Auch am zweiten Streiktag an den vier Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm haben heute 1.800 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. In Freiburg und Ulm wird der Warnstreik auch morgen parallel zur dritten und vorerst letzten Verhandlungsrunde fortgesetzt. Kundgebungen und Demos sind zur Stunde in Freiburg, Heidelberg und Tübingen. Unmittelbar vor dem Beginn der Verhandlungen findet am Mittwoch noch eine Kundgebung mit Streikdelegationen in Stuttgart statt.
Maike Schollenberger, ver.di Landesbezirksleiterin, sagte auf der Kundgebung in Tübingen: „Die Uniklinik-Arbeitgeber wollen eine geringere Erhöhung der Jahressonderzahlung für Beschäftigte mit Krankheitstagen, die Bundesregierung eine Krankmeldung ab dem ersten Tag. Was Politik und Arbeitgeber eint, ist ein inzwischen diffamierender Blick auf die Arbeitsmoral der Kolleginnen und Kollegen im Land. Die Unikliniken könnten schließen ohne ihr engagiertes Personal. Morgen erwarten wir mehr Respekt und ein anständiges Angebot.“
Ein Schwerpunkt der heutigen Demos und Kundgebungen waren Aktionen der Jugend und der Azubis.
Jule Schmies, ver.di Baden-Württemberg: „Ein großer Teil der Azubi-Vergütungen geht direkt an die Vermieter ihrer teuren Zimmer in den Universitätsstädten oder sie haben Wohnheimplätze in teilweise sehr schlechten Zuständen. Die jungen Kolleginnen und Kollegen bringen jeden Tag Spitzenleistungen in den Unikliniken, neben ihrer Ausbildung, und sie leiden am meisten unter den steigenden Preisen.“
Am Mittwoch Vormittag werden Delegationen von Streikenden zum Verhandlungslokal nach Stuttgart kommen.
ver.di ruft zum dritten Mal in der laufenden Runde zum Warnstreik auf, weil der Arbeitgeberverband (AGU) der vier Unikliniken bisher auf einem Abschluss mit Reallohnverlusten sowie weiteren Verschlechterungen besteht.
Freiburg:
Dienstag 11:30 Demo ab Hörsaal Killianstraße in die Innenstadt zum Augustinerplatz, dort Kundgebung gegen 12:30 Uhr mit ver.di Verhandlungsführer Jakob Becker.
Heidelberg:
Dienstag Demo ab 9:30 Uhr Alte Chirurgie INF 110 in die Innenstadt, Abschlusskundgebung am Universitätsplatz gegen 10:30 Uhr.
Tübingen:
Dienstag Demonstration 11 Uhr, Start am Kasino auf dem Berg. Demo in die Innenstadt. Kundgebung auf dem Holzmarkt gegen 12:30 mit ver.di Landesbezirksleiterin Maike Schollenberger.
Ulm:
Streikversammlung im Gewerkschaftshaus.
Stuttgart am Mittwoch:
Kundgebung mit Streikdelegationen aus allen vier Standorten direkt vor dem Mövenpick Hotel Airport (Flughafenstraße 50, 70629 Stuttgart) ab ca. 10:30 Uhr vor den Verhandlungen, die um 11 Uhr beginnen. Zu der Kundgebung werden auch Arbeitgeber-Vertreter:innen erwartet.
Weitere Informationen:
Das Angebot der Unikliniken vom 17. Juni sieht nach acht tabellarischen Leermonaten mit einer Einmalzahlung von 400 Euro eine Steigerung um 2,5 Prozent ab Januar 2027 sowie weitere 1,25 Prozent ab Dezember 2027 und ein Prozent ab Dezember 2028 bei einer Laufzeit von 32 Monaten bis Ende 2028 vor. Eine soziale Komponente mit Mindestbetrag lehnen sie ab. Außerdem wollen die Unikliniken die Jahressonderzahlung um eine flexible Komponente erhöhen, die sich individuell ab dem ersten Krankheitstag pro Jahr reduziert. Bei den Auszubildenden entsprechen die Prozentwerte am Ende der Laufzeit Erhöhungen zwischen 57 und 74 Euro. Die AGU hatte außerdem im Mai den Rationalisierungsschutz-Tarifvertrag gekündigt.
Die Arbeitgeber wollen weiter die Möglichkeit schaffen, die individuelle Arbeitszeit auf maximal 45 Stunden die Woche zu erhöhen.
Auf der Grundlage einer Beschäftigten-Befragung, an der über 3.000 Kolleg:innen teilgenommen haben, hat die ver.di-Tarifkommission folgende Forderungen beschlossen:
7,5 Prozent, mindestens 320 Euro mehr im Monat für die Beschäftigten und 250 Euro mehr im Monat für Auszubildende und Praktikant:innen, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende soll es einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets geben. Um bei der Eingruppierung an andere Tarifverträge anschlussfähig zu sein, erwartet ver.di eine Verhandlungszusage, um im Nachgang der Tarifrunde über die höhere Eingruppierung bestimmter Berufsgruppen zu verhandeln.
Die erste Verhandlungsrunde war am 6. Mai, der jeweils eintägige erste Warnstreik am 18. Mai in Ulm und an den anderen drei Standorten am 19. Mai. Ein zweiter zweitägiger Warnstreik war am 15. und 16. Juni vor der zweiten Runde. Weitere Verhandlungstermine sind nicht vereinbart.
Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg