Das politische, historisches und aktuelle Wort zum Sonntag

Heute war ich auf einer Kundgebung gegen ein von der AfD angemietetes Büro, das sich „Demokratiezentrum Chiemgau“ nennt. Hätte ich nicht gewusst, was sich dahinter verbirgt, ich hätte nicht damit gerechnet, dass es sich um eine rechtsextreme Einrichtung handelt – und das ist das besonders gefährliche daran. Ein paar Gäste dieser Einrichtung sind sogar noch demonstrativ während der Kundgebung für die Massen deutlich sichtbar hineingegangen, was mich besonders schockiert hat, da dieses rechte Pack scheinbar keine Skrupel mehr hat, seine Gesinnung offen kundzutun. Auf der anderen Seite war ich aber froh, dass das komplette demokratische Spektrum zur Gegendemo aufrief und auch Vertreter von CSU über Bündnisse und Parteien der Mitte, einem Historiker bis hin zur Linkspartei, sehr gute Redebeiträge lieferten.
In diesem Zusammenhang passt gut, dass Ferenc Szalasi – der kurzzeitige „Führer“ Ungarns – am 12. März 1946 hingerichtet wurde. Eigentlich ist dieser Kriegsverbrecher es überhaupt nicht wert, erwähnt zu werden. Auf der anderen Seite muss es aber sein, da die Nachwelt begreifen muss, zu welchem Wahnsinn Menschen wie er und seine Schergen fähig waren. Mir fällt in der Geschichte der Menschheit keine sinnlosere Aktion als der Staatsstreich der Pfeilkreuzler ein. Am 16. Oktober 1944, als die Rote Armee bereits in Siebenbürgen stand und der Krieg für Ungarn verloren war, wollte die Regierung unter Miklos Horthy kapitulieren, um größeren Schaden für das Land abzuwenden. Leider zogen große Teile der regulären Streitkräfte nicht mit, da sie Angst hatten, unter sowjetische Knechtschaft zu geraten und stattdessen lieber der von NS-Deutschland eingesetzten Regierung der Pfeilkreuzler unter Szalasi folgten. Aus vorherigen Ereignissen in Italien oder Griechenland zeigte sich, dass häufig auch Wehrmachtseinheiten kapitulierten und so hätten Wehrmacht und ungarische Armee gegen die SS kämpfen und damit Ungarn ohne sowjetische Hilfe befreien können. Stattdessen wählte man die totale Vernichtung Ungarns und die daraus resultierende stalinistische Einflussnahme.
Bei Wikipedia fand ich dieses Bild von Ferenc Szalasi und Schergen vor Gericht:
Mein erster Gedanke: „Was für ein erbärmlicher Wicht!“ Dieses Bild sollte der Nachwelt erhalten bleiben. Ein gescheiterter Diktator, der Ungarn in den Abgrund führte und für den Tod von hunderttausenden unschuldigen Menschen verantwortlich ist und kein glorreicher Führer, der heldenhaft für sein Heimatland kämpfte.
Am 11. März 2011 ereignete sich der schwere Tsunami in Japan mit der Reaktorkatastrophe in Fukushima – das wahrscheinlich fürchterlichste Unglück im Land der aufgehenden Sonne seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Viele Menschen verloren ihr Leben und ganze Landstriche sind bis heute unbewohnbar. In Deutschland hingegen zog man positive Konsequenzen und beschleunigte den Ausstieg aus der Atomkraft. Fukushima hat der Menschheit vor Augen geführt: Atomkraft ist nicht sicher! Und gerade deshalb finde ich es unbegreiflich, dass die EU auf eine Renaissance der Kernkraft setzt. Die Frage der Endlagerung ist bis heute nicht geklärt und die Kosten dieser Technologie explodieren. Nukleare Energieerzeugung hat aller Voraussicht nach keine Zukunft und Länder, die jetzt noch einsteigen, werden ihr finanzielles Fiasko erleben. Darum müssen regenerative Energien weltweit ausgebaut werden und keine populistischen Forderungen nach neuen Kraftwerken salonfähig werden!
Final möchte ich noch auf die Kommunalwahlen in Bayern eingehen:
Gäbe es genug Fehlgeleitete, die sich flächendeckend für die AfD aufstellen lassen würden, wären sie vermutlich doppelt so stark und die CSU hätte zweistellig verloren. Sorge habe ich auch, dass es Landräte oder Oberbürgermeister von AfD-Gnaden geben könnte, da deren Kandidaten es zum Glück so gut wie nie in die Stichwahl schafften, aber mit Wahlaufrufen entsprechende Kandidaten ins Amt helfen könnten, was diese zwar nicht wollen, dem sie sich aber auch nicht entziehen können. Die Verluste der Grünen resultieren aus rechter und konservativer Hetze und liegen wohl in den seltensten Fällen an der grünen Kommunalpolitik. Der CSU haben die großen Städte den Arsch gerettet, weil sie dort fast flächendeckend zulegen konnten, während sie auf dem Land teils massiv verloren hat. Die Stichwahlen nächste Woche werden noch ein paar weitere interessante Schlüsse aufzeigen, da sich auch Personenwahlen nicht ganz von den Parteien abkoppeln lassen können.
Marcel Kunz

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