Nach drei Warnstreikrunden mit insgesamt bis zu sechs Streiktagen hat ver.di Baden-Württemberg in der dritten Verhandlungsrunde für die vier Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm gestern am späten Abend einen Verhandlungsstand erreicht. Der Kompromiss mit dem Arbeitgeberverband (AGU), von dem rund 26.000 Beschäftigte direkt betroffen sind, sieht Entgeltsteigerungen von 5,4 Prozent vor. Außerdem konnte die Gewerkschaft durchsetzen, dass der von den Arbeitgebern nach dem ersten von insgesamt sechs Streiktagen gekündigte Tarifvertrag für Rationalisierungsschutz wieder in Kraft gesetzt werden soll.
Jakob Becker, ver.di Verhandlungsführer: „In sehr harten und schwierigen Verhandlungen ist es uns gelungen, für die 26.000 Beschäftigten an den vier Unikliniken prozentualen Steigerungen zu erkämpfen, mit denen das Niveau innerhalb der Branche erhalten bleibt. Dies ist angesichts des massiven Gegenwinds durch die drohende GKV-Reform ein wichtiger Meilenstein: Kämpferische Tarifpolitik sticht schlechte Gesundheitspolitik. Die Beschäftigten an den Häusern in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm hätten für ihre täglichen Spitzenleistungen dennoch mehr verdient.“
Der Verhandlungsstand im Einzelnen:
Laufzeit 27 Monate bis 31. Juli 2028;
ab 1. Oktober 2026: +2,8 Prozent, mindestens 100 Euro;
ab 1. Dezember 2027: +1,3 Prozent;
ab 1. Juli 2028: +1,3 Prozent.
Azubis:
ab 1. Oktober 2026: +60 Euro;
ab 1. Dezember 2027: +30 Euro;
ab 1. Juli 2028: +30 Euro.
Der Tarifvertrag zum Rationalisierungsschutz wird wieder in Kraft gesetzt mit einer Verhandlungszusage für 2026.
Eine Erhöhung der Jahressonderzahlung nach Krankheitstagen konnte ver.di verhindern, ebenso wie eine freiwillige individuelle Option auf eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 45 Stunden.
Außerdem gibt es eine Verhandlungszusage zur Entgeltordnung, um bei einzelnen Berufsgruppen nachzubessern.
Becker: „Wir konnten die von den Arbeitgebern angestrebte Laufzeit von 32 Monaten noch um fünf Monate verkürzen. Dies war nur möglich aufgrund einer breiten Streikbewegung in den letzten Wochen. Die kürzere Laufzeit, eine soziale Komponente und der Erhalt der Rationalisierungsschutzregelungen bei Personalabbau, sind angesichts der erheblichen Bedrohungen für die Beschäftigten durch die GKV-Reform auf der Haben-Seite.“
Die große ver.di Tarifkommission hat heute diesen Verhandlungsstand kontrovers diskutiert und sich dazu entschieden, mit den Mitgliedern vor Ort in den Austausch über den Kompromiss zugehen. Dazu finden am 13./14. Juli vor Ort Versammlungen der Aktiven und Teamdelegierten der vier Standorte statt. Im Anschluss gibt es bis 23. Juli eine Befragung unter den ver.di Mitgliedern. Die Tarifkommission empfiehlt beim Abwägen aller Argumente und Spielräume die Annahme.
Becker: „Die ver.di Mitglieder sind nun in der Verantwortung darüber zu entscheiden, ob der Verhandlungsstand angenommen wird.
Die finale Entscheidung trifft nach der Mitgliederbefragung die Tarifkommission.
Die erste Verhandlungsrunde war am 6. Mai, der jeweils eintägige erste Warnstreik am 18. Mai in Ulm und an den anderen drei Standorten am 19. Mai. Ein zweiter zweitägiger Warnstreik war am 15. und 16. Juni vor der zweiten Runde. Eine dritte Warnstreikrunde fand vom 6. bis 8. Juli statt.
Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg