Hartmannbund: Null Toleranz gegenüber Machtmissbrauch im Gesundheitswesen

Machtmissbrauch, sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Grenzverletzungen dürfen im Gesundheitswesen keinen Platz haben. Mit einem gemeinsamen Beschluss der Landesdelegiertenversammlungen in Würzburg haben die Landesverbände Baden-Württemberg und Bayern des Hartmannbundes ein deutliches Zeichen für eine Kultur des Respekts, der Verantwortung und des gegenseitigen Vertrauens gesetzt. Der Antrag „Haltung zeigen. Betroffene schützen. Machtmissbrauch beenden.“ fordert verbindliche Schutzstrukturen, unabhängige Beschwerdewege, wirksame Prävention und eine Führungskultur, die Verantwortung übernimmt, ohne rechtsstaatliche Grundsätze aus dem Blick zu verlieren.

Im Mittelpunkt stehen dabei die besonderen Abhängigkeitsverhältnisse im Medizinstudium, in der ärztlichen Weiterbildung sowie in Wissenschaft, Klinik und Praxis. Klare Führungsstrukturen sind für Ausbildung, Supervision und Patientenversorgung unverzichtbar. Sie dürfen jedoch niemals dazu führen, dass persönliche Abhängigkeiten ausgenutzt oder Grenzüberschreitungen aus Angst vor beruflichen Nachteilen verschwiegen werden.

Klaus Rinkel, Landesvorsitzender des Hartmannbundes Baden-Württemberg, erklärt: „Medizin lebt vom Vertrauen – zwischen Patientinnen und Patienten, aber auch innerhalb der Teams. Dieses Vertrauen setzt voraus, dass Macht verantwortungsvoll ausgeübt wird. Gerade dort, wo Menschen auf Beurteilungen, Weiterbildungsbefugnisse oder Vertragsverlängerungen angewiesen sind, braucht es klare Schutzmechanismen. Betroffene müssen sicher sein können, dass sie Unterstützung erhalten, ohne Nachteile für ihre berufliche Entwicklung befürchten zu müssen.“

Rinkel betont zugleich die Bedeutung rechtsstaatlicher Verfahren:

„Null Toleranz bedeutet nicht Vorverurteilung. Sie bedeutet, Fehlverhalten konsequent ernst zu nehmen, Betroffene wirksam zu schützen und zugleich faire, transparente und rechtsstaatliche Verfahren für alle Beteiligten sicherzustellen. Nur diese Balance schafft dauerhaft Vertrauen.“

Wolfgang Gradel, Landesvorsitzender des Hartmannbundes Bayern, ergänzt:

„Führung im Gesundheitswesen bedeutet weit mehr als fachliche Kompetenz. Sie verlangt Respekt, Integrität und Verantwortung. Prävention von Machtmissbrauch, professionelles Führungsverhalten und ein wertschätzender Umgang müssen deshalb selbstverständlicher Bestandteil der Aus- und Weiterbildung sowie der Qualifizierung von Führungskräften sein.“

Nach Auffassung der beiden Landesverbände gehören unabhängige und vertrauliche Meldestellen, wirksamer Schutz vor Repressalien, verbindliche Schutzkonzepte sowie transparente Verhaltensregeln künftig zum Standard in Krankenhäusern, Praxen, medizinischen Fakultäten und ärztlichen Körperschaften. Auch bei Kongressen, Delegiertenversammlungen und anderen ärztlichen Veranstaltungen sollen klare Verhaltenskodizes und Vertrauenspersonen selbstverständlich werden.

Mit ihrem Beschluss unterstreichen die Landesverbände, dass der Schutz vor Machtmissbrauch kein Randthema, sondern eine Grundvoraussetzung für gute Arbeitsbedingungen, erfolgreiche Weiterbildung, Patientensicherheit und die Attraktivität des ärztlichen Berufs ist. Eine Kultur des Respekts entsteht nicht durch Appelle allein, sondern durch klare Verantwortlichkeiten, verlässliche Strukturen und den gemeinsamen Willen, Fehlverhalten konsequent entgegenzutreten.

Der Hartmannbund – Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V. vertritt als freier Verband die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen aller Ärzt:innen, Zahnärzt:innen und Medizinstudierenden in Deutschland – unabhängig vom Fachgebiet, ob niedergelassen, angestellt oder im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig. Frei und unabhängig, auf Bundes- und Länderebene, in Politik, Selbstverwaltung und der Öffentlichkeit.

 

PM Hartmannbund – Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e. V.

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