Ich schwitze, also bin ich – und ihr trinkt… also eher nicht
Manchmal frage ich mich, ob wir in Deutschland kollektiv beschlossen haben, die Hitze einfach wegzuignorieren. Da laufen Menschen durch die Gegend, als wären sie auf einer Expedition zum Nordpol – nur eben ohne Wasser, ohne Plan und ohne jede Ahnung, wie ein Körper funktioniert.
Ich dagegen: Sportler, Rettungsfachkraft, Dozent, Mann mit permanent aktualisiertem Wissensstand. Ich schwitze nicht einfach – ich analysiere. Ich verliere im Training bis zu vier Liter Schweiß pro Stunde. Und nein, das ist nicht übertrieben. Das ist Physiologie, nicht Poesie.
Der Mensch verliert Wasser – und manche verlieren zusätzlich den Verstand
Es ist wissenschaftlich eindeutig: Ohne Wasser und Elektrolyte läuft im Körper ungefähr so viel wie in einer deutschen Behörde nach 16 Uhr.
Natrium weg? Gehirn langsam.
Magnesium weg? Muskeln beleidigt.
Kalium weg? Herz sagt: „Mach’s gut, war schön mit dir.“
Und trotzdem sehe ich Menschen, die bei 34 Grad mit einem lauwarmen Kaffee rumlaufen, als wäre das eine Überlebensstrategie.
Durst ist kein Hinweis – Durst ist der Schrei eines Körpers, der aufgibt
Ich trinke im Training bevor ich Durst bekomme. Warum? Weil Durst ungefähr so früh kommt wie die Deutsche Bahn – also zu spät und mit fragwürdiger Zuverlässigkeit.
Wer erst trinkt, wenn der Mund trocken ist, hat bereits ein Defizit. Das ist wissenschaftlich belegt, nicht meine persönliche Sommerlaune.
Die beste Lösung? Apfelschorle. Ja, wirklich.
Und zwar nicht diese 50:50‑Katastrophe, die schmeckt wie flüssiger Kompromiss. Sondern:
3–4 Teile Wasser, 1 Teil Apfelsaft
Warum? Weil es funktioniert. Weil es sportmedizinisch Sinn ergibt. Weil es Elektrolyte liefert. Und weil es schneller aufgenommen wird als reines Wasser.
Und bitte: Mineralwasser mit Natrium und Magnesium. Nicht dieses „Ich bin so leicht, ich habe fast keine Inhaltsstoffe“-Wasser.
Über den Tag verteilt trinken – nicht abends einen Liter reinschütten
Ich weiß, viele machen das so: Tagsüber nichts trinken, abends „nachholen“. Das ist ungefähr so sinnvoll wie ein Regenschirm im Keller.
Der Körper braucht kontinuierliche Zufuhr. Nicht den abendlichen Sturzbach.
Und jetzt der ernste Teil – ja, den gibt’s auch bei mir
Menschen mit Herz‑, Nieren‑ oder Stoffwechselerkrankungen – besonders Dialysepatienten – müssen sich an die Vorgaben ihrer Ärzte halten. Da gibt’s keine Experimente. Und schon gar keine Apfelschorle‑Selbstversuche.
Mein Fazit – trocken wie mein Humor, klar wie mein Wissen
Hitze ist kein Sommergag. Hitze ist ein Belastungstest. Für den Körper, für den Kreislauf, für den Verstand.
Ich trainiere viel, ich lese viel, ich weiß viel – und ich sage es so, wie es ist:
Wer nicht rechtzeitig und richtig trinkt, verliert. Und zwar nicht nur die Fassung.
Alfred Brandner