Warnstreik an Unikliniken hat begonnen – Mittwoch entscheidende Verhandlungsrunde

Vor der dritten und vorerst letzten Verhandlungsrunde am 8. Juli hat ver.di Baden-Württemberg wie angekündigt mit Beginn der Frühschicht an den vier Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm zu einem zwei- bis dreitägigen Warnstreik aufgerufen (Freiburg und Ulm dreitägig). In den vier Kliniken sind wieder zahlreiche OPs geschlossen, die sichere Versorgung der Patient:innen ist über Notdienstvereinbarungen gewährleistet. Rund 1.800 Beschäftigte sind im Ausstand.

Jakob Becker, ver.di Verhandlungsführer: „Wir stehen vor einer wegweisenden Woche für die Qualität der Krankenhausversorgung: In Berlin entscheidet der Bundestag am Freitag, ob die GKV-Reform auf dem Rücken der Klinikbeschäftigten durchgedrückt wird. Und in Stuttgart entscheidet sich, ob Klinikarbeitgeber gemeinsam mit uns ein Zeichen gegen eine falsche Gesundheitspolitik setzen oder ob sie lieber den Druck von oben nach unten weiterreichen. Wir streiken bis zu den Verhandlungen am Mittwoch, um klar zu signalisieren: Für eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen stehen wir nicht zur Verfügung. Egal, was in Berlin passiert.

Wir wissen, dass diese drei Streiktage Belastungen für Patientinnen und Patienten bedeuten. Aber: Setzen sich Arbeitgeber und Politik mit ihren Vorstellungen durch, wird die Versorgung 365 Tage im Jahr schlechter.“

Am Mittwoch Vormittag werden Delegationen von Streikenden zum Verhandlungslokal nach Stuttgart kommen.

ver.di ruft zum dritten Mal in der laufenden Runde zum Warnstreik auf, weil der Arbeitgeberverband (AGU) der vier Unikliniken bisher auf einem Abschluss mit Reallohnverlusten sowie weiteren Verschlechterungen besteht.

Freiburg:
Montag Kundgebung vor dem HNO Hörsaal Killianstraße um 13 Uhr mit Landtagsabgeordneten.
Dienstag 11:30 Demo ab Hörsaal Killianstraße in die Innenstadt zum Augustinerplatz, dort Kundgebung gegen 12:30 Uhr mit ver.di Verhandlungsführer Jakob Becker.

Heidelberg:
Montag Streikversammlung Alte Chirurgie INF 110.
Dienstag Demo ab 9:30 Uhr Alte Chirurgie INF 110 in die Innenstadt, Abschlusskundgebung am Universitätsplatz gegen 10:30 Uhr.

Tübingen:
Montag Kundgebung 12 Uhr vor dem Kasino auf dem Berg.
Dienstag Demonstration 11 Uhr, Start am Kasino auf dem Berg. Demo in die Innenstadt. Kundgebung auf dem Holzmarkt gegen 12:30 mit ver.di Landesbezirksleiterin Maike Schollenberger.

Ulm:
An beiden Tagen Streikversammlung im Gewerkschaftshaus.

Stuttgart am Mittwoch:
Kundgebung mit Streikdelegationen aus allen vier Standorten direkt vor dem Mövenpick Hotel Airport (Flughafenstraße 50, 70629 Stuttgart) ab ca. 10:30 Uhr vor den Verhandlungen, die um 11 Uhr beginnen. Zu der Kundgebung werden auch Arbeitgeber-Vertreter:innen erwartet.

Weitere Informationen:

Das Angebot der Unikliniken vom 17. Juni sieht nach acht tabellarischen Leermonaten mit einer Einmalzahlung von 400 Euro eine Steigerung um 2,5 Prozent ab Januar 2027 sowie weitere 1,25 Prozent ab Dezember 2027 und ein Prozent ab Dezember 2028 bei einer Laufzeit von 32 Monaten bis Ende 2028 vor. Eine soziale Komponente mit Mindestbetrag lehnen sie ab. Außerdem wollen die Unikliniken die Jahressonderzahlung um eine flexible Komponente erhöhen, die sich individuell ab dem ersten Krankheitstag pro Jahr reduziert. Bei den Auszubildenden entsprechen die Prozentwerte am Ende der Laufzeit Erhöhungen zwischen 57 und 74 Euro. Die AGU hatte außerdem im Mai den Rationalisierungsschutz-Tarifvertrag gekündigt.

Die Arbeitgeber wollen weiter die Möglichkeit schaffen, die individuelle Arbeitszeit auf maximal 45 Stunden die Woche zu erhöhen.

Auf der Grundlage einer Beschäftigten-Befragung, an der über 3.000 Kolleg:innen teilgenommen haben, hat die ver.di-Tarifkommission folgende Forderungen beschlossen:

7,5 Prozent, mindestens 320 Euro mehr im Monat für die Beschäftigten und 250 Euro mehr im Monat für Auszubildende und Praktikant:innen, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende soll es einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets geben. Um bei der Eingruppierung an andere Tarifverträge anschlussfähig zu sein, erwartet ver.di eine Verhandlungszusage, um im Nachgang der Tarifrunde über die höhere Eingruppierung bestimmter Berufsgruppen zu verhandeln.

Die erste Verhandlungsrunde war am 6. Mai, der jeweils eintägige erste Warnstreik am 18. Mai in Ulm und an den anderen drei Standorten am 19. Mai. Ein zweiter zweitägiger Warnstreik war am 15. und 16. Juni vor der zweiten Runde. Weitere Verhandlungstermine sind nicht vereinbart.

Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

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