Am 7. März 1936 besetzte die Wehrmacht das entmilitarisierte Rheinland. Dies war ein weiterer Bruch internationaler Verträge, der einfach so hingenommen wurde. Ohne Gegenwehr und ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, konnte das NS-Regime seine Macht ausbauen. Ein Jahr zuvor wurde das Saarland annektiert und wenig später sollte Österreich folgen. Bereits damals war abzusehen, wo die expansive deutsche Politik enden sollte und spätestens da hätte von Großbritannien und Frankreich Intervention erfolgen müssen. Wir wissen, wo die Entwicklung endete und wir müssen heute daraus die Konsequenzen ziehen, indem man Extremisten und Autokraten stoppt, bevor es zu spät ist.
Am 7. März 2001 verstarb überraschend meine Großmutter Alma Kunz im Alter von 72 Jahren, was mich damals sehr mitgenommen hat. Sie wurde am 5. Februar 1929 in Litauen in schwierige Verhältnisse geboren (sie redete nie über ihre Kindheit, so dass ich nur sehr wenig darüber weiß), wurde 1941 mit ihrer Großmutter Eva Hirsch „heim ins Reich“ in die Grenzmark geholt, floh mit ihr 1945 vor der heranrückenden Roten Armee in Rostock und lernte dort 1947 meinen Großvater kennen, der aus der Gefangenschaft floh. Da sie entschiedene Gegner und damit Verfolgte des DDR-Schurkenstaats waren, flohen sie alle zusammen 1953 unter Lebensgefahr in die BRD und landeten in Heidenheim. Ihre schwere Kindheit prägte sie ihr Leben lang und stets lebte sie „Geben ist seeliger denn Nehmen“. Sie hielt sich lieber im Hintergrund und war auch nicht sonderlich gesellig – vielleicht sogar ein bisschen spießig – war aber immer für ihren Mann, ihre Kinder und Enkel da – dadurch bot sie mir eine behütete und liebevolle Kindheit, die mich stark geprägt hat. Klare Strukturen, Zuverlässigkeit und Zuneigung. Menschen wie sie werden es nie in ein Geschichtsbuch schaffen oder die Weltgeschichte verändern, aber sie schaffen im Kleinen viel Gutes und daran sollten wir uns in schwierigen Zeiten orientieren.
Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg beschränke ich mich auf das, was nicht ohnehin schon in den Medien thematisiert wurde – vieles ist meine Meinung, die ich aus dem Bauch heraus äußere. Ich vermute, dass 1-2% eigentlich FDP gewählt hätten, aber diesmal CDU wählen, um einen grünen Ministerpräsidenten zu verhindern und 4-5% dies statt AfD wählen taten. So hätte die CDU im Vergleich zur letzten Wahl sogar noch ein bisschen verloren und die AfD wäre vor ihr gelandet. Ähnlich war es bei Grün-Wählern, die sonst SPD oder Linke gewählt hätten. Für die Linke und für die Demokratie ist das natürlich schade, da dem Landtag somit eine weitere, konstruktive Oppositionspartei abhandengekommen ist. Auf der anderen Seite sind die Linken aber auch selbst Schuld, weil sie halt drei junge Spitzenkandidatinnen aufgestellt haben. Man muss den Tatsachen ins Auge sehen, ob es einem passt oder nicht: Die Mehrheit der Bevölkerung wählt alte, weiße Männer und nur so gewinnt man Wahlen – und Cem Özdemir gehört mittlerweile halt zu dieser Gruppe. Er ist ein pragmatischer Schwabe der Mitte, der bis tief ins konservative Klientel eindringt, aber im Gegensatz zu Winfried Kretschmann noch ein echt grünes Profil hat. Ich hoffe, dass das Konzept Cem auch in anderen grünen Landesverbänden Schule macht, denn nur so können die Grünen zu alter Stärke zurückfinden. Grün-schwarz ist die einzig mögliche Koalition ohne Beteiligung der AfD und darauf muss es herauslaufen; damit ist die einzige nicht autokrate Opposition die SPD mit 5,5%, was aus demokratischer Sicht auch schwierig ist. Interessant ist zudem, dass die Grünen in großen Städten stark zugelegt, während sie auf dem Land teils massiv verloren haben. Warum das so ist, weiß ich nicht, sollte aber zu denken geben.
Marcel Kunz