Das politische Wort zum Sonnstag

Von 4. Juni bis 20. September 1916 dauerte die Brussilow-Offensive im Ersten Weltkrieg:
Diese brachte zwar große Geländegewinne und sorgte für einen Kriegseintritt Rumäniens auf Seite der Entente, brachte aber auch große russische Verluste (speziell in Rumänien) ein, demoralisierte des schon in Auflösung befindliche russische Zarenreich und war indirekt für die Februarrevolution 1917 verantwortlich. Diese Revolution war eine große Chance für Russland, wurde aber leider durch die Bolschewiki niedergeschlagen, die das Reich in einen Bürgerkrieg, sowie bewaffnete Auseinandersetzungen mit diversen Nachbarländern führte. Da das deutsche Kaiserreich Lenin ermöglichte, nach Russland zurückzukehren, waren auch Paul von Hindenburg und Schergen für die Entwicklung und die Weltgeschichte der nächsten 75 Jahre verantwortlich.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass am 1. Juni 1946 Ion Antonescu, rumänischer Diktator 1940-1944, im bereits unter sowjetischem Einfluss befindlichen Rumänien hingerichtet wurde. Zwar zählte Rumänien 1918 zu den Siegermächten des Ersten Weltkriegs, aber außer Gebietszuwächsen konnte sich das Land nichts davon kaufen. Verworrene Bündnisse ab 1938 sorgten dafür, das Bessarabien an die Sowjetunion abgetreten werden musste, wodurch NS-Deutschland Rumänien an sich binden wollte, um später gemeinsam mit anderen Verbündeten die Sowjetunion anzugreifen. Antonescu wurde 1940 diktatorischer Führer und führte sein Land an Hitlers Seite in den Zweiten Weltkrieg. Zum Glück gab es 1944 Kräfte, die die militärische Niederlage kommen sahen und das Land aus dem Bündnis mit Deutschland führten, bevor noch mehr Schaden angerichtet worden wäre. Trotzdem geriet Rumänien unter sowjetische Knechtschaft, worunter das Land bis heute leidet.
Am 4. Juni 2001 sagte Klaus Wowereit „ich bin schwul und das ist auch gut so“:
Ich erinnere mich noch, wie dieser Satz damals die Gemüter erhitzte und ich mich selbst auch darüber aufgeregt habe. Viele Menschen – mich eingeschlossen – hielten ihn deswegen für nicht wählbar. Einige Zeit später habe ich mich wieder beruhigt und dachte mir, dass es doch eigentlich egal ist, welche Neigungen Wowereit hat. Ob dieser Satz so hätte fallen müssen, darüber kann man streiten. Ich hätte besser gefunden: „Ich bin schwul! Aber spielt es eine Rolle?“ Und da ist die Antwort klar, denn es spielt keine Rolle. Ich war jetzt nie ein politischer Fan von ihm, aber das hat nichts damit zu tun, dass er mit einem Mann verheiratet war. Leider werden homosexuelle Menschen mittlerweile wieder mehr diskriminiert, was mir ebenfalls große Sorgen macht.
Am 1. Juni 2016 wurde der Gotthard-Basistunnel eröffnet:
Ein Meilenstein des europäischen Schienengüterverkehrs, leider hat Deutschland durch Untätigkeit dieses Projekt indirekt blockiert und behindert seine Weiterentwicklung bis heute. Ich finde es schlicht und einfach zum Kotzen, wie Deutschland seine Schiene über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt hat und ganz Europa darunter leidet.
Dann hatte ich gestern ein interessantes Gespräch mit einem West-Deutschen aus den neuen Bundesländern. Im Laufe des Gesprächs fanden wir heraus, dass er an der innerdeutschen Grenze auf Seiten der DDR seinen Wehrdienst verrichtete, während ich als Kind mit meiner Familie 1988 und 1989 in das Land eingereist bin. Ich habe ihm erzählt, wie mich die traumatischen Erlebnisse der Grenzkontrollen bis heute prägen und ich dadurch weiß, wie wichtig Einigkeit und Brüderlichkeit sind. Nach der Wende ging er in den Westen, weil er dem Schurkenstaat, dem er zwangsweise dienen musste, ablehnend gegenüberstand und mehr aus seinem Leben machen wollte. 1988 und 1989 standen wir uns als Feinde gegenüber, jetzt sprechen wir als Freunde miteinander, obwohl wir im Laufe des Gesprächs auch auf diverse Dissense zu sprechen kamen. Aber wir akzeptieren das und respektieren uns trotzdem – viele schaffen das leider nicht mehr. Das Fazit war, dass unsere Errungenschaften teuer erkauft werden mussten und wir sie beschützen müssen.
Und jetzt die Moral aus Geschichte und Gegenwart: Nationalismus führte Europa 1914 in den Abgrund und zur Brussilow-Offensive 1916. Diese führte Rumänien in den Ersten Weltkrieg, was dem Land aber nur schadete und die Folgen des Ersten Weltkriegs führten zu einem noch schlimmeren Krieg, der 1939 seinen Anfang nahm und in den Rumänien 1941 eintrat. Auch dieser endete im Desaster und leider waren wir 2001 noch nicht so weit, Menschen wie Klaus Wowereit so zu akzeptieren, wie sie sind. 2016 waren wir da weiter, aber leider ging die Entwicklung seitdem in die falsche Richtung – und daran ist auch die Deutsche Bahn mitschuldig. Durch Missstände, wie sie bei der DB vorherrschen, werden Kräfte bestätigt, die uns 1914 ins Verderben führten und diese begünstigten Rechtsextreme, die den Wahnsinn ab 1939 noch steigerten. Dadurch waren auch Diktatoren wie Ion Antonescu möglich, die ihren Teil zum Untergang der zivilisierten Welt beitrugen. Dem Mann, mit dem ich mich gestern unterhielt, und mir ist das bewusst und wir kämpfen jeden Tag aufs Neue dafür, dass sich Geschichte nicht wiederholt, aber vielen scheinbar nicht. Darum mein Appell: Setzt euch jeden Tag aufs Neue für Demokratie, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit ein. Nur so wird sich Geschichte nicht wiederholen.
Marcel Kunz

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