Sonntagsgedanken: Gott begegnet uns in unseren Verletzungen

Der Palmsonntag beginnt mit Jubel. Jesus zieht in Jerusalem ein, Menschen schwenken Palmzweige und rufen „Hosanna“ (Rette doch). Für einen Moment scheint alles klar: Hier kommt einer, auf den viele ihre Hoffnung setzen. So erzählt es das Evangelium nach Matthäus.

Doch dieser Jubel ist nur der Anfang einer ganz anderen Geschichte. Schon wenige Tage später endet der Weg Jesu am Kreuz. Zwischen Begeisterung und Verurteilung liegen nur wenige Tage. Der Palmsonntag erinnert daran, wie schnell sich Stimmungen ändern können – damals wie heute.

Die Karwoche, die mit diesem Sonntag beginnt, führt deshalb mitten hinein in die dunklen Seiten des Lebens. In Angst, Enttäuschung, Scheitern und Einsamkeit – Erfahrungen, die viele Menschen kennen. Oft versuchen wir, solche Seiten unseres Lebens zu überspielen. Wir funktionieren, zeigen Stärke und halten die Fassade aufrecht.

Der christliche Glaube setzt hier einen anderen Akzent: Gott bleibt nicht auf Abstand zu unserem Leben. In Jesus steigt er selbst in das Dunkel menschlicher Erfahrungen hinab.

Das ist eine überraschende Konsequenz: Wir müssen unser Leben nicht beschönigen. Wir müssen nicht so tun, als hätten wir alles im Griff. Auch Zweifel, Brüche und Schwächen gehören zum Menschsein. Wir müssen keine Masken tragen und keine Rollen spielen.

Der Palmsonntag lädt dazu ein, mutig auf das eigene Leben zu schauen. Auf das, was uns rufen lässt „Rette uns“. Gerade dort gilt: Gott ist uns näher, als wir denken. Er ist das Licht, das durch die Risse und Brüche unseres Lebens in unser Inneres scheint.

Josef Priel
Gemeindereferent Deggingen-Bad Ditzenbach

 

 

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