Das politische Wort zum Sonntag

Am 30. Juni 1946 starteten die USA ihre Atomtests auf dem Bikini-Atoll. Noch weitere 12 Jahre dauerten die Tests mit noch gefährlicheren Waffen und die Folgen sind bis heute spürbar. Menschen wurden deswegen vertrieben und bis heute ist das Atoll unbewohnbar, auch wenn die USA das anders sehen. Ein weiteres Beispiel, wie schädlich Atomkraft ist, egal ob zur Energiegewinnung oder für kriegerische Zwecke – aber auch andere Waffensysteme.
Damals war die Angst groß darüber, dass die Sowjetunion die Atombombe hat. Heute habe ich nicht nur Angst vor Russland, sondern auch vor den USA. Ein unberechenbarer Präsident Donald Trump und seine loyalen Gefolgsleute können unvorstellbares Leid anstellen, wenn sie eine Bombe zünden. Hiroshima und Nagasaki würden uns dagegen wie kleine Tests vorkommen. Hier eine detaillierte Darstellung der Ereignisse:
Am 1. Juli 1991 hat sich der Warschauer Pakt offiziell aufgelöst. Der sogenannte Ostblock war damit auch offiziell nicht mehr vorhanden und die Sowjetunion war de facto am Ende. Retrospektivisch gesehen begann damit die Westintegration; die meisten ehemaligen Staaten des Pakts sind heute NATO- und EU-Mitglieder, manche haben bereits den Euro. Auch im entstehenden Russland gab es positive Signale der Entspannung und der Demokratisierung – es sah so aus, als ob der Weg in eine goldene Zukunft geebnet worden sei – leider ein Trugschluss.
Die neuen Bundesländer waren weit weg von westdeutschen Werten, Weißrussland wurde zunehmend autoritärer und Russland versank im Chaos. Auch Moldawien und die Ukraine befanden sich auf einem steinigen Weg, in Ungarn sollte die Autokratisierung später stattfinden und auch in Polen, Tschechien und der Slowakei war nicht alles Gold, was glänzte. Aber es gibt in allen ehemaligen Teil- und Satellitenstaaten der Sowjetunion progressive Kräfte, die für ihre Länder und ihre Völker kämpfen, so dass die Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben ist. Mehr Sorgen mache ich mir um die älteren NATO-Staaten, in denen immer mehr Dinge aus dem Ruder laufen. Wir müssen uns dringend den Aufbruch der frühen 1990er vor Augen führen und uns darauf besinnen, wofür wir kämpfen. Für Demokratie, Einheit und Prosperität. Nie wieder Hiroshima, nie wieder Bikini!
Ein einendes Element dafür ist der Fußball, auf den ich heute noch eingehen möchte. 1996 wurde Deutschland Europameister. Ich empfand den Sieg damals als sehr glücklich, weil in der K.-O.-Runde Kroatien, England und Tschechien besser waren. Was mir erst später bewusst wurde: Der deutsche Erfolg war ein Erfolg der Geschlossenheit des Willens und das Glück musste erzwungen werden. Allein die Tatsache, dass Jürgen Kohler – der Führungsspieler schlechthin – gleich im ersten Spiel für das Turnier ausfiel und es im Laufe der Spiele noch viele weitere Ausfälle gab und man trotzdem Europameister wurde, war sensationell.
Die WM 2006 war aus meiner Sicht etwas überbewertet. Sicher war in Deutschland eine super Stimmung, die BRD wurde positiv wahrgenommen und auch die Mannschaft war nicht gerade unerfolgreich. Aber irgendwie ist die WM 2002, wo man sensationell Vize-Weltmeister wurde, aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden – 2006 belegte man den Dritten Platz mit einer besseren Mannschaft. 2002 war zwar noch mit Rumpelfußball verbunden, aber auch mit den deutschen Tugenden.
Gerade darum habe ich 2016 Portugal den EM-Titel aus vollem Herzen gegönnt. Eine No-Name-Truppe (abgesehen von CR7) hat sich, wenn auch mit Glück, durchs Turnier gequält und eine hoch favorisierte französische Mannschaft im Finale nach einem harten Kampf besiegt. Ronaldo fiel im Finale früh verletzt aus und dadurch schien ein Ruck durch das Team gegangen zu sein.
Auf das deutsche Aus gegen Paraguay möchte ich heute nicht eingehen. Aber da beim 1. FC Heidenheim Marc Schnatterer neuer Co-Trainer wurde, kann davon ausgegangen werden, dass Frank Schmitt in absehbarer Zukunft seinen Posten als Cheftrainer zur Verfügung stellen wird.
In den letzten Wochen wurde auch viel über den Zwangsabstieg in die 4. Liga des TSV 1860 München geredet – dem zweiten in 9 Jahren. Zuerst dachte ich, was da schon wieder für Dilettanten am Werk sind, dass es schon wieder so weit gekommen ist. Mittlerweile sehe ich diese Entwicklung aber auch als Chance für den Club und ich finde es gut, dass man lieber nach unten geht als sich erpressen zu lassen. Seit Jahrzehnten steckt der Verein im Chaos, der mit dem Einstieg des Investors Hasan Ismaik seinen Höhepunkt fand. Aber die Tatsache, dass Ismaik jetzt ins Abseits gestellt wird, empfinde ich als richtig, da er nicht zu diesem Club passt. Seine Anteile müssen jetzt an einen Investor verkauft werden, der zum Umfeld von 60 passt und es muss jetzt einen richtigen Neuanfang in der Regionalliga Bayern geben. Vielleicht wird der Verein nicht sofort wieder aufsteigen, aber Gut Ding will manchmal Weile haben. 1860 hat so eine tolle Fankultur, ein immer ausverkauftes Grünwalder Stadion mit einer super Atmosphäre – und dieses Potenzial muss genutzt werden, um mit professionellen Strukturen den Verein wieder dahin zu führen, wo er hingehört. Und das ist oben, mindestens in der 2. Liga!
Zurück zur Politik!
Am 4. Juli 1776 erklärten sich die USA für unabhängig. Sicher hatte das Land damals einige Vorteile, aber es gab alles in allem mehr Schatten als Licht. Erst als eine der letzten Nationen schaffte sie die Sklaverei ab, was zum Sezessionskrieg führte. Bis in die 1960er gab es in den Südstaaten Rassentrennung, während im Norden informelle Diskrimminierung vorherrschte. Außenpolitisch schon vor dem Zweiten Weltkrieg, aber erst recht danach häufig aggressiv, während es im Inneren regelmäßig Spannungen gab. Bis heute gibt es die Todesstrafe und Menschenrechtsverletzungen wie Guantanamo Bay prägen das Bild. Immer wieder gab es Phasen der Autoritarisierung wie die McCarthy-Ära, Vernichtung der Ureinwohner und Arbeitskämpfe prägen das Land bis heute. Hohe Kriminalität, kaum Umweltschutz und eine extrem starke Waffenlobby tun ihr Übriges. Kulturell gibt es zwar viel Interessantes in Übersee, aber auch viel Quatsch und Europa ist bis heute so blöd, alles mögliche zu übernehmen, was wir eigentlich nicht brauchen.
Natürlich haben Westeuropa, Nordafrika, Südkorea und Japan den USA auch viel zu verdanken, denn ohne deren Eingriff in den Zweiten Weltkrieg wären wahrscheinlich große Teile unter sowjetische Knechtschaft mit Folgen bis heute geraten. Dafür bin ich den Vereinigten Staaten bis heute dankbar. Aber der Zweite Weltkrieg ist 81 Jahre vorbei und die Zeiten haben sich geändert. Heute bedarf es eines starken und kulturell unabhängigen Europa. Für die USA hoffe ich, dass sie ihre inneren Probleme schnell wieder in den Griff kriegen, damit sie wieder ein Teil der zivilisierten, demokratischen Welt werden ohne aggressive Außenpolitik und innere Spannungen.
Auf EU-Ebene soll eine Verordnung kommen, die es ukrainischen Männern erschwert, innerhalb der EU Asyl zu bekommen. Ich finde das in diesem Fall nachvollziehbar im Gegensatz zu den Forderungen damals bei Syrern, weil in diesem Fall die Konfliktlinien klar sind und es mit Russland einen klaren Aggressor gibt, der die Ukraine angreift. In Syrien waren die Fronten so unübersichtlich, dass man niemanden hätte verpflichten können, für welche Seite auch immer zu kämpfen. Trotzdem frage ich mich in diesem Fall, wie das mit dem Recht auf Asyl vereinbar ist. Dies wird wohl noch von Gerichten geklärt werden müssen. Darüber hinaus denke ich aus europäischer Sicht auch egoistisch, da wir ständig neue Fachkräfte brauchen und diese können auch ukrainische Männer sein. Daher stehe ich dieser Verordnung eher ablehnend gegenüber. Wenn es die Situation aber befriedet, dann werde ich es zähneknirschend hinnehmen.
Marcel Kunz

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