148.506 Menschen haben bei der Vogelwahl mitgemacht / Bis zur Rückkehr nach Baden-Württemberg die Nester schützen.
Ein echter Sommerbote wird Vogel des Jahres 2027: Mit 67.050 Stimmen (45,2 Prozent) setzte sich die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) durch. Insgesamt beteiligten sich 148.506 Menschen an der öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres von NABU und LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Für den Trauerschnäpper entschieden sich 33.181 Wählende (22,3 Prozent), der Kolkrabe kam auf 22.587 (15,2 Prozent), die Wasseramsel auf 16.074 (10,8 Prozent). Auf dem letzten Platz landete der Kranich mit 9.614 Stimmen (6,5 Prozent).
Der neue Jahresvogel wurde in Abwesenheit gekürt – er überwintert derzeit Tausende Kilometer weit weg, in Afrika, südlich der Sahara. „Erst Anfang April kommen die Mehlschwalben zurück nach Baden-Württemberg, um unter Hausdächern, an Ställen und Scheunen zu brüten“, sagt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Auch wenn nach dem bekannten Sprichwort eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, gelten die kleinen Zugvögel als Vorboten der warmen Jahreszeit.
„Leider fliegen immer weniger Schwalben in Baden-Württemberg, sodass die einst häufige Art heute auf der Vorwarnliste der Roten Liste steht“, sagt Bosch. Heute leben geschätzt 38.000 bis 58.000 Brutpaare im Ländle. Gefährdet sind Schwalben vor allem, weil ihre Nester illegal zerstört oder sie an Häusern vertrieben werden. Moderne Architektur ohne Dachüberstände, monotone Landschaften und die zunehmende Bodenversiegelung machen es Schwalben oft unmöglich, ihre Nester in Eigenarbeit aus feuchtem Lehm zu bauen. Schwalben erbeuten Insekten im Flug, oft in großer Höhe – wegen des Insektensterbens leiden sie dabei zunehmend unter Nahrungsmangel.
Mehlschwalben sind gut zu erkennen: Nur etwa 14 Zentimeter groß, haben sie einen kurzen, leicht gegabelten Schwanz. Oberseite und Flügel sind schwarz, wobei Kopf und Rücken metallisch blau glänzen. Unterseite und Bürzel leuchten weiß wie Mehl – daher ihr Name. Die Flugkünstler sind gesellig: Sie brüten in Kolonien und sind auch außerhalb der Brutzeit in großen Schwärmen anzutreffen. Sie bauen runde, nahezu geschlossene Lehmnester an Gebäuden unter Dach- oder Fassadenvorsprüngen und an Felswänden in Nischen. Ein solches Nest besteht aus bis zu 1.500 Lehmkügelchen, für die sie das Material in Pfützen sammeln. Lehmpfützen in Hof oder Garten bieten den Vögeln Baumaterial, ein insektenfreundlicher Garten lockt Nahrung für die Sommerboten an.
„Werden Sie Schwalbenfreund oder -freundin, montieren Sie neue Nisthilfen für die Mehlschwalben an Ihrem Haus und helfen Sie dem Vogel des Jahres 2027, wieder überall im Land heimisch zu werden“, wirbt Bosch. Wo es bereits Nester gibt, dürfen diese nicht entfernt werden. Neue Nisthilfen sollten an Stellen befestigt werden, wo es im Sommer nicht zu heiß wird. Wer Mehlschwalben willkommen heißt, kann vom NABU die Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ erhalten.
Die Mehlschwalbe folgt auf das Rebhuhn, das in diesem Jahr den Titel trägt. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt.
Hintergrund:
- Mehr Infos: www.vogeldesjahres.de sowie www.NABU-BW.de/vogeldesjahres
- Vogelporträt Mehlschwalbe: www.NABU.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/mehlschwalbe/
- Schwalbenfreundliches Haus: www.NABU-BW.de/schwalbenfreundlicheshaus
Foto von Karsten Mosebach
PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.