Sonntagsgedanken: „Darstellung des Herrn“

Am Montag feiert die katholische Kirche, 40 Tage nach Weihnachten, das Fest der „Darstellung des Herrn“. Die Eltern Jesu bringen den kleinen Jesus in den Tempel, wo er zwei alten Menschen, Simeon und Hanna, begegnet. Uns ist das Fest noch geläufiger unter dem Namen „Mariä Lichtmess“. Die Ostkirche nennt diesen Tag „Fest der Begegnung“. „Lichtmess – bei Tag ess“, so heißt eine alte Bauernregel und wir merken es ja, die Tage werden wieder länger. Seit Beginn des 5. Jahrhunderts feiern die Christen diesen Tag in Jerusalem. Mit brennenden Kerzen bilden sie eine Lichterprozession und ziehen mit Musik und Gesang in ihr Gotteshaus. Dort hören sie die Geschichte von der Darstellung Jesu im Tempel. Ein Ereignis, das sich täglich im Tempelbezirk wiederholte und nichts Aufsehenerregendes an sich hatte.

Nur die beiden Alten, Hanna und Simeon, die durch ihr langes Leben erfahren haben, was wirklich trägt, haben sich einen Blick bewahrt für die Sensation des Unscheinbaren. Sie hatten noch einen Blick für die Zukunft. So stelle ich mir die beiden vor: Erfahrungssatt, gebeutelt von Schicksalsschlägen, aber nicht resigniert. Das Leben hat ihnen oft mitgespielt. Von Simeon heißt es, dass er fromm und gerecht war und auf die Rettung Israels wartete. Trotz seines Frommseins, trotz seiner Gerechtigkeitsliebe, die ihn immer wieder Rückschläge erleben ließ, hat er sich den Traum einer besseren Welt, für die er kämpfte, noch nicht abgeschminkt: Trotz vieler Enttäuschungen hatte er nicht aufgehört zu hoffen. Zwei Menschen also, die noch nicht mit dem Leben abgeschlossen haben, sondern die offen sind für die sie verwandelnde Begegnung.

Zwei Aspekte möchte ich für dieses Fest herausgreifen. Das Fest wird mit dem Symbol des Lichtes gefeiert. Wenn wir vom Licht reden kann man damit unterschiedliches meinen: Für den Physiker ist es eine im leeren Raum mit Lichtgeschwindigkeit sich geradlinig ausbreitende Strahlung, der Biologe sieht in ihm die Zufuhr von Strahlungsenergie, die für Lebewesen notwendig ist. Und was sagen wir über das Licht? Wir reden nicht viel vom Licht. Es ist für uns eigentlich so selbstverständlich, dass die Sonne scheint, dass wir das Licht am Lichtschalter anmachen wann immer wir es brauchen. Ans Licht denken wir erst dann, wenn der Strom ausfällt, so wie vor kurzem in Berlin, wo es dann einfach dunkel geblieben ist und viele Menschen hilflos waren. Ohne Licht gibt es keine Natur und ohne Licht können wir nicht leben. Jesus kam als Licht in die Welt und was das heißt, hat er uns selbst vorgelebt. Menschen bekamen das zu spüren, vor allem die Armen, die Kranken, die Verachteten und Ausgestoßenen. Jesus hat ja gesagt, dass auch wir Licht in die Welt tragen sollen. Wir sollen Licht sein, da wo wir leben und arbeiten und unsere Freizeit verbringen, überall dort, wo Menschen auf Verständnis warten, wo sie sich nach Angenommen-Sein, nach Wärme und Liebe sehnen. Aber – und das ist das Wichtigste: Ich muss etwas von mir abgeben, so wie auch eine Kerze Licht abgibt um die Dunkelheit zu erhellen.  Diese Erfahrung machen gerade viele Menschen die die Vesperkiche besuchen. Sehr viele Menschen geben hier etwas von sich, indem sie mithelfen und so für andere zum Licht werden. Für die Organisation und das große Engagement dürfen wir dankbar sein.  Hier wird der zweite Aspekt deutlich, wie Begegnungen immer wieder neu auch das Leben verändern können. Hier kommen Menschen miteinander ins Gespräch, teilen sich anderen mit und geben einander Hoffnung, blicken miteinander nach vorne. Begegnungsfähigkeit, Fähigkeit zum Aufbruch, daran lassen sich Spuren von Gottes Gegenwart entdecken. Wer dazu bereit ist, macht Lichterfahrungen, so wie Hanna und Simeon, die ein Leben lang warteten und vertrauten und in der Begegnung mit dem kleinen Jesus gespürt haben, dass ihre Sehnsucht erfüllt wird.

Dass wir immer wieder gute Begegnungen haben und Lichterfahrungen machen können und sie nicht für uns behalten, sondern sie auch an andere weitergeben, wünsche ich uns.

 

Winfried Hierlemann

Pfr. i.R. Süßen

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