Auf Grundlage einer Befragung, an der sich über 3.000 Beschäftigte der vier Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm beteiligt haben, startet ver.di Baden-Württemberg mit einer Forderung von 7,5 Prozent, mindestens 320 Euro in die Entgeltrunde 2026. Die Verhandlungen beginnen am 6. Mai in Stuttgart. Die Diskussionen bei der Forderungsfindung waren stark geprägt von der inzwischen auf 2,9 Prozent angestiegenen Inflation und der Erwartung, dass die gestiegenen Spritpreise demnächst im Gemüseregal ankommen.
Jakob Becker, ver.di Verhandlungsführer: „In den Kliniken, wo die allermeisten Beschäftigten Homeoffice nur vom Hören-Sagen kennen, braucht es dringend dauerhafte finanzielle Entlastungen für steigende Mobilitätskosten. Dazu gehören zwingend ein hoher Mindestbetrag für die schmaleren Einkommen sowie ein Deutschlandticket für die Azubis. Mit der Tarifrunde 2026 wollen wir stabile und gute Arbeitsbedingungen in der Spitzenmedizin im Land sichern.“
Die geplante GKV-Reform wird die Beschäftigten massiv belasten: Die volle Refinanzierung von Tariferhöhungen und des Pflegepersonals am Bett soll gestrichen werden. Wenn das so kommt, drohen Personalabbau, Berufsflucht und eine schlechtere Versorgung.
Maike Schollenberger, ver.di Landesbezirksleiterin: „Der letzte Woche von der Bundesregierung eingebrachte Gesetzentwurf zur Beitragssatzstabilisierung wird die Arbeitsbedingungen erheblich destabilisieren. Wir fordern die neue Landesregierung auf, auch als Eigentümerin der Unikliniken, mit uns und den anderen Kliniken im Land die geplanten Einschnitte noch zu verhindern. Eines ist klar: Wir werden wegen einer falschen Gesundheitspolitik nicht auf richtige Tarifpolitik verzichten.“
Zusätzlich belastet werden die Beschäftigten in Freiburg durch den Sparkurs der dortigen Uniklinik, die bis 2028 350 Vollzeitstellen abschaffen will.
Becker: „55 Prozent der Beschäftigten in Freiburg sind schon heute häufig überlastet oder arbeiten ständig über ihren Grenzen. Der angekündigte Personalabbau wird das Fass der Belastungen zum Überlaufen bringen.“
Auf der Grundlage der Beschäftigten-Befragung hat die ver.di-Tarifkommission folgende Forderungen beschlossen:
7,5 Prozent, mindestens 320 Euro mehr im Monat für die Beschäftigten und 250 Euro mehr im Monat für Auszubildende und Praktikant:innen, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende soll es einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets geben. Um bei der Eingruppierung an andere Tarifverträge anschlussfähig zu sein, fordert ver.di eine Verhandlungszusage, um im Nachgang der Tarifrunde über die höhere Eingruppierung bestimmter Berufsgruppen zu verhandeln.
Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg