Sonntagsgedanken: Dankbarkeit

In den Kirchen feiern wir das Erntedankfest. Die Gaben an den Erntedankaltären zeigen die Fülle der Früchte, die gewachsen sind. Auch dieses Jahr wieder bei uns im Land. Aber: Unsere Sorgen werden größer! Wird in Zukunft nicht Vieles verbrennen oder vertrocknen und das nötige Wasser fehlen für Nahrung? Werden schlimmere und häufigere Naturkatastrophen und Wetterextreme uns Menschen treffen? Mehr und mehr Kriege bringen unvorstellbares Leid in die Welt. Wie kann sich bloß unsere Demokratie stabilisieren?

Wir können versuchen unseren Sorgen und Ängsten die Dankbarkeit entgegenzustellen! Nehmen wir das Erntedankfest zum Anlass auf Dinge zu schauen, die gelingen, die uns Freude bereiten und Kraft geben. Dankbarkeit ist mehr als ein momentanes Gefühl und kann unabhängig von äußeren Umständen bestehen. Dankbarkeit als Haltung, die ich üben kann. Auch in schwierigen Phasen, an Wendepunkten und in Zeiten der Veränderung, Sorge und Überforderung. Dankbarkeit legt den Fokus bewusst auf das, was bereits da ist. Das ist ein aktiver Akt, ein  Perspektivwechsel, den ich praktizieren kann. Statt darauf zu schauen, was fehlt oder belastet, richtet Dankbarkeit den Blick auf vorhandene Ressourcen und Fortschritte.

Selbst erlebe ich tagtäglich einen großen Mangel: die fehlende Zeit. Kennen Sie das?

Beruf, Organisation des Alltags, genügend Schlaf, Familie und Großfamilie, Freizeit und Erholung, Kümmern um die Gesundheit, Reisen, Bildung, Pflege von Freundschaft und Vieles mehr füllen die Tage komplett aus. Manchmal – zum Abschluss des Tages – nehme ich mir Zeit und schreibe auf, wofür ich heute Zeit hatte, also was ich so getan habe und wer mir begegnet ist. Ich schaue dies alles bewusst an, gebe dem Raum und merke, dass es mich gefüllt hat, füllt, erfüllt. Dafür hatte ich Zeit. Es entsteht das Gefühl von Dankbarkeit, innerer Ruhe und Frieden. Und manchmal möchte ich dann singen: „Lobe den Herrn, meine Seele und seinen heiligen Namen. Was ER dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen. Lobe, lobe den Herrn, meine Seele.“

 

Ursula Mühlbauer, Gemeindereferentin in Donzdorf und im Lautertal

 

 

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