Auch die zweite Verhandlungsrunde mit den vier Unikliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm ist heute ohne Ergebnis beendet worden. Der Arbeitgeberverband (AGU) legte zwar ein erstes Angebot vor, das die Verhandlungskommission von ver.di aber klar zurückgewiesen hat. An einem zweitägigen Warnstreik am Montag und Dienstag unmittelbar vor den Verhandlungen hatten diese Woche bis zu 1.600 Beschäftigte teilgenommen.
Das Angebot der Unikliniken sieht nach acht tabellarischen Leermonaten mit einer Einmalzahlung von 400 Euro eine Steigerung um 2,5 Prozent ab Januar 2027 sowie weitere 1,25 Prozent ab Dezember 2027 und ein Prozent ab Dezember 2028 bei einer Laufzeit von 32 Monaten bis Ende 2028 vor. Eine soziale Komponente mit Mindestbetrag lehnen sie ab. Außerdem wollen die Unikliniken die Jahressonderzahlung um eine flexible Komponente erhöhen, die sich individuell ab dem ersten Krankheitstag pro Jahr reduziert. Bei den Auszubildenden entsprechen die Prozentwerte am Ende der Laufzeit Erhöhungen zwischen 57 und 74 Euro. Die AGU hatte außerdem im Mai den Rationalisierungsschutz-Tarifvertrag gekündigt.
Jakob Becker, ver.di Verhandlungsführer: „Dieses Angebots-Paket aus programmierten Reallohnverlusten und künftig Null Schutz bei geplantem Personalabbau ist schwer zu verdauen. Damit würden die landeseigenen Unikliniken beim Volumen weit unter dem Länderabschluss vom Frühjahr und meilenweit hinter den 3,5 Prozent, die die Landtagsabgeordneten erhalten, zurückbleiben. Besonders irritierend ist, dass Krankenhausarbeitgeber ihren Beschäftigten Anreize setzen wollen, auch krank und ansteckend am Arbeitsplatz und bei der Pflege am Bett zu erscheinen. Wir werden nicht zulassen, dass die Beschäftigten eine falsche Gesundheitspolitik ausbaden müssen.“
Die Arbeitgeber wollen weiter die Möglichkeit schaffen, die individuelle Arbeitszeit auf maximal 45 Stunden die Woche zu erhöhen.
Becker: „Eine 45 Stundenwoche im Krankenhaus ist ein absolutes No-Go.“
Auf der Grundlage einer Beschäftigten-Befragung, an der über 3.000 Kolleg:innen teilgenommen haben, hat die ver.di-Tarifkommission folgende Forderungen beschlossen:
7,5 Prozent, mindestens 320 Euro mehr im Monat für die Beschäftigten und 250 Euro mehr im Monat für Auszubildende und Praktikant:innen, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende soll es einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets geben. Um bei der Eingruppierung an andere Tarifverträge anschlussfähig zu sein, erwartet ver.di eine Verhandlungszusage, um im Nachgang der Tarifrunde über die höhere Eingruppierung bestimmter Berufsgruppen zu verhandeln.
Die erste Verhandlungsrunde war am 6. Mai, der jeweils eintägige erste Warnstreik am 18. Mai in Ulm und an den anderen drei Standorten am 19. Mai. Ein zweiter zweitägiger Warnstreik war am 15. und 16. Juni. Eine dritte Verhandlungsrunde ist für den 8. Juli vereinbart.
Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg