Wie lassen sich Denkmalschutz und Klimaschutz miteinander vereinbaren? Bei einem Arbeitsgespräch des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart wurden innovative Energiekonzepte aus Baden-Württemberg vorgestellt. Die Beispiele zeigen, wie erneuerbare Energien auch in denkmalgeschützten Gebäuden zum Einsatz kommen können.
Wie lassen sich Baudenkmale erhalten und zugleich mit erneuerbaren Energien versorgen? Mit dieser Frage beschäftigten sich am Freitag, 9. Oktober 2026, mehr als 100 Fachleute bei einem Arbeitsgespräch des Landesamts für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart. Im Salemer Pfleghof in Esslingen diskutierten sie anhand preisgekrönter Projekte aus Baden-Württemberg, wie sich Denkmalschutz und Klimaschutz miteinander vereinbaren lassen.
Die vorgestellten Beispiele zeigten unterschiedliche Lösungsansätze. Anhand eines Wohnhauses, einer zum Wohnhaus umgenutzten Scheune, einer umgenutzten Reithalle, die heute multifunktional genutzt wird, und einer städtischen Gesamtanlage konnte aufgezeigt werden, wie zukunftsfähige Projekte funktionieren.
„Denkmalpflege ist ein wichtiger Innovationsmotor für den Klimaschutz“, sagte Prof. Dr. Ulrike Plate, Abteilungsdirektorin der Bau- und Kunstdenkmalpflege am LAD, in ihrer Begrüßung.
Klimaschutz und Denkmalschutz zusammendenken
Im Rahmen internationaler, europäischer und nationaler Klimaschutzziele möchte das Land Baden-Württemberg einen angemessenen Beitrag zum Klimaschutz durch Reduzierung der Treibhausgasemissionen hin zur Netto-Treibhausgasneutralität leisten und zugleich zu einer nachhaltigen Wärmewende beitragen. Bereits im Jahr 2010 erwirkte der baden-württembergische Landtag mit dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) eine Nutzungspflicht von zehn Prozent erneuerbarer Energien bei einem Heizungsaustausch in bestehenden Wohngebäuden. Im Jahr 2015 erfolgte die Erweiterung auf bestehende Nichtwohngebäude und eine Erhöhung des Pflichtanteils auf 15 Prozent. Das betrifft auch Baudenkmale; Ausnahmen aus denkmalschutzrechtlichen Gründen sind jedoch möglich.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich die gesetzlichen Anforderungen dank vielfältiger Erfüllungsoptionen bei vielen denkmalgeschützten Gebäuden mit dem Erhalt der historischen Bausubstanz vereinbaren lassen. Zugleich eröffnet die technologische Entwicklung immer neue Möglichkeiten, erneuerbare Energien in Baudenkmalen einzusetzen.
Das Arbeitsgespräch bot den Fachleuten, die solche Konzepte planen und umsetzen, die Gelegenheit, diese einem interessierten Publikum vorzustellen und ihre Übertragbarkeit zu diskutieren. Ergänzend teilten die Bauherrschaften ihre individuellen Erfahrungen mit den vorgestellten Lösungen.
Diese Impulse sollen dazu beitragen, Baudenkmale weiterhin zu erhalten und Nutzungen dieser unter Einsatz erneuerbarer Energien zu realisieren.
Vorgestellte Beispiele
Haus „Zum Kampf“ in Konstanz
Das Haus „Zum Kampf“ in Konstanz hat ein innovatives Energieversorgungskonzept mit Abluftwärmepumpe und Infrarotheizkörpern.
Konradigasse 12 – Klimaschutz Konstanz
Umgenutzte Klosterscheune in TÜ-Bebenhausen
An dem Energieversorgungskonzept der Klosterscheune von Bebenhausen ist denkmalfachlich besonders interessant, dass eine Wärmepumpe, die mit Außenluft arbeitet (im Gegensatz zur Abluftwärmepumpe in Konstanz), trotzdem im Haus stehen kann.
Umgenutzte Reithalle in Achern
Die ehemalige Reithalle in Achern wird heute multifunktional genutzt. Das Energiekonzept berücksichtigt die unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Nutzungen und setzt auf eine Kombination verschiedener Energieträger.
Reithalle Achern – die Region gemeinsam unter einem Dach
Michael Welle Architektur: Ehemalige Reithalle in Achern
Quartierskonzept in Markgröningen
Das Quartierskonzept aus Markgröningen gibt einen Ausblick darauf, wie Denkmale durch quartiersübergreifende Versorgungskonzepte erneuerbare Energien nutzen können.
Klima & Energie: Stadt Markgröningen
Steckbrief Quartierskonzept Markgröningen
PM Regierungspräsidium Stuttgart