Teilzeitausbildung – ein Erfolgsmodell in Baden-Württemberg

Der Europäische Sozialfonds würdigt strategische Bedeutung des Konzepts – Teilzeitausbildung fördert Fachkräftesicherung, Geschlechtergerechtigkeit und Armutsbekämpfung.

Die Teilzeitausbildung ist ein Erfolgsmodell in Baden-Württemberg. Sie bietet Unternehmen einerseits ein attraktives und zukunftsfähiges Instrument zur Gewinnung von motivierten und engagierten Auszubildenden, andererseits ist sie eine Maßnahme zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
„Das innovative Modell Teilzeitausbildung ermöglicht einen Zugang zum Arbeitsmarkt auch für Personen, die durch individuelle Lebensumstände wie familiäre Verpflichtungen, das Erlernen der deutschen Sprache oder gesundheitliche Einschränkungen keine Ausbildung in Vollzeit absolvieren
können“, sagte Ulrike Sammet, Geschäftsführerin des Netzwerks Teilzeitausbildung, der Koordinationsstelle der Teilzeitausbildung in Baden-Württemberg.

Seit dem Jahr 2012 fördert der Europäische Sozialfonds (ESF) zusammen mit dem Land die Teilzeitausbildung in Baden-Württemberg – aktuell an 25 Standorten im Land. In den vergangenen sieben Jahren konnte dadurch die Teilzeitausbildung mit rund zehn Millionen Euro aus ESF- und Landesmitteln unterstützt werden. Aufgrund des erfolgreichen Konzepts und der Umsetzung wurde die Teilzeitausbildung in Baden-Württemberg vom Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) als „Vorhaben von strategischer Bedeutung“ ausgewählt. Diese besondere Bedeutung unterstrich auch Leonie Dirks, Amtschefin des Mi-
nisteriums für Soziales, Gesundheit und Integration anlässlich der Online-Veranstaltung „Teilzeitausbildung als Erfolgsmodell und als Vorhaben strategischer Bedeutung des Europäischen Sozialfonds Plus in Baden-Württemberg“ am 15.11.2022.

„Teilzeitausbildung vereint die Themen Fachkräftesicherung, Geschlechtergerechtigkeit und Armutsbekämpfung auf vorbildliche Weise. Sie ist eine Maßnahme, welche beispielhaft und besonders wirkungsvoll zu einem sozialeren und inklusiveren Europa beiträgt“, so Leonie Dirks.
Auch elf Auszubildende nahmen an der virtuellen Veranstaltung teil. Diese berichteten aus erster Hand von ihren Erfahrungen mit der Teilzeitausbildung. PD Dr. Christina Boll, Leiterin der Abteilung Familie und Familienpolitik des Deutschen Jugendinstituts, ging in ihrem Vortrag auf die besondere Bedeutung der
Erwerbsarbeit für Menschen mit Familienverantwortung ein. Sie betonte „Um Familieneinkommen armutsfest zu machen, braucht es eine substanzielle Erwerbseinbindung von Eltern, die eine gute Qualifika-
tion voraussetzt. Die Teilzeitausbildung ist daher eine tolle Chance für Menschen mit Familienaufgaben, ihre berufliche Karriere zu gestalten und zugleich eine Möglichkeit für die Gesellschaft als Ganzes, dem Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen.“

Weitere Informationen

Netzwerk Teilzeitausbildung Baden-Württemberg
Das Netzwerk Teilzeitausbildung Baden-Württemberg wurde von der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit Akteurinnen und Akteuren im Arbeitsfeld der Teilzeitausbildung im Dezember 2011 gegründet. Zu den Mitgliedern zählen rund 100 verschiedene Einrichtungen und Organisationen wie Berufsbildungsträger, Jobcenter, Kammern, Agenturen für Arbeit, Kontakt- und Beratungsstellen, Verbände, Gewerkschaften, Behörden und Verwaltungen. Durch dieses breite Bündnis wird die Umsetzung der Teilzeitausbildung auf Landesebene gefördert und verbreitert.
Teilzeitausbildung
Seit dem 1. Januar 2020 ist die Teilzeitausbildung für alle Personengruppen in allen anerkannten Berufen des dualen Ausbildungssystems möglich. Voraussetzung dafür ist, dass das auszubildende Unternehmen einverstanden ist.

Teilzeit-Ausbildungsmodelle sind u. a. für Personen geeignet, die
im familiären Umfeld Erziehungs- und Pflegeverpflichtungen wahrnehmen,
an psychischen und physischen Erkrankungen leiden,
sich im Ehrenamt engagieren,
einen Migrations- und/oder Fluchthintergrund haben, oder
eine Position im Spitzensport bekleidet.

Dabei profitieren nicht nur diese Personengruppen von der Möglichkeit einer Teilzeitausbildung, sondern auch die Unternehmerinnen und Unternehmer. Diese erhalten die Chance, neue Zielgruppen für eine Ausbildung zu gewinnen und dadurch dem zunehmenden Fachkräftemangel im eigenen Unternehmen
entgegenzuwirken.

Europäischer Sozialfonds Plus – Förderperiode 2021-2027
Der Europäische Sozialfonds ist das wichtigste Finanzierungs- und Förderinstrument der Europäischen Union (EU) für Investitionen in Menschen. Er zielt darauf ab, die Beschäftigungs- und Bildungschancen in der EU zu verbessern. Dafür stellt der ESF den Mitgliedstaaten bereits seit 1957 Mittel zur Verfügung. Die aktuelle Förderperiode des ESF läuft von 2021 bis 2027 unter dem Programmnamen ESF Plus. Im Rahmen dieses Programms hat die EU die zentrale Förderlinie „Teilzeitausbildung für Alleinerziehende, Mütter mit Kindern in Bedarfsgemeinschaften und Pflegende“ im Förderbereich Arbeit & Soziales in Baden-Württemberg als Vorhaben von strategischer Bedeutung ausgewählt. Die Förderlinie vereint die verschiedenen Förderziele des ESF Plus: Zugang zu Beschäftigung, Fachkräftesicherung sowie Armutsbekämpfung. Gleichzeitig fördert die Teilzeitausbildung die Erprobung und Verbreitung eines innovativen Konzepts. Zudem hat sich die Teilzeitausbildung bereits in den vergangenen Jahren als erfolgreiche ESF-Förderlinie bewährt. Nicht zuletzt ist die Vernetzung unter den Trägern über das Netzwerk Teilzeitausbildung und die Vielzahl an Angeboten des Netzwerks beispielhaft.

PM

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