Mit einem Nationalen Aktionsplan will die Sportministerkonferenz den Kinder- und Jugendsport in Deutschland stärken. Weitere Themen der Beratungen in Konstanz waren die Fußballausbildung und die deutsche Olympiabewerbung.

Im Mittelpunkt der Beratungen der 54. Sportministerkonferenz in Konstanz am 15. und 16. Oktober standen die Förderung des Kinder- und Jugendsports, neue Ansätze für die Ausbildung junger Fußballerinnen und Fußballer sowie die deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Unter dem Vorsitz der baden-württembergischen Sportministerin Theresa Schopper haben sich die Länder auf gemeinsame Schritte verständigt.
Ein zentrales Ergebnis der Konferenz ist die Verabschiedung von Eckpunkten für einen Nationalen Aktionsplan zur Förderung des Kinder- und Jugendsports (PDF). Damit sollen Sport, Spiel und Bewegung für alle Kinder und Jugendlichen (PDF) selbstverständlich zum Alltag gehören, ohne dass Herkunft, individuelle Voraussetzungen oder soziale Lage der Kinder dabei hinderlich sind. Zudem bilden die Erkennung und die Förderung von Talenten einen Schwerpunkt des Nationalen Aktionsplans.
Fünf Handlungsfelder im Mittelpunkt
Der Aktionsplan soll bestehende Angebote besser miteinander verknüpfen und die Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen, Schulen und Sportvereinen stärken und ausbauen. Dabei stehen fünf Handlungsfelder im Mittelpunkt:
- mehr tägliche Bewegung
- grundlegende Schwimmfähigkeiten für jedes Kind
- bessere Beratung der Eltern
- Beobachtung der motorischen Entwicklung
- sowie die frühzeitige Erkennung und Förderung sportlicher Talente.
Als Zielmarke ist definiert, dass sich Kinder und Jugendliche täglich mindestens 60 Minuten moderat bis intensiv bewegen sollen. Das entspricht der Mindestempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch dem Rückgang der Schwimmfähigkeiten soll entgegengewirkt werden. Alle Kinder sollen bis zum Ende der Grundschulzeit grundlegende Schwimmfähigkeiten erwerben.
Die Sportministerkonferenz hat die gemeinsam erarbeiteten Eckpunkte als Grundlage für die weitere Entwicklung des Nationalen Aktionsplans beschlossen. Die Federführung in der konkreten Umsetzung übernehmen die Sportministerkonferenz und das Bundeskanzleramt gemeinsam. Der Aktionsplan selbst wird nun mit den beteiligten Partnern ressortübergreifend weiter ausgearbeitet und soll zur 55. Sportministerkonferenz im April in Hamburg vorgestellt werden.
Neue Wege in der Nachwuchsförderung
Mit der Frage, wie Kinder im Sport gut ausgebildet werden und begeistert den Grundstein für lebenslanges Sporttreiben legen, beschäftigte sich die Konferenz am Beispiel des Fußballs. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stellte mit der „Schule des Kleinfeldfußballs“ seine „Trainingsphilosophie Deutschland“ vor.
Im Mittelpunkt stehen altersgerechte Spiel- und Trainingsformen, die möglichst vielen Kindern Freude am Fußball vermitteln und zugleich die Entwicklung sportlicher Talente ermöglichen. Ein wichtiger Ansatz ist dabei das Spielen auf kleineren Feldern mit kleineren Mannschaften. Dadurch haben die Kinder viele Ballaktionen und Erfolgserlebnisse.
Dieser Ansatz muss aber auf dem Platz, also in der Trainings- und Turnierpraxis ankommen: Die Sportministerkonferenz tauschte sich deshalb mit dem DFB darüber aus, wie diese Ansätze in den Vereinen und bei den Trainerinnen und Trainern ankommen können. Dabei ging es auch um die Verbindung von Breitensport und Nachwuchsleistungssport. Denn gute Nachwuchsförderung beginnt lange bevor besondere Talente entdeckt werden. Entscheidend ist, dass möglichst viele Kinder Zugang zu guten Sportangeboten haben und ihre Fähigkeiten entwickeln können.
Länder stehen hinter Olympiabewerbung
Die Sportministerkonferenz hat mit Blick auf die nächsten Schritte ihre Unterstützung für die Bewerbung Deutschlands um Olympische und Paralympische Spiele bekräftigt. Nach der Nominierung Münchens durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Baden-Baden am 26. September 2026 beginnt nun die nächste Phase des Bewerbungsprozesses. Deutschland bewirbt sich um die Austragung der Spiele 2036, 2040 oder 2044.
Die Länder unterstützen München und die beteiligten Standorte als gesamtdeutsche Bewerbung. Sie setzen sich dafür ein, dass Bund, Länder, Kommunen und organisierter Sport eng zusammenarbeiten, um die Spiele nach Deutschland zu holen. Dafür brauche es die organisatorische und finanzielle Basis: Der DOSB und der Deutsche Behindertensportverband sollen deshalb die Länder frühzeitig in die weitere Entwicklung einbeziehen. Die Sportministerkonferenz beschloss zudem, dass eine erfolgreiche Bewerbung langfristige und verlässliche finanzielle Grundlagen braucht. Die 16 Länder begrüßten die bisherigen Zusagen des Bundes und forderten, diese in einen belastbaren Finanzierungsrahmen zu überführen.
Olympische und Paralympische Spiele sollen dabei weit über die Wettkämpfe hinaus wirken. Die Bewerbung soll auch den Breiten- und Nachwuchssport stärken, mehr Menschen für Bewegung begeistern und die Sportinfrastruktur nachhaltig verbessern.
Zwei Jahre Vorsitz Baden-Württembergs
Mit der 54. Sportministerkonferenz in Konstanz endet der turnusmäßige Vorsitz Baden-Württembergs. Seit Januar 2025 hat das Land die Sportministerkonferenz geleitet und wichtige sportpolitische Fragen auf Bundes- und Landesebene begleitet. Zum 1. Januar 2027 übernimmt Niedersachsen den Vorsitz.
In den vergangenen zwei Jahren beschäftigte sich die Sportministerkonferenz unter baden-württembergischer Leitung mit zahlreichen Fragen zur Zukunft des Sports. Ein besonderer Schwerpunkt lag darauf, den Kinder- und Jugendsport zu stärken, den Leistungs- und Spitzensport weiterzuentwickeln und die Bewerbung Deutschlands um Olympische und Paralympische Spiele zu begleiten. Dazu gehören:
- Entwicklung der Handlungsempfehlung zur Schaffung niedrigschwelliger Sport- und Bewegungsangebote
- Gründung eines Zentrums für Safe Sport
- Begleitung der Erarbeitung des Sportfördergesetzes
- Begleitung der Olympiabewerbung
- Erarbeitung von Eckpunkten für einen Nationalen Aktionsplan
Baden-Württembergs Sportministerin Theresa Schopper zog eine erste Bilanz:
„Wir haben in den vergangenen zwei Jahren wichtige Themen gemeinsam vorangebracht. Dabei war mir besonders wichtig, dass wir den Sport als Ganzes betrachten: vom Kind, das Freude an Bewegung entdeckt, über die vielen Engagierten in unseren Vereinen bis hin zu unseren Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern. Für eine solide Grundlage für erfolgreichen Sport brauchen wir starke Vereine, gute Sportangebote und eine verlässliche Förderung. Mein Dank gilt allen Ländern und unseren Partnern für die konstruktive Zusammenarbeit. Ich bin überzeugt, dass Niedersachsen diesen gemeinsamen Weg erfolgreich fortsetzen wird.“