Rettungsfachkraft Alfred Brandner aus Schwäbisch Gmünd warnt vor einem schleichenden Verlust der Schwimmfähigkeit in allen Altersgruppen. Geschlossene Bäder, gekürzte Öffnungszeiten und steigende Eintrittspreise verschärfen die Lage. Für Brandner ist klar: „Schwimmbäder sind Grundversorgung – und wir sparen sie kaputt.“
Seit Jahrzehnten verbringe ich einen großen Teil meines Lebens in unseren öffentlichen Bädern. Als Rettungsfachkraft, Kampfsport‑Danträger und regelmäßiger Besucher sehe ich täglich, was Wasser für Menschen bedeutet. Und ich sage es deutlich: Was derzeit passiert, ist ein Skandal. Bäder schließen, Öffnungszeiten werden gekürzt, Eintrittspreise steigen – und die Politik schaut zu. Die Folgen betreffen längst nicht mehr nur Kinder und Jugendliche, sondern Menschen aller Altersgruppen.
Ich erlebe jeden Tag, wie wichtig Schwimmbäder für die Bevölkerung sind. Hier lernen Kinder das Schwimmen, eine Fähigkeit, die Leben retten kann. Doch auch Erwachsene, Berufstätige, Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit körperlichen Beschwerden oder hoher Stressbelastung sind auf diese Orte angewiesen. Für viele sind Schwimmbäder ein unverzichtbarer Raum für Bewegung, Gesundheit, Rehabilitation, sozialen Austausch und Lebensqualität im Alter.
Seit Jahren werden diese Einrichtungen jedoch kaputtgespart. Die Auswirkungen sehe ich deutlich: Immer mehr Kinder verlassen die Grundschule als Nichtschwimmer. Erwachsene verlieren ihre Schwimmfähigkeit, weil ihnen Übungsmöglichkeiten fehlen. Ältere Menschen verlieren ihren wichtigsten Ort für gelenkschonende Bewegung. Berufstätige finden keinen Ausgleich mehr zu Stress und Belastung. Viele Bäder sind marode oder bereits geschlossen, und Familien können sich den Eintritt kaum noch leisten. Gleichzeitig fließen Milliarden in andere Projekte, während für die Gesundheit der Bevölkerung angeblich kein Geld mehr vorhanden ist.
„Kein Wohnzimmer ersetzt ein Schwimmbad“
Ich trainiere täglich und weiß, wie wichtig Bewegung ist. Doch eines ist klar: Kein Wohnzimmer der Welt ersetzt ein Schwimmbad. Kein privater Raum bringt Kindern das Schwimmen bei. Kein Fitnessgerät bietet die gelenkschonende Bewegung, die ältere Menschen brauchen. Kein Home‑Workout schafft den sozialen Raum, den Familien, Berufstätige und Senioren im Bad finden.
Als Rettungsfachkraft weiß ich, was passiert, wenn Menschen nicht schwimmen können – unabhängig vom Alter. Ich weiß, was passiert, wenn Prävention wegfällt. Und ich weiß, wie wichtig sichere Orte für Körper und Seele sind, gerade in Zeiten von Krisen, Stress und Unsicherheit.
Schwimmbäder sind Grundversorgung
Für mich steht fest: Ein Schwimmbad ist kein Luxus. Es ist Grundversorgung. Wer hier spart, spart an der falschen Stelle – und riskiert Menschenleben.
Meine Forderungen
- Erhalt aller bestehenden Bäder mit vollem Leistungsspektrum.
- Verlässliche Schwimmkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
- Bezahlbare Eintrittspreise für Familien, Berufstätige und Rentner.
- Investitionen in Sanierung und Modernisierung statt weiterer Kürzungen.
- Anerkennung von Schwimmbädern als Gesundheits‑ und Präventionsorte für alle Generationen.
„Wir dürfen nicht schweigen“
Unsere Region braucht diese Orte – für alle Generationen. Ich spreche das aus, weil es gesagt werden muss. Und weil wir uns später nicht vorwerfen lassen dürfen, geschwiegen zu haben.
Alfred Brandner