnen steht. Und der kommt meistens aus dem Filstal und hat keine Zeit für Oberflächlichkeiten.
Bewahren und Erneuern – die tägliche Challenge im Filstal
Wir stehen vor Aufgaben, die größer sind als die Frage, ob der Pfandbon noch in der Jackentasche steckt. Wir müssen Bewährtes schützen – Nachbarschaft, Hilfsbereitschaft, Bodenständigkeit – und gleichzeitig Neues schaffen, das dem Zusammenleben dient.
Einfach mal Mensch sein heißt im Filstal:
- weniger Drama, mehr Dialog
- weniger Ego, mehr Empathie
- weniger „Ich hab recht“, mehr „Erzähl mal“
- weniger Scrollen, mehr Hinschauen
Fazit
Mensch sein muss der Mensch. Nicht der Optimierte, nicht der Gefilterte, nicht der „Ich hab da mal was gelesen“-Typ. Der echte Mensch. Der, der Fehler macht, hilft, lacht, zweifelt, kämpft, lebt.
Und wenn wir das alle ein bisschen ernster nehmen – oder zumindest so tun, als würden wir es ernst nehmen – bleibt das Filstal ein Ort, an dem man nicht ständig das Gefühl hat, man müsse ein Update installieren.
Alfred Brandner